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Landsberg

01.03.2020

Wolfgang Buttners Leben zwischen Gartenidyll und Weltuntergang

Wolfgang Buttner im Garten seines Hauses in Landsberg. Der 63-Jährige tritt für die ÖDP als Landratskandidat an. Seit sechs Jahren sitzt er für die Partei im Kreistag.
Bild: Thorsten Jordan

Plus Wolfgang Buttner ist Landratskandidat der ÖDP. Als Kommunalpolitiker hat ihn schon vieles frustriert. Doch jetzt will es der 63-Jährige noch einmal wissen.

Hier die Gartenidylle in seinem Haus in Landsberg , dort Wolfgang Buttners Befürchtung, dass der Klimawandel nicht mehr aufzuhalten ist. Mit 63 Jahren zieht sich der Diplom-Ingenieur, Energieberater, Hobbygärtner und Vielleser jedoch nicht ins Private zurück. Er nimmt noch einmal den Kampf für Umwelt und Klima auf: Darum geht es ihm in erster Linie mit seiner Kandidatur für die ÖDP um das Amt des Landrats im Landkreis Landsberg. Das Engagement der Jugend macht ihm Hoffnung.

Der Kontrast könnte kaum größer sein. Der Garten von Wolfgang Buttner in Landsberg ist ein kleines Paradies: Da stehen die alten, vom Vater gepflanzten Obstbäume, unter denen die Krokusse und Märzenbecher blühen. Aus dem Gemüsebeet kann Buttner auch im Winter ernten. Im häuslichen Arbeitszimmer fühlt man sich dagegen eher dem Weltuntergang nahe, wenn man die Bücher auf dem Tisch erblickt: „Selbstverbrennung“ des Klimaforschers Hans Joachim Schellnhuber , „Die unbewohnbare Erde“ von David Wallace-Wells oder „Warum schweigen die Lämmer“, ein kapitalismuskritisches Buch von Rainer Mausfeld.

Er demonstrierte schon gegen Ely Lilly

Wolfgang Buttner kann auf mehr als vier Jahrzehnte politische Tätigkeit zurückblicken. Als Gymnasiast war er schon Mitte der 1970er-Jahre dabei, um die Ansiedlung des US-amerikanischen Pharmakonzerns Ely Lilly in Landsberg zu verhindern. Dann ging er aus Landsberg weg, studierte in München Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik. Buttner machte sich schon bald nach dem Studium als Energieberater selbstständig und ist bis heute als solcher vor allem für mittelständische Firmen tätig.

Wolfgang Buttners Leben zwischen Gartenidyll und Weltuntergang

Das Waldsterben, die Chemieunfälle in Seveso 1976 und Bhopal 1984 und die Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl waren für den jungen Ingenieur weitere Beweggründe, sich politisch zu betätigen. Zuerst war er bei Greenpeace , doch das war ihm bald zu wenig. Buttner ging zu „ Robin Wood “. Auch damals bewegte sich Buttner schon zwischen Hoffen und Bangen. Dass er kinderlos geblieben ist, so sagt er, habe auch mit der Sorge um den Zustand der Welt zu tun gehabt. Auch sonst versucht Buttner, sich gemäß seiner Weltsicht zu verhalten. Seit 35 Jahren sei er Vegetarier (eine Ausnahme mache er nur bei Wildschwein), meistens sei er mit dem Fahrrad unterwegs, mit seinem 18 Jahre alten Kleinwagen sei er im vergangenen Jahr nur 5400 Kilometer gefahren. Sein Haus habe er so umgebaut, dass es heute nur noch ein Prozent der früheren Menge an Kohlendioxid erzeugt.

Nach dem Abitur ging Buttner zu den Grünen

In Landsberg gehörte Buttner zu den ersten Grünen. „Nach dem Abitur hat mich Uschi Hartmann angeworben“, blickt er zurück. 1992 trat Buttner in München in die ÖDP ein. Bei den Grünen sei er mit seiner Forderung nach einer „ökologischen Steuerreform“ nicht weitergekommen. Denn Buttner ist nicht nur der Umweltschutz wichtig: Er will auch den Kapitalismus überwinden und zu einer „Gemeinwohlökonomie“ hinkommen.

Im Stadtrat hat er zu wenig erreicht

Sein erstes politisches Mandat erlangte Buttner im Jahr 2008, als er in den Stadtrat gewählt wurde. Kurz zuvor war er wieder nach Landsberg in das schmucke Siedlerhäuschen, das seine Eltern in den 1950er-Jahren erbaut hatten, zurückgekommen, nachdem sein Vater gestorben war. Auf eine zweite Amtszeit im Stadtrat verzichtete der ÖDP-Politiker, zu wenig habe er für sein Thema, den Klimaschutz erreichen können. Die von ihm schon vor zwölf Jahren beanstandeten Halogenglühlampen hingen noch heute in der Stadtbibliothek, nennt er als Beispiel. Stattdessen wurde er 2014 in den Kreistag gewählt, doch auch da fällt seine Bilanz nicht viel besser aus. „Heute kämpfen wir immer noch mit der Verwaltung“, sagt er von sich und seinen Mitstreitern der Landsberger Energieagentur mit Blick auf das Wärmetransport-Projekt für das Lechtalbad und (geplant) für das Warmfreibad in Greifenberg und die Wohnanlage im Dießener Färbergaßl.

Die jungen Leute machen ihm Hoffnung

Doch dieses Mal will Buttner weitermachen: Er kandidiert als Landrat und auf Platz drei der ÖDP-Kreistagsliste, auch wenn er Realist genug ist, zu wissen, dass er am 1. Mai wohl nicht Chef der Kreisbehörde werden wird. Woher kommt der Sinneswandel? „ Fridays for Future “ sei der Grund. „Die jungen Leute gehen auf die Straße, das hätte ich vor zwei Jahren nicht gedacht.“ Doch ohne die Älteren, so ist Buttner überzeugt, werden die jungen Leute den Richtungswechsel nicht schaffen. Und so ist bei Wolfgang Buttner doch die Hoffnung wieder da: In seinem Garten stehen nicht mehr nur die alten Apfelbäume, die sein Vater gepflanzt hat. Gemäß dem Wort Martin Luthers , auch dann noch einen Apfelbaum zu pflanzen, wenn am nächsten Tag die Welt untergeht, finden sich in Buttners Garten auch einige junge Birn-, Kirsch- und Pfirsichbäume.

Wolfgang Buttner

Wolfgang Buttner war Stadtrat und sitzt aktuell für die ÖDP im Kreistag.
Bild: Julian Leitenstorfer


  • Partei/Wählergemeinschaft ÖDP
  • Geburtstag 14. Januar 1957
  • Politischer Werdegang Anfang der 1980er-Jahre von Uschi Hartmann zu den Grünen angeworben. 1992 von Mechthild von Walter zur ÖDP angeworben.
  • Ich will Landrat werden, weil Die Frage stellt sich so für mich nicht. Meine Motivation lässt sich eher so beschreiben, dass ich dem Land einen ernsten und dringenden Rat geben will. Der Landkreis hat es seit Jahrzehnten versäumt, den Klimaschutz ernst zu nehmen. Es ist immer nur in die falsche Richtung gegangen.
  • Die Jugend der Bewegung Fridays for Future wird es ohne uns alte Hasen der Ökologie nicht schaffen, die Politik so umzusteuern, dass endlich die Ökologie auch dort ankommt, wo sie qua Naturgesetz hingehört: über der Ökonomie. Dies ist meine Motivation für den Wahlkampf.
  • Wenn ich gewählt werde, will ich mich vor allem um diese drei Dinge kümmern Energieeinsparung, Energieeffizienz, Erneuerbare Energien.
  • Meine größte Stärke Fundierte Kenntnisse über ökologische Zusammenhänge
  • Meine größte Schwäche Ein schlechtes Namensgedächtnis.
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