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05.06.2009

"Wunderwaffe" gegen anfällige Fichten

Landsberg Wer jüngst beim Spaziergang im Wald plötzlich einem städtischen Linienbus begegnete, der musste sich nicht wundern. Es handelte sich dabei nicht um eine weitere Stadtbuslinie, sondern lediglich um den jährlichen "Waldbegang" des Landsberger Stadtrats. Der Stadtbus brachte die Vertreter der Landsberger Bürgerschaft lediglich zum Ausgangsort im Forstrevier "Schnebling" im Osten Landsbergs, wo Forstamtsleiter Dr. Gerhard Gaudlitz zunächst über den Stand der Waldinventur informierte und referierte.

Anhand von zwei Aufnahmepunkten erläuterten Gerhard Gaudlitz und seine Kollegen das Verfahren im Rahmen eines Vegetationsgutachtens, wie über einen Langzeitraum Aufforstungen beobachtet, betreut und überwacht werden. Alle drei Jahre wird dieses forstliche Gutachten erstellt. Es beschreibt, wie stark Reh und Hirsch an jungen Bäumchen "herumknabbern". Dabei stellt ein Kollege drei festgelegte und immer wiederkehrende Fragen, die vom zweiten Mann anhand der kontrollierten Jungpflanze beantwortet werden. Dreimal "Nein" bedeutet dabei nichts Negatives, im Gegenteil, es bedeutet vielmehr, dass es a) keinen Leittriebverbiss durch Schalenwild gibt, b) das obere Drittel des Bäumchens nicht verbissen wurde und c) es auch keine Fegeschäden gibt.

Anhand der Ergebnisse, die zur Gesamterfassung weitergeleitet werden, wird die Abschussquote für das jeweilige Revier festgelegt. "Wald vor Wild" heißt dabei ein Grundsatz, wobei die Bejagung so erfolgen soll, dass die natürliche Verjüngung mit standortgemäßen Baumarten im Wesentlichen ohne Schutzmaßnahmen möglich wird. Schutzmaßnahmen sind in der Regel Einzäunungen, die vor allem aber eines sind: sehr teuer. "Einen Hektar einzuzäunen kostet uns 5040 Euro - aktuell haben wir vier Hek-tar eingezäunt", erklärt Dr. Gaudlitz. Neuerdings macht dem Förster allerdings ein neuer "Sport" der Rehe zu schaffen. Als nämlich Revierförster Teufel, zuständig für die Forstdienststelle 1, jüngst eine solche Einzäunung kontrollierte, sah er drei Rehe innerhalb des Areals äsen: "Als mich die Drei bemerkten, flohen sie kurzerhand mit mächtigen Sätzen über den immerhin 1,50 Meter hohen Zaun."

Doch nicht nur um Hege und Pflege ging es für die Stadträte beim Waldbegang, auch die Wegeerhaltung ist Aufgabe und gleichzeitig Herausforderung. Dr. Gaudlitz stellte eine ebenso einfache wie wirksame Methode vor, mittels eines Traktors und eines daran nachgeführten Schildes die Forstwege zu pflegen und in Schuss zu halten. Dabei zieht ein Traktor das R-2-Wegpflegegerät, ein Schild, hinter sich her, das seitlich versetzt zum einen die Ränder vom Bewuchs befreit und zum anderen den Belag wieder zur Wegmitte einschiebt. Dr. Gaudlitz: "Das gefällt zwar den Spaziergängern mit Kinderwagen oder den Radfahrern aufgrund des Rundprofils nicht so gut, doch fließt so das Wasser besser ab und wir können das Hauptwegenetz mit einer Gesamtlänge von 85 Kilometern wesentlich häufiger bearbeiten."

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In Konsistenz und Härte vergleichbar mit der Lärche

Eine "Wunderwaffe" gegen die zunehmende Anfälligkeit der Fichten ist nicht nur in den heimischen Baumärkten, sondern auch im Landsberger Forst zu finden: die Douglasie. Zwar wurden bereits im vergangenen Jahrhundert Versuche mit diesem vor allem im westkanadischen Küstengebirge vorkommenden Gehölz unternommen, doch habe sich das Saatgut stets als schlecht erwiesen. Inzwischen wurden die Untersuchungen erneut aufgenommen und dennoch, so Gerhard Gaudlitz, sei man im Landsberger Forst noch etwas zurückhaltend mit dem rötlich aussehenden Holz, das in seiner Konsistenz und Härte in etwa dem der heimischen Lärche vergleichbar sei.

Dr. Gaudlitz: "Die an neblig-feuchtes Klima gewöhnte Douglasie ist etwas heikel und leidet in unseren Wintern unter der Trockenheit bei Frost." Das Hauptaugenmerk heiße für den Landsberger Forst für die nächsten Jahrzehnte: weg von der Fichte, hin zur Unterpflanzung mit Buchen.

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