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Kaufering

25.01.2016

Zwischen „Reizfigur“ und Mann mit viel Wissen

Dr. Klaus Bühler bestimmte viele Jahre die Politik auch im Landkreis mit. Unser Archivbild zeigt ihn mit Landrat Walter Eichner (rechts).
Bild: Thorsten Jordan

Das sagen politische Entscheidungsträger zum Bühler-Aus

Für viele Kauferinger glich die Infopost, die sie am Wochenende in ihrem Briefkasten fanden, einem Paukenschlag: Dr. Klaus Bühler zieht sich aus gesundheitlichen Gründen aus dem Marktgemeinderat zurück (wir berichteten). Das Landsberger Tagblatt erkundigte sich bei politischen Weggefährten aus dem Kauferinger Gremium zum Abschied des früheren Bürgermeisters aus der Kommunalpolitik. Was auffällt: Sie hatten die Postwurfsendung mit einem vier DIN-A4-Seiten umfassenden Schreiben nicht im Briefkasten, sondern erfuhren über Umwege von Bühlers Rückzug.

Meinrad Mayrock (CSU), Sprecher der größten Fraktion im Kauferinger Marktgemeinderat, hat die Nachricht von Bühlers Mandatsrückgabe „zum einen mit Überraschung, zum anderen mit Erleichterung“ aufgenommen, wie er sagt. Dass der Ehrenbürger und ehemalige Rathauschef, der 2012 aus gesundheitlichen Gründen sein Bürgermeisteramt niedergelegt hatte, in seinem Infobrief noch einmal kräftig austeilte – vor allem gegen seinen Nachfolger Erich Püttner – stößt bei ihm auf Kritik: „Dass es wieder mit mords Tamtam sein musste, ist schade.“ Zuletzt hatte Mayrock mit Bühler gemeinsam im Rechnungsprüfungsausschuss „gut“ zusammengearbeitet. Ein Argument Bühlers, der eigenen Worten nach nicht mehr Mitglied des Gemeinderats sein wolle, in dem die Mehrheit offen zugebe, „der Bühler kann beantragen, was er will, wir werden das ohnehin ablehnen“, kann Mayrock nicht nachvollziehen: „Aus meiner Sicht war da nichts Bösartiges im Marktgemeinderat. Es kamen immer wieder Anträge der Kauferinger Mitte, die ich einfach nicht mittragen konnte. Aber das ist nichts Ungewöhnliches.“ Der CSU-Fraktionschef hofft, dass nach dem Rückzug der „Reizfigur Bühler“, die dieser bei einigen Räten gewesen sei, sich die Bühler-Partei Kauferinger Mitte wieder den Sachthemen widme.

Im November 2011 hatte Dr. Klaus Bühler nach 25 Amtsjahren sein Amt als Bürgermeister der damals drittgrößten Landkreiskommune aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Sein Wunschkandidat Erich Püttner (UBV) setzte sich im März 2012 in der Stichwahl gegen Gabriele Triebel (GAL) durch. „Ich habe mit seinem Rückzug aus dem Gemeinderat gerechnet, weil ich seinen Gesundheitszustand gesehen habe. Ich wünsche ihm alles Gute“, sagt die heutige Zweite Bürgermeisterin. Mit Bühlers finalem Rückzug aus der Kommunalpolitik ende eine Ära für Kaufering. „Aber wir werden weiter von ihm hören, wie ich denke“, so Triebel. In Bühlers vierseitiger Erklärung sieht sie Widersprüche: „Zuvor startet er zum Angriff auf seinen Nachfolger und drei Zeilen später entschuldigt er sich.“ Bühler hatte sein Rücktrittsschreiben mit den Worten „sollte ich jemanden durch meinen persönlich doch aufwendigen Arbeitsstil während meiner Zeit als Erster Bürgermeister ungewollt verletzt haben, dann bitte ich herzlich, dies zu entschuldigen“ beendet. Dass Bühlers schriftlich eingereichte Anträge im Marktgemeinderat meist abgelehnt worden seien, ist für die Grünen-Politikerin nichts Ungewöhnliches: „Das ging mir zehn Jahre so.“ Aber der ehemalige Gemeindechef habe in den Sitzungen auch gute Argumente in den Diskussionen gehabt, „und da haben wir dann oft auch mitgestimmt“. Auch in den Augen von Thomas Wiesmann (SPD) hat Dr. Klaus Bühler in den fast 21 Monaten im Marktgemeinderat mit seinem „großen Wissen gute Vorschläge gebracht“. „Dass wir alles von ihm abgelehnt hätten, stimmt nicht. Gerade in den Ausschüssen hat er gute Sachen gebracht, wo ich mitgestimmt habe.“ Anders sei es aber bei großen, teuren Vorhaben der Kauferinger Mitte gewesen. Persönlich wünscht er Bühler „alles Gute für die Zukunft und vor allem Gesundheit“. Über die Art und Weise von Bühlers Abschied ist Sascha Kenzler (UBV) verwundert: „Ich hätte es nicht in Form dieses Briefes gemacht.“ Vor einigen Wochen habe er Bühler in einem persönlichen Gespräch gebeten, den Streit mit dem amtierenden Bürgermeister zu beenden. „Dass er Fachkompetenz und Erfahrung mitbringt, steht außer Frage. Aber es wurde überschattet von Streit und Zwist“, so Kenzler.

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Im Mai 2014 hatte der inzwischen nach Landsberg umgezogene Dr. Klaus Bühler sein politisches Comeback in Kaufering gefeiert – als Gemeinderat. Die von ihm ins Leben gerufene Kauferinger Mitte wurde aus dem Stand drittstärkste Kraft und holte vier Mandate. Innerhalb seiner Fraktion herrscht Bedauern über Bühlers Schritt. „Von seiner langjährigen Erfahrung und seinem tief greifenden Wissen kann der Gemeinderat nur profitieren“, sagt Manfred Huber, der von Bühler den Fraktionsvorsitz übernehmen wird. Er könne die Gründe Bühlers nachvollziehen, finde sie plausibel und sehe die Punkte ähnlich wie er. „Vermutlich wäre jeder andere Gemeinderat stolz, so einen Kollegen in seinen Reihen zu haben. Mein Eindruck ist, dass das in Kaufering leider anders gesehen wird.“ Bühler sei mehrmals kein Rederecht eingeräumt worden und auch der amtierende Bürgermeister habe ihm mindestens einmal das persönliche Gespräch verweigert. Erster Nachrücker für Dr. Klaus Bühler ist laut Ergebnis der Kommunalwahl von 2014 der ehemalige UBV-Marktgemeinderat Wolfgang Gottschalch.

Noch kein Ergebnis gibt es hinsichtlich des gegen Dr. Klaus Bühler eingeleiteten Disziplinarverfahrens durch die Landesanwaltschaft Bayern. „Die Ermittlungen dauern noch an“, teilte Oberlandesanwalt Anton Meyer gestern auf Nachfrage mit.

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