Newsticker
Italien verschärft Corona-Maßnahmen in einigen Regionen
  1. Startseite
  2. Lokales (Landsberg)
  3. landsberger bühne: Schauspieler überzeugen, Bühnenumbau irritiert

Landsberg

14.01.2019

landsberger bühne: Schauspieler überzeugen, Bühnenumbau irritiert

Mit einem im Internet hochgeladenen Video ist Jack in Schwierigkeiten gekommen. Seine Eltern David (Thomas Bauer) und Diana (Diedke Moser) überlegen, wie sie ihren Sohn vor weiteren Konsequenzen bewahren können.
Bild: Thorsten Jordan

Mit ihrem Winterstück „4 Minuten 12 Sekunden“ beweist das Landsberger Ensemble sein Gespür für gute Stoffe. Die Leistung der Darsteller überzeugt.

Von wegen alles nur Theater! „4 Minuten 12 Sekunden“, das Winterstück der landsberger bühne, stand kurz vor der Premiere, da flog Johannes S. alias „Orbit“ auf. Der 20-jährige Schüler hatte über Monate hinweg Politiker und Prominente ausgespäht und pikante Details aus deren Privatleben anonym auf Twitter veröffentlicht. Hat der junge Mann nur „Mist gebaut“ und genügt es, mit ihm ein ernstes Wort zu reden? Oder ist die ganze Angelegenheit nicht doch eher ein Fall für Polizei und Justiz?

Was bei genauem Hinsehen zu erkennen ist

Vor diese Fragen stellt der Dramatiker James Fritz in seinem 2014 in London uraufgeführten Vier-Personen-Stück auch die Menschen in der Umgebung des heimlichen Protagonisten Jack, als im Internet ein intimes Video von ihm und seiner Exfreundin Cara auftaucht. Die vier Minuten und zwölf Sekunden bringen nicht nur Privates ans Licht, sondern vielmehr lassen die Bilder bei genauem Hinsehen Caras Gegenwehr und Jacks Hand auf ihrem Mund erkennen …

Im Konflikt zwischen Schuldeingeständnis und Schuldzuweisung, hin und her gerissen zwischen Wahrheitssuche und -verdrängung und ihrem Bedürfnis, den Sohn zwar zu schützen, aber auch Cara gerecht zu werden, stürzt Jacks Mutter Diana in ein emotionales Chaos, und es gerät auch ihre Beziehung zu Jacks Vater David aus dem Gleichgewicht. Es entwickelt sich ein psychologisch geführter Ehekrieg, ausgetragen vor allem auf dem Sofa im heimischen Wohnzimmer. Rasch wandelt sich die Kuschel- in eine Kampfzone und Davids Begehren in unverhohlene Drohgebärde: Er werde es nicht zulassen, dass jemand die vielversprechenden Karriereaussichten seines Sohnes zerstöre. Im Zurückweichen vor ihrem Mann kippt Diana einmal fast rücklings von der Sofalehne. Am Ende bleibt von ihrer Beziehung nicht mehr als ein Scherbenhaufen. So sehr sind Diana und David damit beschäftigt, die heraufziehende Katastrophe abzuwenden und fallen dabei die Masken, dass es eines Auftritts ihres Sprösslings nicht mehr bedarf – der Apfel fällt bekanntlich nicht weit vom Stamm.

Die verbotene Frucht in neuer Gestalt

Präsent ist dagegen auch in der modernen Welt die „verbotene Frucht“ – wenn auch in gewandelter Form: Längst ist es nicht mehr der Apfel, durch den wir in Versuchung geraten. Verführen lassen wir uns von der scheinbaren Grenzen- und Regellosigkeit sowie der Anonymität des Internets; ironisch weist das von einer Schlange gehütete „Apple-Logo“ auf dem Panel des Bühnenbilds (Martin Paulus) auf den Wertewandel globalisierter Mediengesellschaften hin.

Cara und auch Jacks Schulfreund Nick kommen zu Wort – und beschämen in ihrer Verletzlichkeit Diana, die versucht, „Deals“ mit ihnen auszuhandeln. Doch was gäbe es für sie dabei zu gewinnen? Cara fühlt sich durch das Video „gebrandmarkt“. Und der zurückhaltende, sensible Nick, der das kratzbürstige Mädchen schon liebte, bevor sein „Freund“ Jack ihm dazwischenfunkte, ist einfach nur traurig und nicht empfänglich für die durchschaubaren Argumente und schäbigen Angebote Dianas.

Mit steril-weißen Schutzanzügen

Mit ihren glaubhaft gezeichneten Figuren gelang den beiden jungen Schauspielern Ann Machacek (Cara) und Jonas Echterbruch (Nick) ein überzeugender Auftritt, der vom Premierenpublikum mit herzlichem Applaus gewürdigt wurde. Dies gilt ganz besonders auch für Thomas Bauers und Diedke Mosers tragende Rollen als David und Diana, von der man sich trotz aller gut nachvollziehbaren Erregung vielleicht das eine oder andere Innehalten und ein paar leise Zwischentöne mehr gewünscht hätte.

Etwas befremdlich wirkte die vierköpfige Kulissencrew in ihren steril-weißen Schutzanzügen, die mit langen Umbauten dem Stück gelegentlich den Schwung nahm. Dies vermochten auch die hörenswerten musikalischen Einschübe von die Thomas Jankovic nicht ganz wettzumachen. Vielleicht hätte man hier einen fliegenden Wechsel der Schauspieler zwischen den gleichzeitig auf der Bühne stationierten Handlungsorten Wohnzimmer, Caras Zimmer und Kneipe in Erwägung ziehen können. Sehenswert, und wie das eingangs geschilderte Beispiel zeigt, unmittelbar am Puls der Zeit ist „4 Minuten 12 Sekunden“, das aktuelle Stück der landsberger bühne unter der Regie von Sabine Kittel dennoch unbedingt.

Weitere Vorstellungen im Stadttheater gibt es am 17., 18., 19., und 25. Januar um 20 sowie am Sonntag, 20. Januar, um 18 Uhr.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren