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27.06.2009

Ziele haben, statt Ausreden suchen

Landsberg In Afrika standen erstmals Menschen auf dem Gipfel des Kilimandscharo, in Landsberg hoben Bergfreunde den "Deutschen Alpenverein Sektion Landsberg" aus der Taufe. Das war 1889; seither wurde der höchste Berg Afrikas noch unzählige Male bestiegen und das Landsberger Baby ist zu einem stattlichen, dem mitgliederstärksten Verein in Stadt und Landkreis herangewachsen.

Das runde Jubiläum feierte die Sektion mit einem Festabend im Sportzentrum, zu dem 1. Vorsitzender Erwin Stolz viele Ehrengäste und Mitglieder begrüßen konnte. "Das war anfangs ein reiner, elitärer Männerkreis." Humorvoll ließ Stolz die 120 Jahre Vereinsgeschichte aufleben, erinnerte an den Bau der Landsberger Hütte vor 80 Jahren, ein Ziel, das die Vorfahren beharrlich verfolgt haben - trotz zunächst herber Enttäuschungen, die laut Stolz 1925 so groß waren, dass die ganze Vereinskasse verfeiert wurde.

Irgendwann, Stolz vermutet, "aus kriegsbedingtem Männermangel", wurden in der Sektion auch Frauen zugelassen. Der Verein wuchs stetig, aus den 56 Gründern im Jahr 1889 waren es am Festabend 3839 Mitglieder geworden, Tendenz steigend. Vor 40 Jahren startete der erste Kinderskikurs - "in der vergangenen Saison haben wir 927 Kindern erste Techniken vermittelt".

In diesem Zusammenhang lobte der Sektionsvorsitzende das große Engagement der vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter. "4800 freiwillige Stunden wurden allein im vergangenen Jahr geleistet - welch ein Kapital." Mit ihrer Beständigkeit, Stetigkeit, Konstanz werden die Bergler auch kommende, neue Aufgaben meistern, ist sich Stolz sicher. "Alpinisten haben Ziele, suchen keine Ausreden. Sie sagen 'ich will es' - oder heute 'yes we can'."

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Landrat Walter Eichner lobte den Alpenverein als "Aushängeschild in Sachen Jugendarbeit" sowie das vielfältige Engagement. "Ihre Mitglieder opfern viel Zeit und Geld für die Gemeinschaft", sagte Eichner und bot Unterstützung an. Oberbürgermeister Ingo Lehmann blickte zurück auf "die aufregende Zeit damals, um 1889". Die Lokalbahn Landsberg-Schongau sei beispielsweise eröffnet worden, von Herkomer habe den Mutterturm gebaut. Der OB forderte den Verein auf, weiterhin Sorge dafür zu tragen, dass die Menschen in Landsberg sich bewegen. "Sorgen Sie dafür, dass Ihr Engagement auch auf die Politik überschlägt", war sein großer Wunsch.

"Landsberg, inmitten einer einmalig schönen Kulturlandschaft, war und ist die Topadresse", lobte Ulrich Kühnl, einer der DAV-Vizepräsidenten, die Jubiläumssektion. Auch Kühnl blickte zurück auf die Anfänge, als die Alpen noch exotisch, ein weißer Fleck waren. "Unsere Vorfahren haben sie touristisch erschlossen - heute geht es um das Erhalten." Er erinnerte auch an dunkle Zeiten des DAV, der 1924 bereits Juden von einer Mitgliedschaft ausschloss und der diese verhängnisvolle Politik auch im Dritten Reich weiterführte.

Mit wunderbaren Bildern aus der Welt der Achttausender schlossen Luis Stitzinger und Alix von Melle den offiziellen Teil ab. Die beiden Expeditionsbergsteiger vermittelten mit ihrer Multivisionsshow von der Besteigung des Nanga Parbat im vergangenen Jahr viele Einblicke in die grandiose Bergwelt des Himalaya, berichteten vom wilden Ritt mit Jeeps zum Ausgangspunkt der Expedition, von den 1,5 Tonnen Gepäck, die von Trägern zum Basislager in 1600 Metern Höhe geschleppt werden mussten. Über die Kinshofer-Route mit 50, 60 Grad steilen Flanken bezwang die sechsköpfige Gruppe den "Schicksalsberg der Deutschen". Am 21. Juni, nach letztem, 14-stündigem Aufstieg standen alle auf dem Gipfel des Nanga Parbat.

Programm Heute ist "Tag der offenen Sektion" rund um das Alpenvereinsheim in der Malteserstraße. Das Programm umfasst Bilderausstellungen, Filmvorführungen, Gaudi-Skirennen, Klettern und Bouldern, Slacklinen und Mountainbiken, Kajaktour auf dem Lech und vieles mehr.

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