Newsticker

Corona-Neuinfektionen in Deutschland auf höchstem Stand seit April
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. Zimmertür mit Einschusslöchern bis heute aufgehoben

27.04.2008

Zimmertür mit Einschusslöchern bis heute aufgehoben

Die Tür mit den beiden Einschusslöchern hat Peter Murr aufgehoben. Bis heute. Sie erinnert ihn an das Kriegsende vor genau 63 Jahren. Er war damals drei Jahre alt. Der heute 66-Jährige hatte sich versteckt, saß in einem anderen Haus im Keller auf den Kartoffeln, als amerikanische Soldaten durch die Türe seines Heimathofes in Pürgen schossen.

Albert Bauer saß beim Mittagessen, als es draußen ungewöhnlich ruhig wurde. Kein Auto und kein deutscher Soldat waren mehr zu sehen. Ein Landwirt, der mit seinen Ochsen aus Richtung Landsberg nach Pürgen kam, lieferte die Erklärung. "Die Amerikaner kommen, die Amerikaner kommen. Der Krieg ist aus", rief der Mann. Von der Schwiftinger Straße aus sah der damals 13-jährige Albert Bauer dann die amerikanischen Panzer anrollen. Schnell sei er nach Hause gelaufen, erinnert er sich, um Mutter, Großeltern und Tanten die Nachricht zu überbringen. Als die Panzer schon in der Landsberger Straße waren, flüchteten die Murrs zusammen mit einer auf dem Hof einquartierten Familie aus München sowie einem Soldaten auf das Anwesen "Steffen" außerhalb von Pürgen. Der dreijährige Peter Murr wurde dort vorsichtshalber in den Keller gebracht.

Als die amerikanischen Soldaten auf den Hof von Peter Murr kamen, schossen sie zunächst durch die Türen, bevor sie diese öffneten. Denn noch immer hielten sich deutsche Soldaten in den Häusern auf. So sollen auch in Pürgen zwei SS-Soldaten auf Amerikaner geschossen haben, erinnert sich Albert Bauer. Sie waren seit zwei Tagen auf dem Murr-Hof einquartiert. Die US-Soldaten erwiderten das Feuer, dabei fingen zwei Anwesen zu brennen an. "Die Panzer fuhren einfach durch unseren Garten", schreibt Albert Bauer.

Nachdem der Widerstand der deutschen Soldaten gebrochen war - die beiden SS-Soldaten starben und wurden laut Bauer anonym am Pürgener Friedhof begraben - kehrten Albert Bauer und Peter Murr auf den heimischen Hof zurück. Dort wurden sie von einem Soldaten afrikanischer Abstammung empfangen. "Einen Schwarzen hatten wir bis dahin noch nicht gesehen", schreibt Peter Murr. Auf Knien baten Albert Bauer und seine Tante den Soldaten, sie nicht zu erschießen. Doch der Amerikaner dachte gar nicht daran, lächelte sie an und ließ die beiden gehen. Überhaupt hätten sie die amerikanischen Soldaten "sehr human" behandelt, berichtet Albert Bauer.

Bei den weiteren kleinen Gefechten, die sich vor allem am Mühlberg und in der Pitzlinger Straße ereigneten, wurde wild durch die Gegend geschossen. Dabei erlitt ein Nachbar der Familie Murr einen Bauchdurchschuss. Er habe seine fünfjährige Tochter auf dem Arm getragen, der nichts passierte, erinnert sich Albert Bauer. Ob er von einer amerikanischen oder einer deutschen Kugel getroffen wurde, konnte nie geklärt werden. Der Nachbar wurde im Wohnzimmer der Familie Murr versorgt. Die US-Soldaten hatten zwei deutsche Militärärzte geholt, die den Verwundeten notdürftig verbanden. "Er ist kurze Zeit später gestorben", schreibt Albert Bauer.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren