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Skijöring

15.02.2015

Mit 80 Sachen auf Schnee durch die Nacht

Nachtskijöring in Reichling: Dieser Wettkampf bietet nicht nur ein Riesenspektakel, sondern auch noch eine ganz besondere Atmosphäre. Kein Wunder, dass sich auch heuer über 1000 Zuschauer eingefunden haben, die sich das nicht entgehenlassen wollten.
Bild: Julian Leitenstorfer

Über 1000 Zuschauer wollten das Spektakel in Reichling sehen

Reichling Jeder Lauf ist ein Spektakel, wer allerdings nicht bis zu den Finalrunden beim Skijöring in Reichling durchgehalten hat, der verpasste wirklich etwas. Was die Fahrer dort boten, war ein Kampf um Zentimeter, der nicht immer unfallfrei über die Bühne ging: Ein Gespann überschlug sich, direkt vor der Ziellinie ereignete sich ein Sturz, in den gleich drei Motorräder und ihre Skifahrer verwickelt waren. Doch die gute Nachricht: Es gab keine größeren Verletzungen, alle Fahrer, Beifahrer und Skifahrer standen wieder auf.

Und wie cool die Skijöring-Teilnehmer solche Stürze wegsteckten, zeigte sich im Finale der Klasse vier (Enduro): Das drittplatzierte Gespann stürzte auf der letzten Runde kurz hinter der Start-/Zielline und ehe die beiden aufstehen und weiterfahren konnten, kamen bereits die beiden führenden Gespanne – Kopf an Kopf – herangebraust. Ausweichen war nicht mehr möglich, beide Fahrer „legten“ ihre Maschinen um und stürzten damit freiwillig, dennoch rauschten sie mit viel Wucht in das bereits liegende Gespann. Mit einem Schlag herrschte unter den Zuschauern atemlose Stille – das sah wirklich nicht gut aus.

Doch es dauerte nur ein paar Sekunden, dann entwirrte sich das Knäuel, die Fahrer standen auf, erkundigten sich untereinander nach Blessuren und als klar war, dass nichts Schlimmeres passiert war, kam Martin Hinterholzer sofort zum Zielwagen und ihn interessierte nur eins: „Wir haben doch gewonnen, oder?“ Ja, er war mit seinem Skifahrer als Erster über der Linie: Der Sturz war kein Thema mehr, die beiden jubelten und alle Konkurrenten gratulierten. Motorsportler sind hart im Nehmen.

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Dabei sind Stürze nicht nötig, um Skijöring zu einem Spektakel zu machen: Allein das Knattern der Motorräder, der Geruch, der über der Strecke liegt und die spannenden Positionskämpfe reichen aus. Hinzu kommt noch die Entscheidung des MSC Reichling im ADAC, ein Nachtrennen durchzuführen, was für eine ganz besondere Atmosphäre sorgt. Schon von Weitem sind die Flutlichtmasten zu sehen, die Stimme von Moderator und Vereinsvorsitzendem Reinhold Graf begrüßt die Zuschauer schon ehe sie zum Fahrerlager gelangen und schließlich zur Strecke. Genau die Kommentare von Graf erleichtern es auch Laien, die Leistungen zu beurteilen, die sowohl von Skifahrern als auch Motorradfahrern – und Beifahrern – erbracht werden. „Der Skifahrer ist ganz entscheidend“, erklärt Graf, denn dieser müsse das Motorrad in den Kurven halten. „Wenn kein guter Skifahrer dranhängt, nutzt der beste Motorradfahrer nichts“, sagt Graf.

Und er interviewte die Teilnehmer gleich nach dem Zieleinlauf – wobei das nicht immer möglich war. Bei Alexander Karl vom MSC beispielsweise verzichtete er lieber darauf, denn Karl war der große Pechvogel, und das ausgerechnet beim Heimrennen. In beiden Vorläufen riss ihm die Kette und er schaffte es nicht ins Finale. „Das ist so schade“, meinte Graf, denn Karl gehörte mit zu der großen Helferschar, die sich um die Strecke gekümmert hat und „da blieb wohl keine Zeit mehr, sich ums Motorrad zu kümmern“.

Wochenlang hatten die Reichlinger einen eisigen Untergrund geschaffen und dann Lage für Lage Schnee angefahren, festgewalzt – ein enormer Aufwand für vier Stunden Rennen. „Das ist wirklich klasse, was alle Helfer geleistet haben“, ist Graf auf seine Truppe richtig stolz. Zurecht, denn von den Teilnehmern gab es ausnahmslos Lob für die Bahn – und auch das Ambiente.

Vor allem die „Moto-Crossler“, wie Graf sagte, waren sehr angetan. „Sie tun sich auf den eisigen Pisten im Vergleich zu den Bahnmaschinen sehr schwer, aber hier hat man gesehen, dass sie fast genauso schnell waren.“ Und das bedeutete immerhin rund 80 Stundenkilometer auf der Geraden. Ein Tempo, das es erst einmal zu kontrollieren gilt.

Dass Skijöring auch für Zuschauer ausgesprochen attraktiv ist, zeigt die immer größer werdende Fan-Gemeinde: „Ich glaube, es war heuer ein Rekord“, meinte Graf nach dem letzten Zieleinlauf – die 1000-Zuschauer-Marke wurde jedenfalls geknackt.

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