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Landsberg

11.09.2019

Zugbegleiter als „Nazi“ beschimpft: Asylbewerber muss ins Gefängnis

Ins Gefängnis muss ein Mann, der in Geltendorf gegenüber zwei Zugbegleitern und einem Polizisten ausfällig und gewalttätig geworden war.
Bild: Thorsten Jordan/Archiv

Als zwei Bahnmitarbeiter und ein Polizist einen widerspenstigen Fahrgast in Geltendorf aus dem Zug werfen wollen, eskaliert die Lage. Jetzt wurde der junge Flüchtling in Landsberg verurteilt.

Der Regionalexpress zwischen München und Kempten ist an einem Septemberabend 2018 rappelvoll. Und zwei junge Männer machen Stress: Sie blockieren im Zug mit den Doppelstockwagen die Treppe in den oberen Stock, die auch als Fluchtweg dient. Trotz mehrmaliger Aufforderung des Zugpersonals weigern sich die jungen Flüchtlinge, den Weg freizugeben: Sie wehren sich mit Händen und Füßen, beleidigen die beiden Zugbegleiter und einen zu Hilfe gerufenen Polizisten aus Lindau mit unflätigen Ausdrücken – und recken ihnen sogar ein oder zweimal den gestreckten Mittelfinger entgegen. So stellte sich der Fall in der Verhandlung vor dem Landsberger Amtsgericht dar.

Und das alles lässt sich an jenem Septemberabend einer der beiden Zugbegleiter, 59, kurz vor dem Bahnhof Geltendorf nicht bieten. Zusammen mit einem Polizeibeamten und dem anderen Zugbegleiter schnappt er sich die zwei Männer und versucht, sie mit vereinten Kräften am Bahnhof aus dem Express zu bugsieren. Einer der beiden soll quer über die Treppe gelegen sein.

Die Kratzwunden waren erst nach acht Tagen verheilt

Doch das „Hinauswerfen“ war leichter gesagt als getan. Es entwickelte sich erst mal eine verbale Diskussion, ein Zugbegleiter soll dabei laut Anklage auch als „Nazi“ und „Rassist“ bezeichnet worden sein. Dann kam es zu Handgreiflichkeiten und Schubsereien. Hierbei wurde einer der Zugbegleiter leicht verletzt. Bei ihm war von Kratzwunden die Rede. Acht Tage soll es gedauert haben, bis die verheilt waren.

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Auf der Anklagebank im Gerichtssaal saß nur der 22-jährige Angeklagte. Er wurde von Richter Michael Eberle wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Beleidigung in zwei Fällen zu sieben Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt. Der Begleiter des Angeklagten war, wie in der Hauptverhandlung bekannt wurde, schon vor einiger Zeit zu drei Monaten Haft verurteilt worden, nachdem es mit einem Zugbegleiter zwischen Sonthofen und Oberstdorf Ärger gegeben hatte. Bei dem Zwischenfall in Geltendorf soll er eher im Hintergrund geblieben sein, wurde in der Verhandlung deutlich.

In vier Jahren siebenmal verurteilt

Dem vor Gericht stehenden 22-Jährigen passte offenbar nicht, dass er die Treppe freimachen soll, und noch weniger, dass er mit seinem Begleiter den Regionalzug verlassen soll. Denn er habe ja ein Bayern-Ticket. Ob er den Mittelfinger in die Höhe gestreckt habe, wollte der Richter von ihm wissen. Seine lapidare Antwort: „Vielleicht war ich es. Vielleicht auch nicht.“ Normalerweise belästige er niemanden, sagte der Flüchtling. Er sei seit vier Jahren in Deutschland. Und habe schon mehrere Deutsch-Kurse absolviert, berichtete er, und kündigte an, dass er sein Leben künftig verändern wolle. Richter Eberle mochte dieser Aussage keinen Glauben schenken. Denn der Angeklagte sei in seinen vier Jahren in Deutschland schon sieben Mal verurteilt worden.

Mehrfach habe er auch Auflagen und Weisungen missachtet, ja sogar Gerichtstermine einfach sausen lassen. Deswegen musste er zuletzt seit 14. August in der JVA Gablingen einsitzen, dies wegen zweier Strafbefehle, die jetzt aufgehoben wurden. (eh)

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