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Trachtenmode: Schondorfer Unternehmerin Caroline Lauenstein gibt Label „Rockmacherin“ auf

Schondorf

Das Ende einer Schondorfer Erfolgsgeschichte steht kurz bevor

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    Bald wird es sie nicht mehr geben, die ganz besonderen Röcke der Rockmacherin Carolin Lauenstein aus Schondorf.
    Bald wird es sie nicht mehr geben, die ganz besonderen Röcke der Rockmacherin Carolin Lauenstein aus Schondorf. Foto: Christian Rudnik

    Für viele Kundinnen und Kunden ist die „Rockmacherin“ weit mehr gewesen als ein Modelabel. Von außen betrachtet ist es nur das Ende eines Modelabels, für die Fans der besonderen Trachtenmode aus Schondorf aber geht mit der Rockmacherin ein Stück Lebensgefühl verloren. Ende August schließt Caroline Lauenstein ihre Manufaktur, kurz darauf wird auch der Onlineshop abgeschaltet. Nach 13 Jahren endet damit die Geschichte einer Marke, die weit über den Ammersee hinaus bekannt geworden ist und deren Erfolg eng mit der Persönlichkeit ihrer Gründerin verbunden war.

    „Die Menschen sind sparsamer geworden“, sagt Lauenstein. Schon während der Corona-Pandemie seien die Umsätze massiv eingebrochen. Danach habe sich ihr kleines Unternehmen nie wieder vollständig erholt. Die Einnahmen hätten sich dauerhaft rund 30 Prozent unter dem früheren Niveau eingependelt. Für ein kleines Label mit hohen Produktionskosten sei das auf Dauer nicht tragbar gewesen. Gleichzeitig seien Material-, Energie- und Personalkosten gestiegen. Eine grundlegende Neuausrichtung des Unternehmens komme für sie nicht mehr infrage. „Das würde jetzt einfach zu viel Kraft kosten.“

    Caroline Lauenstein vor ihren Mustern. Ihre Modemarke „Rockmacherin“
    Caroline Lauenstein vor ihren Mustern. Ihre Modemarke „Rockmacherin“ Foto: Christian Rudnik

    Die Entscheidung, aufzuhören, traf Caroline Lauenstein bereits vor rund neun Monaten. Ein deutliches Zeichen setzte sie für sich und auch für ihre Kundinnen und Kunden damals selbst: Erstmals nach 13 Jahren wurde keine neue Kollektion mehr entworfen. Seitdem läuft die Marke mit Röcken wie „Sonnabrand“, „Wassadrialn“ oder „Diafseedaucha“ oder Hosen namens „Franz“ und „Alexander“ langsam aus. An einer Wand in der Schondorfer Manufaktur hängen gleichzeitig noch immer Listen mit möglichen Namen - bayerische, versteht sich - die künftige Kollektionen hätten tragen können. Doch daraus wird nun nichts mehr.

    Röcke wie „Sonnabrand“ oder „Diafseedaucha“ sind bald Geschichte

    Dabei hatte die Rockmacherin viele Jahre lang genau den Nerv ihrer Kundinnen getroffen. Vor Corona erlebte das Unternehmen eine außergewöhnlich erfolgreiche Phase. Die selbst entworfenen Trachtenröcke wurden zum Trend. Sie verbanden traditionelle Stoffe mit modernen Schnitten und sollten vor allem eines sein: alltagstauglich.

    Die Idee dazu entstand aus einem ganz persönlichen Wunsch heraus. Die gebürtige Hamburgerin und gelernte Maskenbildnerin liebte Trachtenstoffe, trug ihre eigenen Dirndl aber kaum. Sie wollte Kleidung entwerfen, die traditionelle Elemente aufgreift, ohne festlich oder geschniegelt zu wirken. Also begann sie, eigene Röcke zu nähen. 2013 präsentierte sie ihre ersten Modelle auf dem Textilmarkt in Benediktbeuern – mit überraschendem Erfolg. Schnell entstand daraus die Rockmacherin.

    Caroline Lauenstein (vorn) mit ihrer Mitarbeiterin Sabine Seifert beim Versenden von Bestellungen.
    Caroline Lauenstein (vorn) mit ihrer Mitarbeiterin Sabine Seifert beim Versenden von Bestellungen. Foto: Christian Rudnik

    Anfangs war die Marke ausschließlich im stationären Einzelhandel vertreten, später kam der Onlineshop hinzu. Produziert wurde überwiegend in Bayern, viele Stoffe kamen aus Deutschland und Österreich. Nachhaltigkeit und Regionalität gehörten von Beginn an zur Philosophie des Unternehmens. In Spitzenzeiten beschäftigte Lauenstein sieben Mitarbeitende. Heute sind noch zwei Festangestellte sowie einige Aushilfen auf Abruf geblieben.

    Bis zu sieben Mitarbeitende beschäftigte die Rockmacherin Carolin Lauenstein aus Schondorf

    Wer mit Caroline Lauenstein spricht, merkt schnell: Der wirtschaftliche Erfolg allein war nie das, was sie antrieb. Es ging immer auch um Kreativität, um Stoffe, Farben und die Freude daran, Menschen mit Kleidung glücklich zu machen.

    Bevor Carolin Lauenstein ihr Label für immer schließt, können Liebhaber schöner Stoffe bei ihr noch einkaufen gehen.
    Bevor Carolin Lauenstein ihr Label für immer schließt, können Liebhaber schöner Stoffe bei ihr noch einkaufen gehen. Foto: Christian Rudnik

    Besonders bewegt sie bis heute die enge Bindung vieler Kundinnen und Kunden zu ihren Produkten. Ein Mann meldete sich bei ihr, weil ihm zwei Hosen ihres Herrenlabels „Mannszeug“ gestohlen worden waren. Seine erste Frage: Ob er genau diese Modelle noch einmal kaufen könne. Eine andere Kundin fragte nach einem Unfall an, ob sie denselben Rock erneut bekommen könne, den der Rettungsdienst hatte aufschneiden müssen.

    „Das kreative Arbeiten werde ich vermissen“, sagt Lauenstein. „Insbesondere genau das tun zu dürfen, was ich sehr, sehr gerne mag.“

    Dass sie über die Jahre so viele positive Rückmeldungen erhalten habe, bedeute ihr viel. Viele Kundinnen hätten ihr erzählt, welche Erinnerungen sie mit ihren Röcken verbinden. Für manche seien die Kleidungsstücke Begleiter durch wichtige Lebensmomente geworden.

    Ein Pop-up-Store in München und ein Räumungsverkauf in Schondorf

    Ganz verschwunden ist die Rockmacherin noch nicht. Vom 11. bis 13. Juni gibt es einen Pop-up-Store in Nymphenburg, in Schondorf ist noch ein Räumungsverkauf mit Stoffverkauf geplant.

    Und Caroline Lauenstein? Die blickt trotz aller Wehmut nach vorn. Nach 13 Jahren Unternehmertum reizt sie nun etwas Neues. „Ich werde etwas ganz anderes machen“, sagt sie. Die Zeit mit der Rockmacherin habe ihr gezeigt, wie erfüllend es sein könne, Teams aufzubauen und Menschen zu führen.

    Mit dem Ende der Rockmacherin verschwindet nicht nur ein Modelabel. Für viele Kundinnen und Kunden endet auch ein Stück gelebter Alltagskultur vom Ammersee.

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