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Kreis Landsberg

04.01.2019

Zehn Jahre Güllegruben-Mord: Der traurige Jahrestag der Penzinger Bluttat

Am 4. Januar 2009 ereignete sich in Penzing eine Bluttat. Ein Mann tötete seine beiden Eltern. Vor Gericht wurde er wegen Schuldunfähigkeit des Mordes freigesprochen.
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Am 4. Januar 2009 ereignete sich in Penzing eine Bluttat. Ein Mann tötete seine beiden Eltern. Vor Gericht wurde er wegen Schuldunfähigkeit des Mordes freigesprochen.
Bild: Julian Leitenstorfer (Archiv)

Vor zehn Jahren tötete ein Mann in Penzing seine Eltern. Vor Gericht wurde der Täter damals als schuldunfähig eingestuft. Wie sich Bürgermeister Erhard erinnert.

Es war eine schreckliche Bluttat, die bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hat: der sogenannte Güllegruben-Mord von Penzing. Heute vor genau zehn Jahren tötete ein damals 34-jähriger Landwirt seine Eltern. Die Leichen wurden einen Tag später in der Güllegrube des landwirtschaftlichen Anwesens der Familie entdeckt. Vor dem Augsburger Landgericht wurde der Mann, bei dem Gutachter eine schizophrene Psychose feststellten, wegen Schuldunfähigkeit des Mordes freigesprochen und in eine geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Der Fall des Güllegruben-Mordes erinnert an einen Horrorfilm

Sonntag, 4. Januar 2009: Der spätere Täter und seine Mutter beenden gegen 20 Uhr die Arbeit im Kälberstall. Der 34-Jährige folgt ihr in den Hof, nimmt eine bereitgestellte Axt mit und schlägt seine Mutter von hinten nieder. Er schleift den leblosen Körper zur Güllegrube, wirft ihn hinein. Doch plötzlich erwacht die 53-Jährige, fängt zu schreien an. Ihr Sohn greift erneut zur Axt und tötet seine Mutter. Danach lockt er den 70-jährigen Vater unter dem Vorwand, die Mutter sei gestürzt, aus dem Wohnhaus ins Freie. Erneut schlägt der Mann mit der Axt zu. Mit dem Traktor schafft er den leblosen 70-Jährigen ebenfalls zur Güllegrube und wirft ihn dort hinein, wo er letztlich an eingeatmetem Kuhmist erstickt.

Am Tag danach kommen die schlimmen Ereignisse ans Licht. Es ist der Brückentag vor Heilig-Drei-König. Die Ermittler der Polizei entdecken die Spuren im Schnee. Schnell wird klar, dass es sich um eine Bluttat handelt. Das Gehöft wird großräumig abgesperrt. Sogar ein Polizeihubschrauber überfliegt das Anwesen und macht Aufnahmen von oben. In den frühen Abendstunden werden die Leichen geborgen. Schnell fällt der Tatverdacht auf den Sohn.

Zehn Jahre Güllegruben-Mord: Der traurige Jahrestag der Penzinger Bluttat

Am Anfang war nur von einem größeren Einsatz die Rede

Penzings Bürgermeister Johannes Erhard erinnert sich noch ganz genau an den Montag, an dem seine Gemeinde von der Nachricht des Verbrechens getroffen wurde. Am 5. Januar hat er Hochzeitstag. „Ich war mit meiner Frau gerade in Seeshaupt, als ich von der Verwaltung einen Anruf erhalten habe, dass ein größerer Einsatz läuft. Da war von einer Gewalttat noch keine Rede.“ Erhard fuhr nach Hause und machte sich ein Bild von der Lage, als die Ermittler den Hof untersuchten.

Viele Schaulustige kamen nach Penzing

Am Dreikönigstag 2009 führte der Täter die Ermittler über den Hof und half bei der Rekonstruktion der Tat. Davon wurde auch ein Film für die Gerichtsverhandlung angefertigt. Das ansonsten so beschauliche Penzing rückte für mehrere Tage bundesweit in den medialen Fokus. „Damals gab es leider viele unschöne Szenen“, sagt Bürgermeister Johannes Erhard, „wir mussten das Haus sichern.“ Nicht nur viele Medienvertreter, sondern auch viele Schaulustige kamen nach Penzing, um Blicke auf den Hof und den Tatort zu erhaschen. „So etwas habe ich noch nie erlebt. Damals sind oft Autos ganz langsam vorbeigefahren. Das kennt man normalerweise nur aus dem Fernsehen, wenn die Geier auftauchen.“

Ende 2009 begann vor dem Landgericht Augsburg der Mordprozess gegen den Täter, der Vater einer Tochter ist und dessen Beziehung lange vor der Bluttat in die Brüche gegangen war. Seine Schwester trat als Nebenklägerin auf. Damals drang der Ablauf der grausamen Tat noch einmal an die Öffentlichkeit und das ganze Ausmaß der menschlichen Tragödie wurde bekannt. Vater und Sohn waren nicht nur über die Fortführung des Hofs uneinig und hatten ein schwieriges Verhältnis.

Das Bauernhaus ist heute wieder bewohnt

Der Sohn litt auch an einer psychischen Krankheit. Immer wieder habe er Stimmen gehört, die ihm gesagt hätten, er solle seine Eltern töten. Und der 34-Jährige habe auch geglaubt, dass es nicht seine Eltern seien. Experten stellten bei ihm eine schizophrene Psychose fest. Deshalb wurde er vor Gericht auch wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen. Wie ging es mit dem Hof weiter? Noch am Tatabend hatte der junge Landwirt Viehhändler angerufen und die rund 180 Kälber und Milchkühe verkauft. Lange Zeit stand das Anwesen leer und Bürgermeister Johannes Erhard war involviert. „Von Amtswegen her ist man auf die Gemeinde zugekommen, damit gewisse Dinge abgewickelt werden.“ Zwar sei der Hof noch in Familienbesitz, jedoch vermietet und das Haus auch bewohnt.

Wie Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai auf Nachfrage bestätigt, ist der heute 44-Jährige weiterhin in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht.

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