Fragen an die OB-Kandidaten: Warum dauert das Bauen in Landsberg so lang?
Landsberg
Fragen an die OB-Kandidaten: Warum dauert das Bauen in Landsberg so lang?
Am 8. März wählt Landsberg einen Oberbürgermeister. Zwei Frauen und zwei Männer bewerben sich um das Amt. Unsere Redaktion hat sie zum Thema Bauen befragt.
Das private Bauprojekt „Urbanes Leben am Papierbach“ sorgt in Landsberg immer wieder für Diskussionen.Foto: Christian Rudnik
Am Sonntag, 8. März, wird in Landsberg auch ein Oberbürgermeister gewählt. Moritz Hartmann (Grüne), Ulla Schäfer (FDP) und Philip Schmid (Die Linke) fordern Doris Baumgartl (UBV) heraus, die seit 2020 im Amt ist. Im Vorfeld der Wahl möchte unsere Redaktion drei Themenschwerpunkte beleuchten und hat die Kandidaten dazu befragt. Den Auftakt macht das Thema Bauen in der Stadt.
Folgende Frage haben wir den Kandidaten gestellt: Stillstand am Wiesengrund, Warten an der Staufenstraße, Nachbessern bei ULP und eine Wohnungsbaugesellschaft ohne konkrete Neubauprojekte. Wächst der Stadt die Planung/Schaffung von Wohnraum über den Kopf?
Doris Baumgartl (UBV) ist seit 2020 Oberbürgermeisterin in Landsberg.Foto: Melanie Gotschke
Doris Baumgartl (UBV): Wir packen das Thema Wohnen entschlossen an und haben in den vergangenen Jahren mehr bewegt als viele andere Städte unserer Größenordnung. In der Katharinenstraße sind die ersten Mieter nach nur einem Jahr Bauzeit eingezogen – ein Beleg dafür, dass die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WBG) zügig und verlässlich arbeitet. Die Meinung, die WBG habe keine Neubauprojekte, ist nicht richtig. Die geförderten Wohnungen an der Luibachstraße sind fertiggestellt. Im ehemaligen Heilig-Geist-Spital entstehen derzeit 24 neue Wohnungen. An der Staufenstraße startet die Vermarktung mit dem klaren Ziel, geförderten Wohnraum und Einheimischen-Modelle umzusetzen. Am Wiesengrund haben sich zwei Vertragspartner aufgrund der bundesweiten Baukrise zurückgezogen. Darauf haben wir reagiert und den Prozess neu aufgestellt. Die Vermarktung läuft wieder und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir diese Flächen zeitnah vollständig für den geförderten Wohnungsbau vergeben. Am Papierbach sind Anpassungen am Bebauungsplan notwendig. Damit schaffen wir die Grundlage für ein dringend benötigtes Hotel, neue Kulturflächen und mehr Grün im Quartier.
Moritz Hartmann ist seit 2020 Zweiter Bürgermeister in Landsberg. Jetzt will er Oberbürgermeister werden.Foto: Conny Kurz
Moritz Hartmann (Grüne): Landsberg braucht ein gesundes und maßvolles Wachstum. Es darf kein Wachstum um jeden Preis geben. Ziel muss es sein, möglichst viel Flächen in kommunaler Hand zu behalten, selbst zu entwickeln oder im Rahmen von Erbpacht die Grundstücke zu vergeben. Aktuell sind einige Flächen in der Pipeline und diese gilt es daher stückchenweise abzuarbeiten und zu entwickeln. Unsere kommunale Wohnungsbaugesellschaft wird in Zukunft weiter in der Schaffung von Wohnungsbau aktiv sein und das ein oder andere Objekt verwirklichen. Bei aufwendigeren größeren Wohnbauprojekten wie beim ULP ist ein Nachbessern bei den Planungen eigentlich nicht vermeidbar und teilweise auch absolut sinnig, denn mit dem weiteren Fortschreiten sieht man viel besser wo nachjustiert werden muss.
Ulla Schäfer tritt für die FDP bei der Oberbürgermeister-Wahl in Landsberg an.Foto: Saskia Pavek
Ulla Schäfer (FDP): Es muss doch Ziel einer Gesellschaft sein, für alle Bürger ausreichend Wohnraum zu erstellen. Das „Wie?“ steht hier im Vordergrund. Die Frage ist doch, braucht es tatsächlich den KfW 44 oder geht nicht auch KfW 55? Jeder fordert mehr Wohnraum, aber die Bauauflagen und auch die Auflagen der Förderprogramme machen Bauen wirtschaftlich unrentabel oder für den Privathaushalt absolut unerschwinglich. Die Folgen für junge Familien oder die es werden wollen sind, unausweichlich. Dann gehen diese woanders hin. Grundsätzlich müssen wir uns insgesamt fragen, was ist dadurch schlussendlich gewonnen? Ziel muss es sein, dass wir gesamtgesellschaftlich es denjenigen ermöglichen müssen, eigenverantwortlich zu Bauen. Und natürlich muss die Stadt Rücklagen bilden, nicht nur hierfür, um auch weiterhin eine Zukunft gerichtete Stadtentwicklung zu ermöglichen.
Philipp Schmid ist der Oberbürgermeister-Kandidat der Linken in Landsberg.Foto: Christian Rudnik
Philipp Schmid (Die Linke): In den vergangenen Jahren gab es bei der Stadt durchaus richtige Ansätze zur Schaffung von Wohnraum. Konzepte wie das genossenschaftliche Bauen am Wiesengrund zeigen, in welche Richtung eine sozial ausgewogene Stadtentwicklung gehen könnte, müssen jedoch konsequenter gefördert werden, damit es nicht nur bei Plänen bleibt. Gleichzeitig wurden bei Projekten wie „Urbanes Leben am Papierbach“ strukturelle Probleme sichtbar. Zwar wurde Wohnraum geschaffen, dieser ist jedoch für viele Menschen weder attraktiv noch bezahlbar. Die starke Abhängigkeit von privaten Investoren und Investorinnen führt dazu, dass Neubauten entstehen, der Mangel an bezahlbarem Wohnraum jedoch bestehen bleibt. Vor diesem Hintergrund braucht es ein Umdenken. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft muss eine aktivere Rolle übernehmen, städtischer Baugrund sollte extern nur an Genossenschaften vergeben werden. Zudem darf sich die Stadt nicht einseitig auf teuren und langsamen Neubau konzentrieren. Durch aktives Leerstandsmanagement, gezielte Ankäufe und Sanierung kann schneller, günstiger und nachhaltiger Wohnraum geschaffen werden. Entscheidend ist eine Schwerpunktsetzung hin zu mehr kommunaler Verantwortung und der Aktivierung des vorhandenen Wohnraums.
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