Startseite
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten
Landsberg
Icon Pfeil nach unten

Barocke Klangvielfalt und Tango-Rhythmen beim Rathauskonzert in Landsberg

Landsberg

Barocke Klangvielfalt und Tango-Rhythmen

  • |
  • |
  • |
  • |
    Oyvind Gimse (Violincello) und Per Arne Giorviger (Bandeon) bestritten das letzte Rathauskonzert der Saison.
    Oyvind Gimse (Violincello) und Per Arne Giorviger (Bandeon) bestritten das letzte Rathauskonzert der Saison. Foto: Christian Rudnik

    Es war eine unterhaltsame Werkseinführung im ausverkauften Landsberger Rathausfestsaal. Dabei bewiesen der international renommierte Cellist Øyvind Gimse (*1968) und sein Partner, der erfolgreichste Bandoneon-Virtuose der Gegenwart Per Arne Glorvigen (*1963), dass sie nicht nur das Spiel ihrer Instrumente, sondern auch das mit dem Publikum perfekt beherrschen.

    Über das 1846 von Heinrich Band entwickelte Klangwerkzeug, das zufällig nach Argentinien und zum Tango kam, sagte Glorvigen, der seine ersten eigenen Kompositionen in einem Café in Paris schrieb: „Es ist die einzige unlogische deutsche Erfindung.“ Sein Instrument von 1915 entdeckte er in einem Antiquitätenladen in Buenos Aires. Das Mitglied der Berliner Barock-Solisten Øyvind Gimse hat den Tango in sein Repertoire aufgenommen. Er spielt einen von der Sparebank Foundation/Dextra Musica ausgeliehenden Franceso Goffriller von 1735, aus der Zeit Bachs, welcher der legendären Cellistin Jacqueline de Pré gehörte.

    Neben Tangoklängen sind auch Kanonengeräusche zu hören

    Zwei musikalische Welten begegnen sich zur Stunde Null in der Großstadt Buenos Aires, um die nächtlichen Geräusche einer Großstadt freizulassen, die Astor Piazzolla (1921–1992) in der „Buenos Aires Hora Cero“ einfing. „So tiefe Cellotöne haben sie nie gehört“, erklärte Per Arne Glorvigen. Die Improvisation über „Tristezas de un AA“ für Bandoneon solo, eine Homage an Alfred Arnold, besticht durch wechselnde Tempi und dramatische Energie. „El Marne“ von Edoardo Arolas (1892–1924) erinnert an die Schlacht an der Marne, in Frankreich, während des Ersten Weltkrieges. Neben facettenreichen Tangoklängen sind deutliche Kanonengeräusche zu hören.

    Das technisch verspielte Meisterwerk „Improvisation über Preludium G-Dur“ von Johann Sebastian Bach (1695–1750) hat Glorvigen, Vom Tango beieinflusst, mal zart, mal schrill, arrangiert. Er setzt den Tango in Beziehung zu Kompositionen von Bach, wie es auch Piazzolla in den 1960er-Jahren tat. Die „Suite Nr.1 G-Dur“ begeistert mit hoher technischer Virtuosität eines vollendeten Klangfarbenspiels. Per Arne Glorvigens Komposition „Scènes de Bistro“, acht Heiterkeiten und Melancholie ausdrückende Miniaturen für Cello und Bandoneon, beschreiben in prägnanten Skizzen mit rhythmischem Puls die Atmosphäre des Pariser Cafélebens.

    Konzert in Landsberg: Bei einem Stück kommt auch die Mundharmonika zum Einsatz

    In drei hinreißenden Violoncello Soli, mit strahlender Brillanz in allen Tonlagen beweist Øyvind Gimse, dass er zu Recht einer der bekanntesten Musiker Norwegens ist. Der aus der Feder von Per Arne Glorvigen stammende „Early Morning Blues“, bei dem er zum Bandoneon auch die Mundharmonika einsetzt, ist für beide Interpreten eine Bravourschöpfung mit enormem Tonumfang sowie eine Erinnerung an den Blues, Glorvigens erste musikalische Liebe. „Valeria, das kleine Stück mit der großen Bedeutung“, so Glorvigen, erzählt die traurige Geschichte eines kleinen Mädchens aus El Salvador, dessen Flucht an einem Fluss in Mexiko ein tödliches Ende fand.

    Die außergewöhnliche Ausdruckskraft in höchster musikalischer Qualität unterstreichen zum Abschluss vier Sätze aus der „Suite Nr. 4 Es-Dur“ von Johann Sebastian Bach, arrangiert von Per Arne Glorvigen. Sie werden mit Bravorufen und lang anhaltendem Beifall honoriert. „Es-Dur ist sehr schwer auf dem Cello“, lobte Glorvigen. Mit der Zugabe, dem leidenschaftlichen, melodramatischen Tango „Lo que vendra“ (was kommen wird), führte Astor Piazzolla den Tango in eine neue Ära.

    Diskutieren Sie mit
    XXX 0 Kommentare
    hier kommen komentare rein

    Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.

    Anmelden

    Sie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren