Überfüllte Container und davor abgelagerte Altkleider und Restmüll. So stellte sich die Situation zuletzt in der Max-Friesenegger-Straße in Landsberg dar.Foto: Christian Rudnik
Die Zustände rund um die Altkleidercontainer in der Max-Friesenegger-Straße in Landsberg bezeichnet eine Anwohnerin als unzumutbar. In Sichtweite der Geschäftsstelle des Roten Kreuzes (BRK) liegen Altkleider und Restmüll rund um die überfüllten Sammelcontainer, die der BRK-Kreisverband dort aufstellen hat lassen. An etlichen Stellen im Landkreis ist die Situation ähnlich. „Uns sind die Hände gebunden“, sagt BRK-Geschäftsführer Andreas Lehner. Aktuell hätte die Firma, die die Container leert, mit Personalproblemen zu kämpfen. In der Max-Friesenegger-Straße wurde Anfang der Woche geleert, doch gleichzeitig stellt sich die Frage, ob das Sammelsystem so noch sinnvoll ist. Denn das Geschäft mit den Altkleidern ist am Boden.
Die Landkreise sind als sogenannte öffentlich-rechtliche Entsorger zum Sammeln von Müll und bestimmten Wertstoffen verpflichtet, sofern sie niemanden finden, der das auf eigene Rechnung tut. Im Altkleider-Geschäft geht diese eigene Rechnung für viele Firmen und Organisationen nicht mehr auf. Zuletzt haben zwei große Unternehmen aus der Branche Insolvenz angemeldet, die auch für gemeinnützige Organisationen Container aufstellen und die Kleider sortieren und vermarkten. Landauf, landab verschwinden immer mehr Kleidercontainer von den gewohnten Standorten. Wie Andreas Lehner sagt, hätten sich andere BRK-Kreisverbände in Bayern längst dazu entschieden, ihre Sammelcontainer abzuziehen.
Das Rote Kreuz bietet im Landkreis Landsberg rund 50 Standorte an
Im Landkreis Landsberg bietet das BRK rund 50 Stellplätze an. „Wir stellen die Logistikflächen zur Verfügung“, sagt Andreas Lehner. Die Container seien Eigentum der Verwerter-Firma, die mit dem Namen des Roten Kreuzes werben dürfe. Zuletzt habe die Abholung funktioniert, doch noch schlage die Urlaubszeit voll durch. Und so häufen sich vor den überfüllten Sammelcontainern nicht nur Altkleider und Schuhe, sondern auch Restmüll aller Art. Diese illegale Müllablagerung erschwere auch die Abholung. Gerade die Situation in der Max-Friesenegger-Straße, keine 200 Meter von der Geschäftsstelle entfernt, sei unangenehm. Am Montag rückte dann zumindest ein Lastwagen an, um das Material zu entsorgen.
Doch warum lohnt sich das Geschäft mit den Altkleidern nicht mehr? 30 Prozent des Materials aus den Containern geht ins Ausland. Dort sind aber wichtige Märkte weggebrochen, etwa wegen des Kriegs in der Ukraine und der Krise im Nahen Osten. Zudem drängen Anbieter aus Asien auf den Markt, die mit minderwertiger Neuware die Second-Hand-Kleider aus Europa verdrängen. All das ist aber nur ein Grund für den Zusammenbruch des Altkleider-Geschäfts.
Altkleidercontainer befinden sich auch auf den 34 Wertstoffhöfen des Landkreises, unter am Standort Landsberg West.Foto: Christian Rudnik (Archivbild)
Der andere Grund ist das Nutzerverhalten. Restmüll, der nicht in einen Kleidercontainer gehört, macht die eigentlich noch tragbaren Textilien mitunter wertlos, und zum Teil auch von Haus aus untragbare, weil verschmutzte, durchnässte, zerschlissene oder zerrissene Kleider. All das muss aufwendig aussortiert und am Ende als Restmüll verbrannt werden. Noch einmal verschärft wurde dieses Problem Anfang des Jahres durch eine EU-Richtlinie, die viele Bürgerinnen und Bürger missverstehen. Textilien müssten fortan an getrennt entsorgt werden, heißt es. Mit der Folge, dass viele nicht mehr tragbare und verwertbare Textilien in den Altkleidercontainern landen statt im Restmüll, wo sie nach wie vor hingehören.
In den Kleiderläden des Roten Kreuzes ist die Nachfrage groß
Für Andreas Lehner geht die Entwicklung aktuell so weit, dass sich der Kreisverband überlegt, aus dem Geschäft auszusteigen. Nicht von heute auf morgen, aber schrittweise, weil sich die Menschen an die Sammelstellen gewöhnt hätten. Eine Entspannung auf dem Markt sei nicht in Sicht. Auf der anderen Seite habe das Rote Kreuz ja auch noch seine Kleiderläden, in denen die Nachfrage nach wie vor hoch sei.
Wenn Organisationen wie das Rote Kreuz oder die aktion hoffnung ihre Altkleidercontainer abziehen, kommt das Problem auf den Landkreis zu. Private Anbieter verschwinden nämlich ebenfalls vom Markt. Zuletzt ließen Stadt und Landkreis in einer gemeinsamen Aktion mehrere überfüllte, wilde Altkleidercontainer am Penzinger Feld, in der Lechwiesenstraße und in der Saarburgstraße leeren und abtransportieren.
Auf den 34 Wertstoffhöfen des Landkreises gibt es Altkleidercontainer
Auf jedem der 34 Wertstoffhöfe des Landkreises gibt es auch Container für Altkleider. Alles, was noch einigermaßen tragbar ist, kann dort entsorgt werden. Landrat Thomas Eichinger (CSU) möchte an diesem Sammelsystem nicht rütteln, wie er auf Nachfrage unserer Redaktion sagt. Dass der Landkreis die Standorte anderer Organisationen übernimmt, ist für ihn kein Thema. Die Wertstoffhöfe seien insofern ein idealer Standort, weil sie „überwacht“ werden, eine illegale Müllablagerung sei dort nicht möglich. Denkbar wäre, so Eichinger, die Frequenz der Leerungen zu erhöhen, wenn durch den Abzug anderer Sammelcontainer mehr Altkleider an den Wertstoffhöfen angeliefert wird. „Das ist die kostengünstigste Lösung, auch im Sinne des Gebührenzahlers“, sagt der Landrat.
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