Als der letzte Akkord verklang und nur noch die Kirchenglocken der Landsberger Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu hören waren, spendete das Publikum dem Schülerblasorchester stehend Applaus.
Vor dem Einzug der Schülerinnen und Schüler der Realschulen aus Kaufering, Schongau und Landsberg sowie der Beruflichen Schulen Landsberg begrüßten die Schulleiterinnen Annette Ring und Katalin Lutzenberger die Ehrengäste. Unter ihnen befanden sich auch Vertreter des Hauptsponsors, der Frank-Hirschvogel-Stiftung. Ebenfalls im Publikum saß der Gründungsvater Walter Edelmann, der vor 50 Jahren – im Jahr 1976 – das Schulorchester der Johann-Winklhofer-Realschule ins Leben rief.
Die Musikerinnen und Musiker probten fünf Tage lang in Violau
Mit der Ouvertüre aus Händels „Feuerwerksmusik“ eröffnete das rund 90-köpfige Orchester das Konzert. Klangliche Fülle, spielerische Präzision und sichtbare Spielfreude zeigten bereits im ersten Stück eindrucksvoll, was die jungen Musikerinnen und Musiker in nur fünf Tagen Probenarbeit in Violau erarbeitet hatten. Insgesamt zwölf Lehrkräfte unterstützten das Orchester dabei auch aktiv an ihren Instrumenten. Nach dem Menuett aus derselben barocken Suite begrüßten Elena Christl und Georg Thoma von der Realschule Kaufering das Publikum und führten unter dem Motto „Vertrauen“ souverän und kenntnisreich durch den Abend. Ihre Moderation war mit passenden Zitaten und Gedanken zum Thema durchzogen und stellte jeweils eine gelungene Verbindung zu den einzelnen Werken her.
Ein Höhepunkt war das dreisätzige Werk „Where the River Flows“ von James Swearingen, das die Zuhörerinnen und Zuhörer in das Ohio Valley entführte – in eine Zeit, in der sich Siedler niederließen und eine Bedrohung für den Stamm der Shawnee darstellten. Facettenreich, mal kraftvoll, mal zart und lyrisch, mit großer rhythmischer Bandbreite, entfaltete das Orchester hier seine ganze Ausdrucksstärke. Mit „Highland Cathedral“ und „Nessaja“ griff das Orchester zudem Stücke aus der Konzertreise des vergangenen Jahres nach Luxemburg und ins Saarland auf.
Konzert in Landsberg: Den vorläufigen Schlusspunkt setzt „Von guten Mächten“
Vor dem letzten offiziellen Werk fasste das Moderatorenteam die zentrale Botschaft des Abends treffend zusammen: „Vertrauen ist vielleicht genau das, was uns im Leben immer wieder trägt – Vertrauen in andere, in uns selbst und in die Zukunft.“ Den Schlusspunkt setzte das Orchester mit „Von guten Mächten“, dessen Text von Dietrich Bonhoeffer stammt, der während der NS-Zeit inhaftiert war und am 9. April 1945 im Konzentrationslager Flossenbürg hingerichtet wurde.
Das Publikum entließ die jungen Musikerinnen und Musiker jedoch nicht ohne Zugaben: Mit „I Will Follow Him“, bekannt aus dem Film „Sister Act“, schlug das Orchester zunächst ruhige, getragene Töne an, bevor das Stück in einen mitreißenden, rockigen Teil überging. Zuvor bedankte sich Schongaus Schulleiter Armin Eder bei allen beteiligten Lehrkräften, vor allem aber bei den drei Dirigenten Nicole Mader, Tobias Roth und Gerhard Böck, welche abwechselnd den Taktstock führten.
Ein Choral in Erinnerung an Johannes Weihmayer
Für einen besonders persönlichen Moment sorgte schließlich Gerhard Böck mit der Ankündigung des Chorals „Großer Gott“: „Ohne ihn wäre die Verbindung mit Schongau nicht zustande gekommen – deshalb ist dieses Stück ihm gewidmet.“ Gemeint war Johannes Weihmayer, dessen Versetzung nach Schongau die Kooperation erst ermöglichte und der bereits 2017 verstarb. Weihmayer hatte zu diesem Choral einen vierstimmigen Überchor für Trompeten und Posaunen komponiert. Als in der dritten Strophe das gesamte Orchester einsetzte, die Blechbläser den Überchor erklingen ließen und die Röhrenglocken einsetzten, entstand der wohl bewegendste Moment des Abends. (AZ)
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