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Utting

17.03.2017

Zu viel Lärm und Feinstaub?

Auf der Uttinger Ortsdurchfahrt ist immer viel los: Täglich rollen rund 10000 Kraftfahrzeuge durch das Dorf.
Bild: Thorsten Jordan

Utting will die Belastungen an der Ortsdurchfahrt messen beziehungsweise errechnen lassen. Nur wenn Grenzwerte überschritten sind, bestehen Chancen auf Verbesserung.

Der Verkehr rollt auf der Staatsstraße 2055 mitten durch Utting und lässt vor allem die Anwohner leiden. Die Gemeinde unternimmt jetzt erneut einen Anlauf, Verbesserungen erwirken zu können – angespornt durch den Bürgerantrag „Der Verkehr macht uns krank“, der in der jüngsten Sitzung behandelt wurde. 217 Bürger machen in dem Antrag auf die Situation an der Schondorfer und Dießener Straße aufmerksam. Der Verkehr habe sich seit 1985 verdreifacht, heißt es darin. Verwiesen wird auf die damit verbundene Gesundheitsbelastung durch Lärm, Feinstaub und Stickoxide sowie auch auf das Problem, dass Kinder auf dem Weg zu Schule oder Sporthalle die Staatsstraße kreuzen müssen.

Kritisiert wird, das nichts passiere und Bürgermeister Josef Lutzenberger immer darauf verweise, dass die Gemeinde nicht zuständig sei, sondern das Staatliche Bauamt in Weilheim. Die Antragsteller fordern auch eine Arbeitsgruppe „Verkehrskonzept Ortsdurchfahrt“.

Auch in der Gemeinderatssitzung macht Lutzenberger deutlich, dass die Gemeinde an der Staatsstraße kein Tempo-30-Limit durchsetzen könne. Nachgefragt habe er wegen eines lärmmindernden Asphalts. Dieser werde erst aufgebracht, „wenn die Ortsdurchfahrt reguliert wird“, so die Information aus dem Staatlichen Bauamt. Demnächst werde die Reihung der Baumaßnahmen an Ortsdurchfahrten bekannt gegeben, die Zuständigen in Weilheim machten Lutzenberger aber wenig Hoffnung: „Es gibt schlechtere Straßen ...“

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Zum Verkehr durch die Westufer-Gemeinden gibt es eine Untersuchung von 2007, die für den nördlichen Ortseingang von Utting 10800 Fahrzeuge täglich gezählt hat. Lutzenberger ließ mit einem kleinen Radargerät jetzt vom 16. Januar bis 6. Februar die Verkehrsmenge aufzeichnen. Der höchste Wert lag hier bei 9700 Fahrzeugen. Die durchschnittliche Geschwindigkeit lag bei 60,8 Stundenkilometer (km/h), 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer fuhren maximal 73 km/h und weniger. Ein Raser war mit Tempo 141 unterwegs.

Lutzenberger berichtete, dass anlässlich des Antrags lange im Bauausschuss diskutiert worden sei, und er hob den Sachverstand von Ralf Stief (CSU/Bürgerblock) hervor, der sich als Bauingenieur für die Oberste Baubehörde mit grundsätzlichem technischen Umweltschutz an Straßen beschäftigt hat. Und danach habe die Gemeinde keine Handhabe, solange nicht eine unzulässige Stickoxid- und Feinstaubbelastung nachweisen könne. „Wir brauchen was, um die zuständigen Stellen zu bewegen.“ Basis für Lärmberechnungen seien die alle fünf Jahre stattfindenden Verkehrserhebungen, doch die Zahlen von 2015 seien noch nicht veröffentlicht. Stief geht davon aus, dass mittlerweilen von Norden her sicherlich an die 12000 Fahrzeuge auf die Gemeinde zurollen. „Es dürfte wenig Staatsstraßen mit so einer Verkehrsbelastung geben.“ Die Anwohner hätten jede Unterstützung verdient. An die 20 Wohnhäuser stünden innerhalb einer Distanz von maximal zehn Metern zum Fahrbahnrand und dort gebe es sicherlich Überschreitungen der Lärmwerte von 69 Dezibel am Tag und 59 in der Nacht.

Helmut Schiller (SPD) wies auf die Diskrepanz zwischen den im Bürgerantrag genannten 13000 und den von Lutzenberger anfangs genannten Zahlen von maximal 9700 Fahrzeugen hin. Angeführt wurde, dass Januar und Februar nicht zu den verkehrsreichsten Monaten zählten. Außerdem ist es laut Meinung mehrerer Redner unerheblich, ob es sich nun um 10000 oder 12000 Fahrzeug handelt, es gehe um die generelle Belastung.

Die Gemeinde will nun auf das Landesamt für Umwelt zugehen, um eine Messung der Feinstaub- und Stickoxidwerte zu bekommen. Auf die Lärmberechnung wird noch zu warten sein, denn ihr muss die DTV, die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke, zugrunde liegen.

Ein Arbeitskreis wird vorerst nicht gegründet. Sobald konkrete Zahlen vorliegen, wird gewissermaßen kurzfristig eine Arbeitsgruppe gebildet: Eine Stunde vor der Gemeinderatssitzung, in der die Zahlen veröffentlich werden, sind die Antragsteller eingeladen, um darüber zu diskutieren. Mit dieser Vorgehensweise waren diese auch einverstanden.

Die Ortsdurchfahrt war auch Thema zweier weiterer Anträge. Gefordert wurde eine Querungshilfe in der Dießener Straße, um den Weg für Kinder zur Sporthalle sicherer zu machen. Durch die Wiedereröffnung des Supermarktes habe sich in Höhe der Auraystraße die Situation verschärft. Die Gemeinde will das Anliegen ans Staatliche Bauamt weiterleiten und ein Gemeinderatsbeschluss soll dem auch noch Nachdruck verleihen. Sollte eine Zählampel aufgestellt werden, dann müsse diese auch genutzt werden, hieß es.

Die Verkehrsinsel an der Leonhardikirche sorgt offensichtlich bei manchem Autofahrer, der aus Norden kommt, für Verwirrung. Ein Bürger schrieb deswegen an die Gemeinde und berichtete von einem Pkw-Lenker, der die Insel sogar überfuhr. Die Gemeinde will nun einen Mittelstrich anbringen lassen, damit sich der Straßenverlauf besser erkennen lässt.

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