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Landkreis Landsberg

08.07.2020

Fußball: Wenn die Fans nur zu Hause mitfeiern können

Die Spieler des FC Bayern München feiern den Pokalsieg. Doch im Hintergrund fehlt das sonst übliche rote Fahnenmeer der Bayern-Fans. Nicht nur für die Anhänger des FCB war es eine sehr ungewöhnliche Saison.
Bild: Alexander Hassenstein (dpa)

Plus Die Corona-Pandemie hat auch den Fußballfans im Landkreis Landsberg eine ungewöhnliche Saison beschert. Wie sie diese erlebt haben und was sie sich wünschen.

Da wird der FC Bayern München zum 30. Mal deutscher Meister, die Augsburger schaffen mit Hängen und Würgen den Klassenerhalt und die Münchner Löwen verpassen ganz knapp die Relegation zur 2. Bundesliga. Der Profi-Fußball hat den Fans einiges geboten, aber Corona hat ihnen viel genommen: die regelmäßigen Besuche im Stadion und das Mitfiebern vor Ort. Wie haben die Fans der bayerischen Vereine dieses ungewöhnliche Saisonfinale erlebt? Und was erwarten sie von der neuen Saison? Das Landsberger Tagblatt hat nachgefragt.

Zumindest das Pokalfinale konnten sich die Fußball-Fans schon wieder in kleinem Rahmen gemeinsam ansehen. Die FC-Bayern-Fan-Clubs von Geltendorf und Scheuring jedenfalls hatten zum „Public Viewing“ eingeladen – streng nach den geltenden Hygienevorschriften.

Fernseher statt Stadion

Fernseher statt Stadion, mit dieser Situation sah sich auch Patrick Kalkschmidt, Zweiter Vorsitzender des Geltendorfer Bayern-Fan-Clubs, konfrontiert. „Einige von uns hatten Jahreskarten und ansonsten hatten wir schon über 100 Karten für einzelne Spiele“, berichtet er. Doch keiner konnte mehr ins Stadion. Trotzdem ist der Kontakt unter den Fans nicht abgerissen – den Sozialen Medien sei Dank. Aber statt gemeinsam das Spiel zu verfolgen, musste man allein vor dem Fernseher sitzen. „Ich denke, es läuft erst wieder richtig, wenn Fans im Stadion sind“, spricht Kalkschmidt die eigenartige Atmosphäre bei den Geisterspielen an.

Fußball: Wenn die Fans nur zu Hause mitfeiern können

Immerhin lief es für den FC Bayern trotzdem perfekt. Erst den 30. Meistertitel eingetütet und dann auch noch der Pokalsieg. „Für Bayern war es ja das x-te Mal, dass sie im Finale stehen, aber für die Fans von Leverkusen tut es mir leid. Da könnte man mal nach Berlin fahren, und darf nicht“, denkt der Geltendorfer auch an die Gegner.

Die Scheune wurde umfunktioniert

Er hat das Spiel zusammen mit weiteren FCB-Fans im Sportheim des TSV Geltendorf angesehen. „Wir haben hier genügend Platz, um die Abstandsregeln und alle Hygienevorschriften einzuhalten“, sagt er. Aber diesmal waren nicht alle Geltendorfer FCB-Fans da, ein paar sind nämlich nach Scheuring, wo ebenfalls ein Public Viewing war.

Das hat Martin Aumüller, der Vorsitzende des dortigen FCB-Fan-Clubs organisiert. In seiner Scheune wurde gemeinsam das Spiel angesehen. Auch er hatte sich auf die Fernsehübertragungen beschränken müssen. „Da fehlt schon extrem was“, meint er. Immerhin: Nach den ersten zwei Geisterspielen „habe ich mich an die Atmosphäre gewöhnt“. Trotzdem ist er der Meinung, dass „der Fußball einfach die Fans braucht“.

Sowohl Aumüller als auch Kalkschmidt hoffen, dass Zuschauer bald wieder im Stadion erlaubt sind, wobei sie gespannt sind, unter welchen Bedingungen. „Ich bin Brillenträger“, sagt Aumüller. „Wenn man die ganze Zeit eine Maske aufsetzen müsste, wäre es eher negativ.“ Und Patrick Kalkschmidt ist „gespannt, wie es im Stehbereich gemacht wird“. Da könne man ja nicht einfach jeden zweiten Platz freilassen. Eines ist aber sicher: Beide gehen wieder ins Stadion, sobald es erlaubt ist.

Sportschau nur nach guten Spielen

Auch der frühere Hurlacher Bürgermeister Wilhelm Böhm, bekennender FC-Augsburg-Fan, geht wieder zu den Spielen, sobald es möglich ist. Dabei musste er in der vergangenen Saison doch lange leiden, ehe die Fuggerstädter den Klassenerhalt unter Dach und Fach hatten. Böhm, der ebenfalls eine Jahreskarte besitzt, will diese auch für die neue Saison nutzen. „Das ist doch ein schöner Zeitvertreib“, sagt er – und wenn der FCA gut gespielt hat, dann sieht er sich weiterhin am Samstagabend die Sportschau an – bei einem schlechten Spiel schenkt er sich die Zusammenfassung.

Noch mal richtig spannend war es zum Saisonende auch für Werner Hack, den Schriftführer des Löwen-Fans-Clubs Windach. Hatte der TSV 1860 München doch am letzten Spieltag die Chance, in der Relegation um den Aufstieg in die 2. Bundesliga zu spielen. Doch die 0:2-Niederlage gegen Ingolstadt raubte den Löwen diese Chance.

Beim Aufstieg der Löwen im Stadion gewesen

Und Hack konnte wie alle anderen Fans nicht dabei sein. „Eigentlich habe ich eine Jahreskarte“, erzählt der 69-Jährige. Doch dann musste er die Spiele seiner Löwen im Internet oder Fernseher verfolgen. „Das das kostet viel mehr Nerven. Im Stadion lebt man mit, aber von zu Hause aus kann man die Mannschaft ja auch nicht unterstützen.“ Und dabei hat Werner Hack schon viel im Löwen-Stadion erlebt. „Als Schulbub stand ich hinter dem Tor von Petar Radenkovic, als die Löwen Meister wurden“, erinnert sich Werner Hack. Das war 1966.

Wenn in der kommenden Saison wieder Fans ins Stadion dürfen, weiß der Schriftführer des Windacher Löwen-Fan-Clubs trotzdem noch nicht, ob er gehen wird. „Eine Jahreskarte werde ich mir auf jeden Fall besorgen“, sagt er, dann allerdings werde er abwägen, wie hoch das Risiko ist, sich mit dem Virus anzustecken. Schließlich zähle er zur Risikogruppe.

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