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Sportgruppe der Lebenshilfe

16.07.2015

Bei „Rot gegen Bunt“ gibt es nur Gewinner

Jeden Montag treffen sich die Männer und Frauen im Hacker-Pschorr-Sportpark. Im September findet dort auch ein Turnier statt.
Bild: Thorsten Jordan

Stephan Botschafter, Jugendtrainer beim TSV Landsberg, coacht ehrenamtlich geistig behinderte Fußballer. Im September findet ein Turnier im Hacker-Pschorr-Sportpark statt

Landsberg Wenn so berühmte Namen wie „Scholl“, „Elber“ und „Lewandowski“ zusammen mit Fußballern wie „Bam-Bam“ und „Botschi“ in einer Mannschaft spielen, muss das etwas ganz Besonderes sein. Gut, die berühmten Fußballer waren nicht persönlich in Landsberg auf dem TSV-Gelände beim Training, aber die Träger der Trikots mit den großen Namen auf dem Rücken sind etwas ganz Besonderes: Sie sind alle Mitglieder der Lebenshilfe-Fußballmannschaft, die jeden Montagabend im Hacker-Pschorr-Park trainiert und erst kürzlich wieder zwei Fußballturniere gewonnen hat.

Kurz nach der Weltmeisterschaft 2006 war die Fußballmannschaft ins Leben gerufen worden, erinnert sich Stefan Hundt, Heilerziehungspfleger in der Lebenshilfe, der zusammen mit seinem Kollegen Michael Küstner die Spieler am Spielfeldrand beobachtet und betreut. Seit März 2014 wird die bunte Truppe, die sich aus sieben Spielerinnen und 18 Spielern im Alter zwischen Anfang 20 bis Mitte 30 zusammensetzt, von TSV-Jugend-Trainer Stephan Botschafter ehrenamtlich trainiert. Sie alle haben ein Handicap und sind geistig behindert – was die Freude am Sport und vor allem am Fußball aber keineswegs mindert. Im Gegenteil: Mit Elan, Ehrgeiz und einer gehörigen Portion Spaß geht es im Training auf dem Fußballplatz ans Werk.

„Das macht unglaublichen Spaß“, erzählt Botschafter, der auch die D2- und die E3-Jugend im TSV trainiert. „Botschi“ nennen ihn seine Schützlinge liebevoll und jagen ihn im Spiel genau so über den Platz, wie sie es bei jedem anderen Gegner auch tun würden. Auch in den Zweikämpfen wird „Botschi“ eiskalt ausgespielt. „Da ist so viel Freude am Sport dabei, das ist toll“, so der Trainer. Einige seiner Spieler seien unglaublich talentiert und ballsicher, freut er sich.

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Jeden Montag treffen sich die Fußballbegeisterten aus den unterschiedlichsten Einrichtungen für geistig behinderte Menschen in Landsberg zum Training im Hacker-Pschorr-Park. Eineinhalb Stunden powert sich die Truppe aus. Die Begeisterung ist so groß, dass Botschafter immer wieder mal bremsen muss: „Lauf dich net tot!“, schallt es über den Platz und im nächsten Moment: „Wie steht’s eigentlich?“.

Hundt bezeichnet Trainer Botschafter als einen „Glücksfall“ für die Spieler, denn er betreut diese auch bei Turnieren. Anfang des Jahres beispielsweise stand ein Wettstreit im nordrhein-westfälischen Dorsten auf dem Programm, vor drei Wochen dann ein Turnier in Herzogsägmühle. „Beide Male haben wir gewonnen“, berichtet Hundt. Und Mannschaftskapitän Stefan Lips, der zurzeit verletzt am Spielfeldrand ausharren muss, meint stolz: „Das haben wir echt gut gemacht!“

So wie Botschafter manchmal „einen Gang runter schalten lässt, so muss er im nächsten Moment anspornen: „Hände aus den Hosentaschen, Fußball spielen wir“, ruft Botschafter der Truppe zu, die nach knapp eineinhalb Stunden Training sichtlich erschöpft ist. Den Ball durch einen Parcours dribbeln, Pässe spielen und Torschüsse steht auf dem Programm der ersten Trainingshälfte.

Konzentriert und motiviert gehen die Mannschaftsmitglieder ans Werk, dabei kann schon mal ein Stollen abbrechen oder der Schienbeinschoner verrutschen. Alles kein Problem, der Ball bleibt weiter heiß umkämpft. „Die sind alle so super gut drauf, das macht so viel Freude“, begründet Stephan Botschafter sein persönliches Engagement, das sich aus einem Probetraining vor gut einem Jahr entwickelt hat.

Dann wird es ernst, die geübten Techniken müssen im Spiel umgesetzt werden: „Rot“ gegen „Bunt“ heißt es in der zweiten Trainingshälfte. Heute sind genau 22 Spieler einsatzbereit. Dass im Tor der „bunten Mannschaft“ zwei Torhüter stehen, ist dabei für die Beteiligten kein Problem. Schließlich geht es ausschließlich um den Spaß am Fußball. Gekämpft wird aber mit vollem Einsatz an allen Fronten, und am Ende steht es 5:5. Ein solches Ergebnis wollen die Lebenshilfe-Fußballer aber im Turnier auf gar keinen Fall zulassen. „Da müssen wir unbedingt wieder gewinnen“, sind sich die erschöpften Kicker einig.

Das Training am Montagabend von 19 bis 20.30 Uhr steht im Übrigen allen fußballbegeisterten Menschen mit geistiger Behinderung offen. Wer die „Sportgruppe Lebenshilfe“ des TSV Landsberg in Aktion sehen möchte, der sollte sich das Turnier am 26. September im Hacker-Pschorr-Sportpark nicht entgehen lassen. Dann trifft die Mannschaft aus Landsberg auf Gegner aus Herzogsägmühle, Dorsten und „vielleicht noch weitere Teams“, freut sich nicht nur Trainer Stephan Botschafter.

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