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Baumpflege

21.05.2015

Nicht ohne Blutvergießen

Winfried Stippler zeigte bei einem Kurs der Denklinger Garten- und Naturfreunde, wie man Bäume veredelt.
Bild: Pius Preisinger

Veredelungskurs bei den Denklinger Gartenfreunden

Der Kurs bei den Denklinger Garten- und Naturfreunden war schon lange gewünscht, und so hatte sich eine ganze Schar Interessierter im Dienhausener Feuerwehrhaus versammelt, um die Theorie und Praxis des Veredelns von Obstgehölzen von Grund auf zu erlernen. Referent und Gartenpfleger Winfried Stippler informierte die Teilnehmer zunächst über die Herkunft, den Sinn und den Zweck des Veredelns.

Das Veredeln, erklärte er den Zuhörern, sei schon um 300 v. Chr. praktiziert worden. Unter Karl dem Großen habe sich bereits eine Art Baumschulwesen entwickelt. Gerade damals sei es schon von großer Bedeutung gewesen, robuste Bäume und ertragreiche Sorten heranzuziehen. Durch das Veredeln könne man heutzutage neue Bäume mit den gewünschten Eigenschaften oder Mehrsortenbäume erzeugen. Dabei werde auf die passende Unterlage (Wurzeltrieb) ein Edelreis verpflanzt. Dazu gebe es verschiedene Methoden. Die einfachste und gängigste sei die Kopulation, bei der die beiden Teile schräg angeschnitten, aufeinander passend verbunden und mit Bast fixiert werden. Beim Rindenpfropfen setze man das Reis unter die angeschnittene Rinde eines dickeren Zweiges. Bei der Okulation werde statt des ganzen Reises nur ein Auge davon in die Unterlage eingesetzt.

Das Ganze hörte sich für die Zuhörer gar nicht so kompliziert an. Und nachdem sich alle noch bei Kaffee und Kuchen gestärkt hatten, begann der praktische Kursteil, der wegen des Regens in einer nahestehenden Scheune stattfinden musste.

Winfried Stippler kennt das Problem bei den Veredelungskursen. Die Angst, sich zu schneiden, hemmt viele Kursteilnehmer, das Messer so durch das Holz zu ziehen, dass eine saubere, gerade Schnittfläche entsteht. Und deshalb, so versicherte er, müsse die richtige Schnittführung ausgiebig geübt werden. Nur einige der Teilnehmer hatten ein passendes Veredelungsmesser dabei. Diese sind schließlich nicht ganz billig. Eine Teilnehmerin, deren Vater schon vor Jahrzehnten Obstbäume veredelt hatte, zog ein Messer aus der Tasche, das seit 40 Jahren nicht mehr benutzt wurde. Es schnitt noch ausgezeichnet. Und so durften alle abwechselnd mit den vorhandenen Messern an Weidenruten die verschiedenen Methoden üben, bis auf das Okulieren, das erst im Juli oder August durchgeführt werden kann, wenn sich die Rinde leichter löst.

Zum Veredeln direkt am Baum reichte es an diesem Tag nicht mehr. Dafür war das Wetter nicht trocken genug. Zum Schluss dankte Vorsitzender Franz Megele dem Referenten für diesen gelungenen Workshop. Ganz ohne Blutvergießen war es zwar nicht abgegangen, doch die angehenden Veredelungsspezialisten konnten alle noch an ihren Fingern bis zehn zählen.

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