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Segelfliegen

16.05.2018

Jetzt zählt nicht mehr nur das Tempo

Die Segelflieger vom Geratshof haben sich eine neue sportliche Herausforderung gesucht.
Bild: Janik Eggler

Die Mannschaft vom Geratshof hat einen neuen internationalen Wettbewerb für sich entdeckt

Nach den Erfolgen der Segelflieger vom Geratshof in der ersten und zweiten Bundesliga war es um den Club bei Ellighofen etwas ruhiger geworden. „Keine Angst, uns gibt es schon noch“, so LSV-Vorsitzender Sepp Holzapfel. „Wir haben uns jedoch sportlich neu orientiert: In der Segelflugbundesliga liegt der Fokus auf einem Flug-Zeitfenster von 2,5 Stunden, in dem der die meisten Punkte erhält, der die höchste Geschwindigkeit fliegt. Hier waren wir über Jahre unter den Top 30 Segelflugvereinen bundesweit“, berichtet Holzapfel.

In den Debriefings nach den Flugtagen bemerkten die Mitglieder des Geratshofer Streckenflugteams nach acht Jahren Bundesliga eine sinkende Motivation. „Irgendwie war die Luft raus“, so Günther Siebinger, einer der Top-Streckenpiloten und: „Jedes Wochenende an den gleichen bekannten guten Aufwind-Rennstrecken sei es entlang Schwäbischer Alb, Inntal oder den Hohen Tauern – nur auf immer mehr Geschwindigkeitspunkte ausgerichtet – entlangzurasen, war einfach langweilig geworden.“ Teamkollege Richard Paul ergänzt: „Vor lauter Tempofokus und Blick nur noch in Richtung der besten Aufwinde habe ich von der herrlichen Landschaft immer weniger wahrgenommen.“

Die Geratshofer Mannschaft entschied sich deshalb, künftig am internationalen dezentralen Wettbewerb für Streckensegelflug, dem „OLC-Plus“, teilzunehmen. Hierbei werden nach der Landung die per elektronischem Flugschreiber aufgezeichneten Flüge aller weltweit teilnehmenden Piloten auf eine Web-Plattform, den sogenannten Online-Contest hochgeladen und pro geflogenem Kilometer Punkte vergeben, die Geschwindigkeit bleibt eher ein Nebenprodukt.

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Im Voraus geplante Flüge, wie zum Beispiel von Landsberg zum Matterhorn und zurück, werden dabei höher bepunktet, als ein Flug, bei dem der Pilot einfach den besten Aufwinden folgt. „Gerade die Herausforderung, eine vorher fest geplante Strecke schaffen zu wollen, hat uns neue Motivation gegeben, weil man sich auch durch Abschnitte mit schwachen oder keinem Aufwind hindurch arbeiten muss“, so Holzapfel. „Gleichzeitig versuchen wir, uns bei der Streckenauswahl möglichst interessante Ziele mit hohem Erlebniswert auszusuchen.“

So kamen Flüge zustande, bei denen die Geratshofer zum Beispiel die Wasserkuppe in der Rhön, den Ursprungsberg des Segelfliegens, mit den Alpen verbunden haben oder in einem Rutsch entlang der höchsten Berge der Alpen von der Bernina über das Matterhorn bis hin zum Mont Blanc entlang flogen. „Das sind Flüge, die man nicht vergisst“, schwärmt Holzapfel.

Die Bilanz der Geratshofer bislang kann sich sehen lassen: Bei 62 Flügen kamen die 14 Piloten des Streckenflugteams auf insgesamt 28601 Kilometer und belegten unter den international teilnehmenden 1253 Segelflieger Clubs in der Weltrangliste Platz 91. Platz eins unter den Geratshofer Piloten belegt Richard Paul mit 13990km bei 16 Flügen, gefolgt von Sepp Holzapfel (3470km/11 Flüge) und Günther Siebinger (2361km/7 Flüge). Die Rangliste der Jugendlichen führt die 17-jährige Julia Steinle aus Kaufering an, mit 535 km bei 2 Flügen.

Einer der interessantesten Flüge gelang Sepp Holzapfel im Föhnsturm Mitte April: Er fand nach dem Start am Geratshof besondere Wellenaufwinde, in denen er in 6000m Höhe über den Alpen und den Wolken 506 Kilometern zurücklegen konnte. (lt)

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