Petition aus Landsberg: Kleinkrafträder sollen schneller fahren
Landsberg
Schneller fahren mit der Vespa? Ausschuss urteilt über Petition aus Landsberg
Im Leben von Ralf Jodl dreht sich fast alles um Motorroller – er sieht Kleinkraftradfahrer gefährdet. Warum eine Anhebung der Höchstgeschwindigkeit seiner Meinung nach für mehr Sicherheit sorgen würde.
Ralf Jodl (vorne) bei einer Vespa-Tour auf der Insel Elba im Jahr 2024. Foto: Ralf Jodl/SIP Scootershop (Archivbild)
Der Landsberger Ralf Jodl ist leidenschaftlich gerne mit der Vespa unterwegs. Gemeinsam mit Alex Barth hat er vor über 30 Jahren sein Hobby zum Beruf gemacht, heute bietet ihr SIP Scootershop nahezu alles rund um Motorroller an und hat Kunden aus aller Welt. Die Sicherheit für Fahrerinnen und Fahrer von Kleinkrafträdern liegt Jodl da natürlich am Herzen. Deswegen hat er im Januar 2023 eine Petition ins Leben gerufen und beim Deutschen Bundestag eingereicht. Mit dem Ziel, die zulässige Höchstgeschwindigkeit von Kleinkrafträdern bis 50 Kubikzentimeter von bislang 45 auf 60 Kilometern pro Stunde anzuheben. Jetzt hat der Petitionsausschuss in Berlin entschieden.
Kleinkrafträder der Klasse AM, die mit dem Führerschein der Klasse B gefahren werden dürfen, sind laut der Begründung des Petitionsantrags vor allem im Stadtverkehr unterwegs. Innerhalb geschlossener Ortschaften beträgt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit 50 Kilometer pro Stunde. Fahrzeuge, die unterhalb dieser Geschwindigkeit bleiben, würden daher regelmäßig von anderen Verkehrsteilnehmern als Behinderung empfunden und so schnell wie möglich überholt. Insbesondere von Linienbussen oder Lastwagen, von denen bei Überholvorgängen ein erhebliches Gefährdungspotenzial ausgehe. Bei einer Anhebung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit wäre nach Ansicht von Ralf Jodl für die Fahrerinnen und Fahrer von Kleinkrafträdern ein „Mitschwimmen“ im Verkehr möglich.
Das Zweirad als Ersatz für das Auto
Wenn die Regelungen für Zweiräder attraktiver wären, würden auch mehr Pendler und Autofahrer auf ein Zweirad umsteigen, und zwar nicht aus Spaß am Wochenende, sondern im (beruflichen) Alltag, heißt es in der Petition. „Das würde uns allen guttun, dem Zweiradmarkt, aber auch den Innenstädten und Pendlerparkplätzen“, so Jodl. Bald werde es in vielen Städten Sperrungen wegen Umweltzonen geben, Parkraum sei schon lange knapp. Der geringere Energieverbrauch und somit der geringere CO₂-Ausstoß in Verbindung mit geringerer Ressourcenbelastung und weniger genutzter Verkehrsfläche sprächen für das Zweirad als Ersatz fürs Auto.
Ralf Jodl (links) bei der Übergabe der 52.000 Unterschriften an den ehemaligen Bundestagsabgeordneten Volker Ullrich (CSU). Foto: Günter Schachermayr
Laut Ralf Jodl stieß die Initiative auf viel Zustimmung. Bis Mitte Juni 2023 hätten sie 52.155 Personen unterzeichnet. „Danach suchten wir nach einem geeigneten Weg, um die Petition wirksam an den Petitionsausschuss in Berlin zu übergeben. Die Suche nach willigen Mandatsträgern gestaltete sich als schwierig, denn anscheinend haben Kleinkrafträder in diesem unserem Lande keine Lobby.“ Schließlich erklärte sich der Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich (CSU) im Juli 2023 bereit, die Petition symbolisch entgegenzunehmen und mit in die Hauptstadt zu nehmen. Dann passierte lange nichts.
Bei sommerlichen Temperaturen feiern die Menschen auf den verschiedensten Veranstaltungen. Open Day beim SIP Scootershop, Street Food Festival auf dem Infanterieplatz und Veitsmarkt auf dem Hauptplatz.
Im Januar machten Michael Schümann und Dina Ludmann von Motorrad Online das Thema noch einmal publik. Das zeigte offenbar Wirkung, denn Anfang Juli, zwei Jahre nach Übergabe der Petition, setzte Dr. Hülya Düber (CSU), die Vorsitzende des Petitionsausschusses, ein Schreiben auf, das Ralf Jodl wenige Tage später erreichte. Mitgeteilt wurde, dass der Bundestag über die Petition beraten und am 26. Juni beschlossen habe, „das Petitionsverfahren abzuschließen.“ Das bedeute nichts anderes, als dass die Petition abgelehnt wurde. Der Ausschuss habe keine gesetzgeberische Notwendigkeit zur Änderung der Regelung gesehen.
Die Firmengründer und Inhaber, Ralf Jodl (links) und Alexander Barth, vor dem SIP Scootershop im Landsberger Frauenwald.Foto: Thorsten Jordan (Archivbild)
„Diese Entscheidung belegt einmal mehr, dass die Fahrer und Fahrerinnen von Kleinkrafträdern keine Lobby in Deutschland und in der EU haben. Dabei macht ein einfacher Blick nach Asien deutlich, dass diese Fahrzeuge in Zukunft an Bedeutung gewinnen werden. Es ist traurig, dass die Sicherheit der Menschen ignoriert wird“, sagt Ralf Jodl zu der Entscheidung.
Sollte die Einteilung der Fahrzeugklassen überdacht werden?
Eine denkbare Lösung wäre die Einführung einer zusätzlichen nationalen Fahrerlaubnisvariante mit der Bezeichnung „AM+“, in Anlehnung an bestehende Sonderregelungen wie den Mofa-Führerschein. Dabei bliebe die europaweit gültige AM-Klasse unverändert bei einer zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde. Ergänzend könnte national die Klasse AM+ eingeführt werden, die das Führen von 50-Kubikzentimeter-Rollern mit einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 60 Kilometern pro Stunde erlaubt – beispielsweise bereits ab einem Alter von 16 Jahren. „Vielleicht wäre es aber auch an der Zeit, die Einteilung der Fahrzeugklassen grundlegend zu überdenken“, sagt Ralf Jodl. Wahrscheinlich wolle man den Führerschein AM, auch einfach unattraktiv halten – denn mit dem ungleich teureren Führerschein für die 125-Kubikzentimeter-Klasse lasse sich viel mehr Geld verdienen.
Diskutieren Sie mit
XXX 1 Kommentar
hier kommen komentare rein
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
Um kommentieren zu können, müssen Sie angemeldet sein.
AnmeldenSie haben noch kein Konto? Kostenfrei registrieren