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Gemeinschaftsausstellung

01.04.2015

Zeitreise in die Vergangenheit

Zeit? Freiheit? Friede! ist in der Landsberger Säulenhalle zu sehen

Verdutzt reibt man sich beim Betreten der Säulenhalle die Augen: Ein Déjà-vu? Eine Zeitreise in die Vergangenheit? Wer auf eine friedensbewegte Vergangenheit zurückblickt, könnte angesichts der aktuellen Gemeinschaftsausstellung „Zeit? Freiheit? Friede!“ beinahe sentimental werden. Erklärtes Ziel der Ausstellung sei es, so Initiatorin Andrea Heiß, „ein kunst- und kraftvolles Zeichen zu setzen, dass von Zeit für Freiheit in Friede geprägt ist“. Für ihr Projekt konnte sie zehn bildende Künstler und drei Live-Bands gewinnen, bunte Lyrikvorträge und eine Mal- und Gedankenleinwand bilden das weitere Rahmenprogramm.

Diese bunte Vielfalt hat einerseits ihren Reiz, birgt andererseits natürlich immer auch die Gefahr eines „Zuviel-von-allem“ und „Von-nichts-richtig“. Diese gefährliche Untiefe konnte durch eine gut durchdachte Positionierung der künstlerischen Objekte in der Säulenhalle gerade noch einmal umschifft werden.

Allerdings kann auch die beste Präsentation nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier Kunstwerke von höchst unterschiedlicher Qualität zu sehen sind. Eine gut gemeinte Intention macht eben noch lange keine gute Kunst und so ist der größte Teil der ausgestellten Objekte eher dem Bereich des Kunsthandwerks zuzurechnen. Und auch hier schwankt die Qualität, manches schrammt hart an der Grenze der Banalität entlang.

Doch gibt es auch Überraschendes zu entdecken: Vor allem die schlichten, dafür umso eindrücklicheren Holzskulpturen des Bildhauers Hans Hauzenberger überzeugen durch die stringente Behandlung des Materials, die ihm in ihrer Konsequenz absolute Gestalt verleiht. Nur selten steht man vor einem Objekt mit dem Gefühl, dass es nur so, wirklich nur so aussehen könne und jede noch so kleine Weiterbearbeitung der Skulptur ihren Charakter unwiderruflich zum Schlechteren verändern würde. Dies ist bei den Bildwerken von Hans Hauzenberger beinahe ausnahmslos der Fall, und die Empathie, mit der der Bildkünstler sein Material behandelt, teilt sich dem Betrachter auf unmittelbare Weise mit.

Auch die Arbeiten von Reinhard Giebelhausen sind durchaus sehenswert, die Experimente, die er mithilfe der digitalen Bildbearbeitung durchführt, lassen erahnen, wie viele ungenutzte Möglichkeiten hier noch zu erforschen sind.

Die bildnerisch gestalteten „Fenster zur Freiheit“ der Initiatorin, in ihrer Motivik oftmals inspiriert von Liedern des italienischen Cantautore Pippo Pollina, sind in ihrer fröhlich-leuchtenden Buntheit auf den ersten Blick zwar ansprechend, doch die naive Umsetzung, teils mit einem Hauch Esoterik überzogen, läuft große Gefahr, in den Wellen des Kitsches und der Allgemeinplätze unterzugehen. Was bedauerlich wäre, denn künstlerisches Potenzial ist vorhanden. Vielleicht wäre es hilfreich, die Welt ein wenig mehr zu sehen, wie sie ist, als so, wie man sie haben möchte. Kunst verlangt nicht zuletzt auch Distanz, gesunde Skepsis und ein kritisches Auge auf herrschende Verhältnisse.

Doch nichtsdestotrotz: Mit ihrer Intention, der kalten Realität etwas menschliche Wärme abzutrotzen und für ein Miteinander aller Nationen und Hautfarben als Weltenbürger einer Erde einzutreten, ist der Ausstellung gerade in Zeiten wie diesen Erfolg zu wünschen.

Dass sich eingangs erwähnte Sentimentalität dann doch nicht einstellen will, hat mit eben diesen Zeiten und der desolaten Nachrichtenlage zu tun.

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