Herr Salzberger, wie blicken Sie als Kauferinger Bürgermeister auf das Jahr 2022 zurück?
THOMAS SALZBERGER: Die vergangenen Monate sind für uns alle nicht einfach gewesen. Die Corona-Pandemie war schon eine Herausforderung, und dann folgte direkt im Anschluss der Krieg in der Ukraine. Die Preise für Nahrungsmittel, Strom, Gas und Holz und auch am Bau haben, ohne dass wir uns darauf hätten vorbereiten können, stark angezogen. Für uns als Kommune mit Kindergärten und Schulen, die es zu versorgen und zu heizen gilt, hat das zu einer erheblichen Mehrbelastung geführt. Beim Strom haben wir an der Bündelausschreibung des Bayerischen Gemeindetags teilgenommen. 60 Prozent der bayerischen Kommunen wurden berücksichtigt, aber unter anderem Kaufering nicht. Wir haben dann eine eigene Ausschreibung gemacht und bewusst nur für ein Jahr abgeschlossen und hoffen auf sinkende Preise. Zudem haben wir teilweise eine Ersatzversorgung mit der LEW vereinbart. Ersatzversorgung kommt zustande, wenn bei der Ausschreibung für Strom oder Gas kein Anbieter ein Angebot abgegeben hat. Anspruch auf Grundversorgung besteht erst nach drei Monaten.
Sie haben auch die Nachricht bekommen, dass sich der barrierefreie Ausbau des Kauferinger Bahnhofs um zwei weitere Jahre verzögert und nun im Jahr 2025 beginnen soll.
SALZBERGER: Wir waren bereit, sodass die Bauarbeiten hätten losgehen können. Bis Anfang Dezember 2022 wurden wir trotz mehrfacher Nachfragen bei den zuständigen Stellen in dem Glauben gelassen, dass der Zeitplan eingehalten wird. Deswegen hatte ich unsere Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete Gabriele Triebel (Grüne) gebeten, bei einem Termin mit der Bahn in München nachzuhaken. Auch wenn sich die Neugestaltung des Umfelds dadurch entsprechend nach hinten verschiebt, werden wir zumindest die Situation für Radfahrer nun schon verbessern. Es sollen mietbare Abstell- und Lademöglichkeiten für E-Bikes geschaffen und eine Ausleihmöglichkeit für Pedelecs vorgesehen werden. Zudem kann voraussichtlich ab Mai ein Neunsitzer-Fahrzeug gemietet werden, dessen Standort sich am Kauferinger Bahnhof befinden wird.
Was hat sie 2022 gefreut?
SALZBERGER: Das ist zum einen die Hilfsbereitschaft für die Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine, von denen viele privat untergekommen sind. So was habe ich zuvor noch nie erlebt. Zum anderen sind unsere Gewerbebetriebe stabil durch das vergangene Jahr gekommen. Hier lassen wir vom Äußeren Planungsverband München auch gerade Entwicklungspotenziale für neue Gewerbeflächen prüfen. Der Verband berät uns zudem bei der Ausweisung von Arealen für die Windkraft und Solarenergie. Beim Thema Windkraftanlagen wird vor allem zu klären sein, was mit Blick auf den Militärflughafen Lagerlechfeld machbar ist. Persönlich habe ich mich sehr gefreut, dass nach dem Ende der Corona-Beschränkungen der persönliche Kontakt und Austausch mit den Bürgern, beispielsweise Besuche bei Jubiläen, die Bürgersprechstunde und Veranstaltungen der Vereine wieder möglich sind.
Sie haben die finanziellen Mehrbelastungen angesprochen. Kaufering will mehrere Großprojekte realisieren. Kann alles wie geplant umgesetzt werden?
SALZBERGER: Die großen Projekte sind gesichert, auch wenn die Bauzinsen und Baupreise deutlich angezogen haben. Dazu gehört das neue Wohngebiet an der Hessenstraße mit kommunalen Wohnungen. Baustart soll im Herbst sein und die Fertigstellung 2026. Das ist auch für unsere Firmen und uns als kommunalem Arbeitgeber wichtig. Beim Anwerben von Personal für das Seniorenstift und den Markt Kaufering kommt oft auch die Frage nach dem Wohnraum. Zudem stehen die gerade begonnene Sanierung der Grundschule und der Bau des Feuerwehrhauses an der bisherigen zentralen Wertstoffhofsammelstelle an der Bayernstraße an. Letzteres soll Mitte 2026 eingeweiht werden. Wir können zudem aus dem Verkauf von Grundstücken Einnahmen generieren. Ohne neue Kredite wird es aber nicht gehen.
Wie sieht es beim Thema Einsparungen aus?
SALZBERGER: An der ein oder anderen Stelle werden die Planungen für einige Projekte gegebenenfalls noch etwas optimiert oder zeitlich geschoben, um finanziell handlungsfähig zu bleiben. Auch freiwillige Leistungen, davon haben wir viele, gehören meiner Meinung nach auf den Prüfstand. Wir sollten dabei unsere Vereine weiter fördern. Über die Einsparungen muss der Marktgemeinderat im Einzelnen entscheiden.
Wie kann der Staat der Gemeinde Kaufering helfen?
SALZBERGER: Aus meiner Sicht müsste der Staat die Kommunen, wir haben viele Aufgaben dazubekommen, mehr unterstützen, beispielsweise bei den Flüchtlingen oder dem Bau von Kindergärten, denn die Betreuungsplätze sind wieder alle belegt und die Einrichtungen am Limit. Hier müssen wir aller Voraussicht nach ebenfalls weiter ausbauen. Ab 2026 kommt auch noch der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschüler dazu.
Wie blicken Sie auf das Jahr 2023?
SALZBERGER: Es wird wohl sehr herausfordernd, aber wir sollten positiv denken. Ich hoffe sehr, dass der Krieg in der Ukraine zeitnah endet. Zudem freue ich mich auf ein großes Fest. Die Gespräche zum Volksfest, das heuer wieder ohne Einschränkungen stattfinden kann, verlaufen positiv, nachdem es letztes Jahr ausgefallen ist, weil der Wirt nicht genug Personal hatte. Zudem finden in diesem Rahmen auch der Herbstmarkt und die 75-Jahr-Feier des VfL Kaufering statt. Ein Erfolg war auch der Adventsmarkt und wir wollen daran dieses Jahr anknüpfen.