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Dießen

02.11.2019

Zwei Wohltäterinnen der Gemeinde Dießen

Ein alles umschlingender Efeu gefährdete die Substanz des Dießener Ehrengrabs auf dem Friedhof St. Johann in Dießen.
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Ein alles umschlingender Efeu gefährdete die Substanz des Dießener Ehrengrabs auf dem Friedhof St. Johann in Dießen.
Foto: Thorsten Jordan

Plus Einst spenden Josefine Abel und Gertrude Burghardt für das Dießener Armen- und das Krankenhaus. Ein ehemaliger Kirchenpfleger kümmert sich noch heute um das Grabmal.

Es ist ein Bild, das anrührt: Übergroß und gerade aufgerichtet sitzt Jesus im weiten Mantel, in den er die Bedürftigen und Beladenen, die zu ihm gekommen sind, einhüllt. Strahlend weiß in Laaser Marmor leuchtet dieses Grabmal auf dem Friedhof St. Johann in Dießen am Ehrengrab zweier Dießener Wohltäterinnen unweit des Schacky-Mausoleums. Erst kürzlich wurde das Grabmal, geschaffen vom Bildhauer Georg Busch (1862 bis 1943), von der Gemeinde vom Efeubewuchs freigelegt.

Engagement des ehemaligen Kirchenpflegers

Dass es nun wieder vollumfänglich zu betrachten ist, geht auf die Fürsprache und das Engagement des ehemaligen Kirchenpflegers Wolfgang König und der Busch-Enkelin Roswitha Busch-Hofer aus Benediktbeuren zurück. „Der Marmor hätte durch den Efeu Schaden genommen“, erklärt König bei einem Besuch des Grabmals und fügt schmunzelnd an: „Ein schönes Bild hänge ich ja auch nicht hinter einen Vorhang“. König ist gut vorbereitet, Heimatbuch und einen Ordner mit vielen Notizen und Zeitungsberichten, aber auch Fotos inzwischen aufgelassener Gräber und ihre Geschichten, hat er mitgebracht. Er zeigt alte Bilder vom Grab, als eine Kette dieses noch nach drei Seiten begrenzte.

Sie versprach weitere Schenkungen

„Hier ruhen in Frieden die grossen Wohltäter des Marktes Diessen Fräulein Josefine Abel, 1. Jan. 1829 + 13. Jan. 1906; Frl. Gertrude Burghardt 12. Jan. 1879 + 9. Dez. 1958“ steht in Stein gemeißelt auf dem Sockel. Josefine Abel übergab dem Markt 1897 immerhin 1500 Mark in bar und versprach weitere Schenkungen, wenn der Bau eines Armenhauses bald in Angriff genommen würde. Ein Jahr später begann die Gemeinde mit dem Bau eines solchen in der Fischerei in der Moosstraße 8. Dieses Haus ist heute in Privatbesitz.

Noch immer in Gemeindehand ist das zweite Armenhaus, das auf Abel zurückgeht, und zwar das Haus am Waffenschmiedweg 21. Josefine Abel sei die Patin einer Freifrau von Hohenhausen gewesen, erzählt König. Nach deren Tod habe die Freifrau zum Gedenken an die Verstorbene dieses Grabmal 1907 gestiftet. Ob die Urne der zweiten Wohltäterin, Gertrude Burghardt, tatsächlich auch dort bestattet wurde, ist nicht zweifelsfrei belegt. Vermerkt ist bei Burghardt nämlich eine Feuerbestattung am Ostfriedhof in München. Burghardts Vermögen kam aber den Dießener Kranken zugute – sie spendete Geld für einen Anbau an das Krankenhaus.

Gefragter Künstler und Förderer christlicher Kunst

Der Bildhauer Georg Busch, ein in seiner Zeit sehr gefragter Künstler und Förderer christlicher Kunst, führte große kirchliche Aufträge aus, darunter sieben Bischofsdenkmäler und 25 Altäre. Bekannt sind beispielsweise der Kreuzweg in München St. Paul sowie der Canisiusaltar im Augsburger Dom. Busch stellte regelmäßig im Glaspalast in München und auch bei der Weltausstellung in St. Louis/USA aus und erhielt mehrere Preise. 1901 wurde ihm der Titel „Königlicher Professor“ verliehen.

Für Wolfgang König, der 17 Jahre lang, bis 2007, Kirchenpfleger und übergangsweise auch Friedhofsverwalter war, ist der Friedhof ein Ort, an dem er sich gern aufhält. „Er ist für mich wie ein Park, wenn auch mit Zahnlücken“, verweist er auf die freien Flächen durch aufgelassene Gräber. „Ich gehe hier gern spazieren, man trifft immer jemand und erfährt das Neueste aus dem Ort.“

Zwei recht angeheiterte Damen

Früher hat er noch persönlich Grabplätze verkauft. Aus dieser Zeit weiß er so manche Anekdote zu berichten. Einmal seien zwei recht angeheiterte Damen zu ihm gekommen auf der Suche nach einer Urnennische für ihre verstorbene Tante. Es gab zwei zur Auswahl, eine weiter oben, eine tiefer an der Wand. Nachdem die Wahl zuerst auf die obere gefallen sei, hätten sich die Damen dann noch einmal umentschieden mit den Worten: „Wir nehmen doch die untere Nische, da ist sie der Hölle näher.“

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