Das Schicksal von Wolfgang Vogl, der weit länger als erlaubt auf dem Parkplatz an der Waitzinger Wiese in Landsberg mit seinem Wohnmobil stand und nun den Platz verlassen musste, bewegt die Leserinnen und Leser unserer Zeitung. Zahlreiche Zuschriften, Anrufe und Kommentare in den sozialen Medien zeigen das. Es wirft aber auch die Frage auf, wo wohnsitzlose Menschen, die im Camper leben, unterkommen können. Denn wer wohnsitzlos ist und dauerhaft in einem Wohnmobil lebt, hat es schwer, einen Platz zum Abstellen zu finden. Straßen und öffentliche oder von privaten Betreibern betriebene Plätze kommen dafür nicht infrage. Dauercampingplätze sind auf den Campingplätzen im Landkreis Landsberg entweder ausgebucht oder nicht vorhanden. Das zeigt eine Recherche unserer Zeitung.
Laut Straßenverkehrsordnung gibt es keine Höchstparkzeit für Fahrzeuge, falls diese nicht durch Verkehrsschilder eingeschränkt wird oder das Parken grundsätzlich untersagt ist. Jedoch gilt ein „bewohntes“ stehendes Fahrzeug nicht als Verkehrsteilnehmer, sprich: Die Regelungen gelten dafür nicht. Vielmehr sei es so, dass nur eine Nacht als Standzeit zur Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit erlaubt ist, wie Ernst Müller, der Leiter des Amts für öffentliche Sicherheit und Ordnung in Landsberg, erläutert. Wer mit dem Auto einen Wohnwagen zieht, muss diesen angekuppelt lassen. Für abgestellte Wohnwagen ohne Zugmaschine gilt eine maximale Standzeit von zwei Wochen.
Die Polizei in Landsberg und Dießen hat keine Probleme mit Dauercampern
Trotz dieser einschränkenden Regelungen gibt es keine nennenswerten Probleme mit Dauercampern, sagen einheitlich die Polizeiinspektionen in Landsberg und Dießen. Es gäbe lediglich ein paar Anrufe pro Jahr von Anwohnern an Straßen mit starkem Parkdruck, wenn ein Anwohner dort zusätzlich einen Camper abstellt und so Parkraum fehlt, so Andreas Lehner von der Polizeiinspektion Dießen. Ein hausgemachtes Problem also, wie es immer wieder unter Nachbarn vorkommt. Camper wichen in der Regel auf ausgewiesene Wohnmobilstellplätze aus wie am Dießener Bahnhof, so Lehner. Auch Manuela Kopplinger vom Ordnungsamt in Dießen bestätigt auf Nachfrage, dass Dauerparker kein Thema seien. Die gleiche Aussage gibt die Polizeiinspektion in Landsberg. Zuständig für Verkehrsthemen ist dort Markus Siebert. Wie Ernst Müller von der Stadtverwaltung weiß, wohnen jedoch viele Menschen gewissermaßen dauerhaft auf dem Campingplatz bei Pitzling. Grund dafür seien unter anderem die hohen Wohnungsmieten, die nicht jeder aufbringen könne.
Ist ein Dauerstellplatz auf einem Campingplatz also eine Lösung für wohnsitzlose Camper? Ein Anruf beim Campingplatz in Pitzling ergibt, dass 160 Dauerstellplätze vorhanden sind. Ohnehin eine große Zahl und dennoch sind alle belegt. Auf der Warteliste reihen sich zudem 15 Interessenten. Eine Chance, dort bei Wohnungslosigkeit schnell einen Platz zu bekommen, besteht somit nicht. Die Preise sind mit 1500 Euro pro Jahr sicher für manche noch erschwinglich. Dazu werden jeweils 60 Euro für Müll und einen Hund addiert. Problematisch für Wohnsitzlose ist, dass auf der Internetseite des Campingplatzes Pitzling darauf hingewiesen wird, dass der Campingplatz als „Wohnsitz“ nicht erlaubt ist. Es braucht also noch eine Meldeadresse. Grundsätzlich ist es rechtlich nicht einfach, einen Campingplatz als Haupt- oder Nebenwohnsitz anzumelden. Insbesondere für einen Erstwohnsitz sind Voraussetzungen durch den Betreiber und die Gemeinde nötig.
Auch beim Campingplatz in Utting sind alle 165 Dauercampingplätze belegt. Die Warteliste ist mit knapp 70 Interessenten gut gefüllt, informiert Pächter Korbinian Pickl. Personen, die dauerhaft dort wohnen, gäbe es dort nicht. Die Preise liegen bei etwa 2000 Euro jährlich pro Platz. Der Campingplatz in Dießen, der ohnehin nur über 22 Stellplätze verfügt, bietet keine Dauerstellplätze an, und Hunde sind dort nicht erlaubt.
Bleibt wohnsitzlosen Campern also nur das Herumtingeln?
Bleibt wohnsitzlosen Campern also nur das Herumtingeln, um nicht mit längeren Standzeiten aufzufallen? Oder wandern sie in Gegenden ab, in denen noch günstige Dauerstellplätze verfügbar sind? Eine Möglichkeit wäre es auch, einen Stellplatz auf privatem Grund zu erhalten. Einfach scheint es auf jeden Fall nicht zu sein, auf diese Art zu leben. Denn so lassen sich soziale Kontakte nicht vertiefen und auch einer regelmäßigen Arbeit kann nicht nachgegangen werden.
Über die zahlreichen Angebote, die von Leserinnen und Lesern unserer Redaktion eingegangen sind, um Camper Wolfgang Vogl zu helfen, berichten wir in einem eigenen Artikel.
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