„Manchmal ist es von Vorteil, an der Peripherie zu leben.“ So war es dem in Inningen lebenden Bischöflichen Zeremoniar, Pfarrer Ulrich Müller möglich, nach Kaufering zu kommen. Gemeinsam mit Ortspfarrer Helmut Friedl, Pfarrer Hermann Wohlgschaft und vielen Gläubigen feierte er den vorerst letzten großen, musikalisch festlich umrahmten Gottesdienst in der Kauferinger Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt.
Diözesanbischof Bertram Meier, der stets betont, dass seine christlichen Wurzeln hier in dieser Kirche sind, war es nicht vergönnt, Abschied zu nehmen; eine Großdemonstration in der gesamten Augsburger Innenstadt verhinderte seine Anreise. Wie mehrfach berichtet, muss das erst etwas mehr als 60 Jahre alte Gotteshaus aus statischen Gründen geschlossen werden. Seine Zukunft ist noch ungewiss. Der Bischof habe trotz seines übervollen Terminkalenders unbedingt kommen wollen, betonte Zeremoniar Ulrich Müller, „weil ihm seine ehemalige Heimatgemeinde sehr viel bedeutet“.
Bischof Bertram habe nächste Gelegenheit für einen Besuch in Kaufering fest im Blick

Pfarrer Müller war jedoch mehr als adäquater Ersatz. In seiner Predigt zum Fest der Heiligen Familie mahnte er mehrfach den Zusammenhalt an. „Familie“ habe für Christen einen größeren Rahmen. Sie alle, die an Christus glauben, auf ihn setzen, seien „Familie Gottes“. Hier in Kaufering sei das eine große Familie, die einander hilft. Eine Familie brauche ein Dach über dem Kopf. Entscheidend sei jedoch nicht der Raum, sondern der Mensch, der diesen nutze. Er sei Kirche, das Haus sei Ort der Versammlung. Gebe es diese nicht, „dann brauchen Sie auch keinen Ort“. Es heiße stets, dass der Pfarrer die Messe zelebriere, das sei nicht richtig. „Sie alle, wir alle, zelebrieren gemeinsam den Gottesdienst.“ Entsprechend hatte der Prediger auch für alle Pfarrgemeindemitglieder Hausaufgaben: „Wir brauchen einen Raum. Wie soll dieser gestaltet werden? Wie führen wir unsere Gemeinde in eine gute Zukunft?“ Bischof Bertram, der seinem Zeremoniar mitgab, dass er die nächste Gelegenheit für einen Besuch in Kaufering fest im Blick habe, werde diese Überlegungen nach Kräften begleiten und unterstützen.
Ortspfarrer Helmut Friedl dankte seinem Kollegen Ulrich Müller für den uns für die nächste Zeit zugesprochenen Mut. „Wir werden natürlich auch weiterhin Gottesdienste feiern“, so Friedl. Der große Saal im Thomas-Morus-Haus sei dafür schon bereitet. Wer nach der Messe noch ein wenig verweilte, konnte die Interimslösung, die wie Friedl annimmt, eine längere sein wird, in Augenschein nehmen. Volksaltar und Ambo stehen, Altarraum und die Plätze für Gottesdienstbesuchende sind im Halbrund angeordnet. Damit soll eine gute Atmosphäre geschaffen werden, betont der Geistliche. Musikalisch werde aufgerüstet: „Wir haben bereits eine digitale Orgel bestellt.“ Bis sie geliefert und angeschlossen ist, werde das vorhandene Clavinova benützt.
Gemeindemitglieder erinnern sich an viele schöne Momente in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt
Und wie geht es den Kauferingern, die wie der Augsburger Bischof, mit Mariä Himmelfahrt verbunden sind? Josephine Popfinger beispielsweise war zwölf Jahre lang Mitglied in der Kirchenverwaltung, hat 15 Jahre lang die Mutter-Kind-Gruppe geleitet, engagiert sich bei den Senioren. Ihre vier Kinder wurden in dieser Kirche getauft, waren Ministranten. Ein wenig Wehmut verspüre sie schon, wichtiger sei aber der Blick in die Zukunft.
Pfarrsekretärin Susanne Mathy hat alle bisherigen Sakramente in dieser Kirche empfangen. „Wir haben sogar hier geheiratet.“ Die Kinder haben ministriert, zwei von ihnen wurden nach 17 und 20 Jahren von diesem Dienst verabschiedet. Sie sieht die aktuelle Situation als Chance. Anlehnend an das Gebet von Bischof Bertram Meier, das am Ende des Gottesdienstes gemeinsam gesprochen wurde, betonte auch Mathy, Wehmut lähme. „Gib uns den Mut aufzubrechen, Neues zu erkennen und zu wagen“, heißt es dort unter anderem.
Nicht ganz so einfach scheint es für diejenigen zu sein, die seit vielen Jahren mit ihrer Musik für einen würdigen Rahmen der Gottesdienste sorgen. Sängerin Regina Pfeiffer erinnerte an die Entstehungsgeschichte der Orgel, die erst lange nach der Fertigstellung der Kirche eingebaut worden war. Ihr Vater Michael habe dafür sogar einen Förderverein Orgel gegründet. Kirchenchor, Kinderchor, Orgeldienst mit 12 Jahren bereits, erste Solostimmen – Regina Pfeiffer verschönt auch heute noch festliche Anlässe mit ihrem Sopran.

Die derzeitige Organistin Claudia Dahme hat den Dienst vor vielen Jahren von Pfeiffers Bruder Achim übernommen. Sie sei sehr verbunden mit dieser Orgel, betont die Musikerin. Dank stets guter Pflege bei wechselnden Temperaturen und Luftfeuchten habe die Qualität des Instruments erhalten werden können. So habe sie schon einmal mit fachlicher Anweisung mehrere Stunden lang damit verbracht, einen Fehlton zu eliminieren. Auch erinnert sie sich noch gut an die Zeit des Einbaus im Jahr 1995. „Täglich habe ich dem Orgelbauer den Kaffee hinaufgetragen.“ Das befürchtet sie auch bei einem drohenden Ausbau und Einlagerung der Orgel. „Doch bevor das geschieht, muss eine Entscheidung her“, fordert Claudia Dahme und fügt sehr entschlossen an, „sonst beginne ich einen Sitzstreik an der Treppe zum Aufgang.“ Die Organistin hat in den vergangenen Tagen allen, die in der Vergangenheit an dieser Orgel musizierten, ermöglicht, Abschied zu nehmen. „Felix Mathy hat gespielt und Norbert Sepp, Organist in Sankt Johann. Auch Bernd Lahaye und Elisabeth Seidel waren da.“ Und zum Ausklang am 31. Dezember organisierte Dahme eine Art Kehraus mit den Organisten.