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Landsberg

18.01.2014

landsberger bühne: Die Männer hinter den Kulissen

Die Bühnenbauer im Kuhstall: (von links) Christian Kempf, Raimund Sedlmayr, Manfred Holl, Franz Krauß, Carlos Kittel, Kay Karslhofer und Hans Dietrich. Es fehlen Thomas Eisele, Peter Strobl und Gerhard Reich.
Bild: Thorsten Jordan

Die Techniker und Bühnenbauer sorgen dafür, dass beim weißen Rössl alles rund läuft. Einer von ihnen ist zum ersten Mal seit 15 Jahren wieder im Team.

Eigentlich ist Hans Dietrich schon lange nicht mehr dabei. 27 Jahre lang war der Maler Mitglied der „landsberger bühne“ (labü), entwarf das Bühnenbild und bemalte die Kulissen. 1999 hörte er auf: Das Rumklettern auf der Bühne, das Zeichnen in mehreren Metern Höhe, das war irgendwann zu anstrengend, sagt er.

Im vergangenen Jahr kehrte der 70-Jährige dann aber doch noch mal an seinen alten Arbeitsplatz zurück: Für „Im weißen Rössl“, die Jubiläumsproduktion der labü, nahm Dietrich wieder Bleistift und Pinsel in die Hand, um das aufwendige Bühnenbild zu entwerfen: die ausklappbare Bergkulisse etwa, das Gasthaus mit dem großen, roten Herz auf der Tür, oder auch das verspielte Heurigenlokal mit den Weinreben und Holzfässern.

Jetzt steht Hans Dietrich auf der Bühne des Landsberger Theaters, zwischen Gerüsten und Leinwänden, in einer Stunde beginnt die nächste Vorstellung des weißen Rössls. Er kontrolliert die Kulissen, überprüft, ob bei den vorangegangenen Aufführungen etwas kaputt gegangen ist. Im Zuschauerraum sitzen bereits einige Schauspieler und proben ihren Text, andere haben schon ihre Kostüme angezogen, Roman Groß („Piccolo“) steht auf der Bühne und jongliert mit drei bunten Plastikbechern. Ab und zu wird es dunkel im Theater: Die Lichttechniker testen, ob auch alle der über 70 Strahler funktionieren.

Dietrich zeigt auf das weiße Rössl, das rot-weiße Gasthaus, das dem Stück seinen Namen gibt. Die Wände sind nicht ganz gerade, das Haus macht einen charmant-windschiefen Eindruck. „Ich wollte, dass alles ein bisschen krumm ist“, sagt der Künstler. Wenn er Häuser in Landsberg male, dann suche er sich auch immer am liebsten die unperfekten heraus. „Das ist doch viel spannender.“

Er verschwindet kurz und kehrt mit einer Mappe voller Zeichnungen zurück: Auf kariertem Papier hat er jede einzelne Kulisse aufzeichnet und mit Aquarellfarben koloriert. Die Bilder zeigen selbst kleinste Details: Die Weintrauben an der Rebe im Heurigenlokal, einzelne Backsteine in der Fassade des Gasthofes oder auch das Kreuz auf dem Gipfel der weiß-blauen Bergkulisse.

Als Dietrichs erste Planungen fertig waren, folgte die handwerkliche Arbeit: Die Landsberger Berufsschule stellte den Bühnenbauern einen Raum zur Verfügung, in dem sie testen konnten, wie hoch die Kulissen werden müssen. Später zogen sie in die Halle eines Issinger Zimmermanns um. Hier wurden die einzelnen Teile ausgesägt und ausgeschnitten, zusammengebaut haben sie die Kulissen aber erst vor Ort im Theater.

„Das war absolute Teamarbeit“, sagt Dietrich. „Jeder hat sich miteingebracht.“ Er zeigt auf Franz Krauß, der einige Meter entfernt steht. „Der Franz zum Beispiel macht vor allem Technik“, außerdem sei er aber auch der Experte für alle Spezialeffekte. Dietrich zählt weiter auf: Raimund Sedlmayr und Carlos Kittel kümmern sich um die Beleuchtung, „der Christian Kempf ist unser Allrounder“ und „der Mandy“, Manfred Holl, ist für Licht und die ganze Organisation zuständig. Die entscheidende Rolle beim Bühnenbau für das weiße Rössl hatte Kay Karlshofer, der sich seit Hans Dietrichs Ausstieg vor 15 Jahren bei der labü um die Kulissen kümmert. „Hans ist der Kreative, ich bin der Mann fürs Grobe“, sagt Karlshofer und lacht. Er hat die Maschinen, fügt er hinzu, und er besorgt das Material, das Holz, die Schrauben und alles weitere.

Karlshofer geht einmal um die Gasthof-Kulisse herum und zeigt auf die Holztreppe, die auf der Rückseite hoch auf den Balkon führt. „Die war eigentlich doppelt so breit.“ Er habe sie dann einmal in der Mitte durchgeschnitten und dadurch eine zwei Mal so hohe Stiege bekommen. Solche Dinge, sagt der 50-Jährige, solche kleinen handwerklichen Spielereien und Erfindungen sind es, die ihm Spaß machen. „Das ist der Grund, warum ich das hier mache“ – und natürlich die „große Familie“ der labü.

Kurz vor Weihnachten haben die Bühnenbauer die Kulissen in ihren Einzelteilen zum Stadttheater und auf die Bühne transportiert. „Ich bin Schichtarbeiter“, erzählt Karlshofer. Deshalb konnte er auch mal morgens oder mittags einige Stunden hämmern und schrauben, dann, wenn die meisten anderen noch auf der Arbeit sind. Auch zwischen den Jahren seien sie oft da gewesen. „Da hatten wir dann unsere Ruhe“, sagt er. Hans Dietrich hat dann auf dem Boden die Einzelteile aufwendig bemalt, bevor Karlshofer sie in mehreren Metern Höhe zusammenschraubte.

Anschließend habe er dann einen Testlauf gemacht und kontrolliert, ob die Kulissen umfallen oder einbrechen könnten, erzählt Karlshofer. „Bevor bei mir nicht alles funktioniert, lass ich keinen von den Schauspielern drauf“, sagt er. „Die Sicherheit ist das oberste Gebot.“

Heute sind die Spuren der handwerklichen Arbeit nur noch auf der Rückseite der Kulissen sichtbar: Da sieht man braune, unbemalte Holzplatten, Schrauben und Nägel. „Hinten muss es nie schön ausschauen“, sagt Hans Dietrich. Nur vorne, bei allem, was die Zuschauer sehen, müsse „der schöne Schein gewahrt werden“.

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