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Landsberg

18.06.2018

Zu Tode gesiegt, aber nicht gescheitert

Dr. Albert Thurner beschäftigt sich als Historiker auch mit der Geschichte der SPD.
Bild: Thorsten Jordan/Archiv

Die SPD Landsberg blickt mit Dr. Albert Thurner auf 155 Jahre ihres Bestehens. Ihre politischen Erfolge sind heute auch ein Teil ihres Problems.

„Das sozialdemokratische Zeitalter ist zu Ende“: So betitelt die Landsberger SPD ihre Pressemitteilung über die jüngste Mitgliederversammlung. Dabei hielt der Vilgertshofener Bürgermeister und Historiker Dr. Albert Thurner einen Festvortrag zum Thema „155 Jahre SPD – Vieles erreicht und noch so viel vor“, was freilich die Überschrift doch etwas relativierte.

Alles geschafft, was zu schaffen war 

Thurner zitierte den Soziologen Ralf Dahrendorf, der Mitglied der FDP war. Dieser hatte schon 1983 die These aufgestellt: „Das sozialdemokratische Zeitalter ist zu Ende.“ Aber, führte Thurner aus: „Es ist ein Thema von gestern. Das gilt nicht nur, weil ungewollte Entwicklungen den Annahmen dieses Themas den Boden entzogen haben. Es gilt vor allem, weil das Thema seine Möglichkeiten erschöpft hat. Die Sozialdemokratie ist nicht gescheitert. Sie hat alles geschafft, was sie schaffen wollte. Sie hat sich zu Tode gesiegt.“

Die Sozialdemokratie wurde in Deutschland 1863 gegründet. Seither stellte sie 35 Jahre Regierungen und habe auch in der Opposition viel erreicht. Das Frauenwahlrecht, der Acht-Stunden-Tag, das Betriebsrätegesetz und die Mitbestimmung, die Einführung des Arbeitslosengeldes, Kranken-, Unfall-, und Rentenversicherung seien sozialdemokratische Errungenschaften. Bereits um 1920 habe es erste Rufe nach einem geeinten Europa gegeben. Ohne die Ostpolitik von Willy Brandt hätte es keine Wiedervereinigung gegeben. Bis in die heutige Zeit sind sozialdemokratische Forderungen realisiert worden: Der Mindestlohn oder die Rente nach 45 Beitragsjahren, um nur einige zu nennen. Die SPD sei so etwas wie der rote Faden der deutschen Demokratie, sagte Thurner.

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Die traditionellen Milieus gibt es nicht mehr

Trotzdem gehe es seit 2000 bergab. Dafür seien Ursachen zu suchen: Der Aufstieg der Arbeiter in die Mittelstandsgesellschaft der 70er- bis 90er-Jahre habe das traditionelle SPD-Milieu zerstört. Die Abspaltung Linker nach der Wende führte zur Spaltung des linken Lagers. Die Individualisierung zerstöre immer mehr gesellschaftliche Bindungen. Ein deutliches Beispiel dafür sei der Organisationsgrad des Deutschen Gewerkschaftsbunds mit nur mehr 18 Prozent. Die SPD habe noch keine überzeugenden Antworten. Im Gegenteil, so Thurner: Agenda 2010 und Rente mit 67 seien als Bruch mit SPD-Grundwerten begriffen worden und verprellten die Wählerschaft weiter. Der Populismus, die erneute Spaltung der Gesellschaft, die Krise bei der Alterssicherung seien für die SPD ja altbekannte Probleme und schrien nach Lösungen durch die Sozialdemokratie.

Mit bayerischen Klängen ließen die Landsberger Dachkammersänger, vor und während den offiziellen Teilen der Veranstaltung, festliche Stimmung aufkommen.

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