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Konzert

28.10.2020

Zarter Flügelschlag

Babett Niclas und Barnabas Herrmann.
Bild: Romi Löbhard

Musik von der grünen Insel

Irish Folk – Musik von der grünen Insel hat etwas Ursprüngliches, ja fast Archaisches. Sie scheint Zuhörer, aber auch Ausführende zurückzuführen in unbekannte Welten lang vor unserer Zeit. Sie hat etwas geheimnisvoll Anziehendes, lockt vielleicht gerade deshalb regelmäßig viele Besucher in solche Konzerte. In Sankt Ottilien jedenfalls war die Klosterkirche nach derzeitigen Maßstäben voll besetzt. Angekündigt war das Duo Trelva mit Irish Folk und Folk aus Cornwall. Da die eine Hälfte dieses Duos verhindert war, spielte das Duo Flauth. Und das machte gar nichts - im Gegenteil: Harfenistin blieb Babett Niclas und anstelle von Claudia Hoffmann (Violine) musizierte Barnabas Herrmann (Traversflöte).

Irische Musik blieb ebenfalls und statt ins Cornwall wurden die Zuhörer zusätzlich nach Schottland entführt. Diese beiden Länder sind sich in vielem sehr ähnlich - von der Landschaft über das Wetter bis zur Mentalität der Menschen, die dort leben. Entsprechend ist die Musik: ursprünglich wie das Land, fröhlich, sentimental, offenherzig wie die Menschen.

Babett Niclas und Barnabas Herrmann waren in den beiden Ländern, berichteten sie. „Dort haben wir die Musik und die richtige Art, sie zu spielen gelernt und zu Hause vertieft. Es gibt keine Noten, weil es ursprüngliche, traditionelle Musik ist.“ Entstanden ist sie in den Häusern, in den Pubs. Freunde trafen sich, hatten Instrumente dabei und musizierten.

Genau so spielte das Duo. Die Irische Harfe gab den Takt vor, die Flöte umgarnte die rhythmischen Lautmalereien. Die Akustik der Klosterkirche wirkte unterstützend. Das Programm war eine Mischung aus schnellen Jigs und zarten Klangfolgen. Das Duo hatte genau die Stimmungen eingefangen, die in Irland und Schottland erlebbar sind. Jubilierende, sich steigernde Fröhlichkeit im Wechsel mit sentimentalen, sanft plätschernden Tonfolgen, abruptes Ende: So klingt es bei unseren Nachbarn auf ihren Inseln, so beeinflussen Meer und Stürme nicht nur das Leben der Menschen, sondern vor allem auch ihre Musik. Harfenistin und Flötist gaben sie perfekt wieder, hatten Stimmungen von stürmischer See bis zum zarten Flügelschlag der Möwen eingefangen. Zusätzlich hatten die beiden Solostücke dabei. Babett Niclas spielte eine Eigenkomposition, Barnabas Herrmann erzeugte unter Zuhilfenahme seiner Stimme, mit der Flöte Töne wie von einem Didgeridoo oder ahmte den Gesang der Buckelwale nach, die sich hin und wieder vor der irischen Küste herumtreiben.

„Wir haben uns sehr gefreut, dass wir spielen durften.“ Das sagte Babett Niclas am Ende des Konzerts. Diese Freude ist sicher auch auf der Seite der Zuhörer – über ursprüngliche, hervorragend interpretierte Musik.

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