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Landsberg

13.08.2020

„s‘Maximilianeum“: Was der Jodelwahnsinn auf die Bühne bringt

Der „Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn“ alias Otto Göttler, Geli Huber und Tobias Andrelang war zu Besuch in Landsberg. Die Kleinkunstbühne „s’Maximilianeum“ startete mit diesem Abend die erste Veranstaltung nach der Corona-Pause.
Bild: Christian Rudnik

Plus Das „s’Maximilianeum“ kommt aus der Corona-Pause zurück. Und der Auftritt des „Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinns“ sorgt gleich für einen Kracher.

Und wie sie kommen! Auf der Freibühne des Stadttheaters präsentierte die Landsberger Kleinkunstbühne „s’ Maximilianeum“ nach der langen, durch Corona bedingten Pause den in wechselnder Besetzung seit 1986 bestehenden Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinn. Otto Göttler, der Gründer der Gruppe und einziges ständiges Mitglied, Geli Huber und Tobias Andrelang spielen seit 2018 mit großer Lust und ebenso großem Erfolg zusammen.

Verpackt in traditionelle Volksmusik setzen die drei Vollblutmusiker nicht nur musikalisch bemerkenswerte Akzente, sondern servieren dem Publikum pointiert und mit viel Wortwitz, aber dennoch äußerst kritisch und mit großer Empathie aktuelle Missstände unserer Gesellschaft. Für die Großkopferten allerdings haben sie keine Sympathien übrig und machen dabei aus ihren Herzen keine Mördergruben.

Der „Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn“ alias Otto Göttler, Geli Huber und Tobias Andrelang war zu Besuch in Landsberg. Die Kleinkunstbühne „s’Maximilianeum“ startete mit diesem Abend die erste Veranstaltung nach der Corona-Pause.
Bild: Christian Rudnik

Musikalisch überzeugen Otto Göttler an der diatonischen „Ziach“, Geli Huber an der Harfe und Tobias Andrelang am Kontrabass. Dass Otto Göttler auch die Trompete, die englische Concertina, die Ukulele und vor allem die singende Säge beherrscht, während Geli Huber neben der Harfe furios das Hackbrett bespielt und dem Publikum die Flötentöne beibringt, steigert den Enthusiasmus von Musikern und Publikum ebenso wie der lässige Groove an Kontrabass und Gitarre von Tobias Andrelang. Dabei ergänzen sich die aus der Stubenmusik kommende Geli Huber, der klassisch ausgebildete Tobias Andrelang und der Tausendsassa Otto Göttler musikalisch wahrlich kongenial.

Musiktechnisch gibt es beim Auftritt des Jodelwahnsinns viele Variationen

Ihr Spektrum an diesem Abend reicht weit über die bayerische Volksmusik hinaus und nimmt Anleihen bei irischen oder kroatischen Volksweisen, die sehr eigenwillig, eben bairisch-diatonisch, interpretiert werden. Und wer bisher noch nie bayerische Volksmusik mit klassischen Cello-Untertönen erleben durfte, an diesem Abend wird er überrascht.

Aufmüpfig und in bester volksmusikalischer Tradition präsentiert der Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn zeitkritisches Musikkabarett pur und schnörkellos. Das Ganze kommt leicht daher, ohne große Effekthascherei, man spürt ein aufrichtiges Anliegen hinter Musik und Texten.

Letzere drehen sich um Umweltschutz, Korruption, politische und gesellschaftliche Missstände und werden von dem Trio zusammen erarbeitet. Dabei sind sie bei der Wortwahl ebenso treffsicher wie bei den Tönen und zeigen eindeutig Haltung, die jedoch nicht mit dem erhobenen Zeigefinger daherkommt, sondern zum Nachdenken anregt. Denn wie Otto Göttler sagt: „Keiner von uns kann immer alles richtig machen.“ Daneben gibt es auch anrührende, sehr persönliche Stücke, wie das Lied zur Erinnerung an den 2011 verstorbenen Giesinger Schriftsteller Werner Schlierf. Der Tod wird dabei so selbstverständlich zum Bestandteil eines gelungenen Lebens, dass man nur staunen kann.

Das Trio zeigt Missstände auf, erhebt aber nicht den Zeigefinger

Und das Publikum? Nun, es war coronabedingt ein kleiner Kreis von knapp 90 Zuhörern, mehr hätten es auch nicht sein dürfen, doch dem begeisterten Applaus nach zu urteilen, war die Freibühne voll besetzt und ausverkauft. Musiker wie Publikum eint sichtlich und hörbar die Freude an diesem Abend, bei den einen, die Freude darüber, wieder spielen und auf der Bühne stehen zu können, bei den anderen, endlich wieder ein Konzert zu besuchen.

Der laue Sommerabend direkt hinter dem Landsberger Stadttheater tat sein Übriges, um einem rundum gelungenen Abend noch das sprichwörtliche Sahnehäubchen überzuziehen. Hoffentlich kommen sie wieder, die Drei.

Lesen Sie dazu auch: In Landsberg trotzt die Kleinkunstszene der Corona-Krise

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