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Eching

19.06.2017

Zwei Apostel haben einen Extraplatz

Die Echinger Pfarrkirche feiert Jubiläum: Kirchenpfleger Helmut Söllner und Pater Regino zeigen die Planskizze, die auf das Baujahr 1767 verweist. Nur der alte Turm im Westen blieb damals bestehen.

In St. Peter und Paul in Eching wird am 2. Juli ein besonderes Patrozinium gefeiert. 1767 wurde das Gotteshaus in der Ammerseegemeinde gebaut auf dem Fundament einer älteren Kirche.

Klein, aber fein, so könnte man die Echinger Pfarrkirche St. Peter und Paul beschreiben. In ihren Dimensionen kann sie es nicht mit St. Ulrich in Eresing oder gar dem Marienmünster in Dießen aufnehmen, aber auch in Eching waren im 18. Jahrhundert namhafte Künstler am Werke.

Dieses vor 250 Jahren entstandene Gotteshaus wollen die Echinger beim Patrozinium am 2. Juli feiern. Das Hochfest der Heiligen Peter und Paul ist am 29. Juni. Sowohl Pater Regino Schüling aus St. Ottilien, der die Pfarrgemeinden Eching sowie Greifenberg betreut, als auch Kirchenpfleger Helmut Söllner ist der stolz auf St.Peter und Paul anzumerken: „Diese Kirche ist einzigartig.“

Doch wie kam es zu diesem späten Kirchenneubau? Der ehemalige Bürgermeister Hubert Mahler hat in einer Broschüre zur Pfarrkirche einige Daten zusammengefasst und auch in einem alten Kreisheimatbuch findet sich ein ausführlicher Beitrag des Ottilianer Mönchs Frumentius Renner über Eching und seine Kirche:

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1107 erstmals erwähnt

Der Ort Eching selbst wird 1065 erstmals urkundlich erwähnt und 1107 auch die Kirche. Überliefert ist, dass der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648) und auch in Folge spanische Erbfolgekrieges durchziehende Soldaten Anfang des 18. Jahrhundert Zerstörung über die Gemeinde am Ammersee brachten. Betroffen war auch das Gotteshaus. Die Echinger hatten zu dieser Zeit jedoch einen Pfarrherren, der 43 Jahre in der Gemeinde blieb, sich tatkräftig am Aufbau beteiligte und und dem Ort auch ein erspartes Vermögen von 20000 Gulden hinterließ: Johann Jakob Schorer.

Sein Nachfolger, Anton Ziegler, der aus Greifenberg stammte, stand vor einer schweren Aufgabe: Die von einem Brand schwer beschädigte Kirche war nicht mehr zu sanieren. Also wurde der Neubau beschlossen – finanziert aus Pfarrers Schorers Erbe. Und 1767 war die Kirche fertig – was die Echinger so genau wissen wegen eines Bauplans, der den Grundriss der Kirche und eine Zeichnung des Gotteshauses zeigt. Sie wurde geschaffen von Münchner Hofmaurermeister Leonhard Matthäus Gießl, der als letzter großer Rokokobaumeister gilt. Der spätgotische Westturm blieb bestehen, an ihn gliederte sich ein Saalbau mit Langhaus. Die neue Kirche stehe in vielen Bereichen auf den Fundamenten der alten, sagt Söllner, „und sie ist um den Chorraum erweitert worden“. Die Statik des Kirchengebäudes sei vor einigen Jahren geprüft worden – und in Ordnung. Hier wirkt sich positiv aus, dass die Kirche im Spätrokoko neu gebaut und in ihrer Statik nicht verändert wurde, wie so mancher andere Sakralbau mit älteren Mauern. Die Technik – Lampen und Alarmanlage – die wurden vor zwei Jahren überarbeitet.

Pater Frumentius kommt in seinem Beitrag über die Echinger Kirche ins Schwärmen über die „ausgezeichneten Arbeiten“ des Unterschondorfer Kistlers Joseph Gruber, der Altäre, Kanzel und das in Nischen eingestellte Chorgestühl fertigte. Die Deckengemälde des Münchner Hofmaler Christian Winck stellen die Übergabe der Schlüsselgewalt durch Christus, beziehungsweise die Bekehrung des Paulus und das Matyrium der beiden Apostel dar. Pater Regino macht darauf aufmerksam, dass im Kirchenraum beidseitig nur jeweils fünf Apostelfiguren aufgestellt sind, „es müssten eigentlich insgesamt zwölf sein.“ Doch Peter und Paul finden sich vorne auf dem Altarblatt. „Sie verabschieden sich voneinander vor ihrem Martyrium“, erläutert Pater Regino.

Das Marmorepitaph für Pfarrer Jakob Schorer, ohne dessen Erbe das Gotteshaus nicht gebaut worden wäre, schuf der berühmte Münchner Hofbildhauer Johann Baptist Straub. Die Orgel stammt aus dem Jahr 1782. Ihre äußere Hülle steht noch, aber das Instrument sei erneuert worden, erläutert Pater Regino.

Jubiläum Das Patrozinium wird am Sonntag, 2. Juli, gefeiert. Die feierliche Messe, die Pater Regino zelebriert, beginnt um 10. 15 Uhr, anschließend sind alle ins Jakob-Schorer-Haus geladen. Im Jubiläumsjahr hat bereits ein gut besuchtes Konzert stattgefunden und im Herbst sind ein Konzert sowie ein Santa-Lucia-Singen geplant.

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