Für viele Industriebetriebe im Landkreis Landsberg ist der internationale Austausch von Waren ein wichtiger Eckpfeiler. Die Exportquote der im Landkreis ansässigen Industriebetriebe mit mehr als 20 Mitarbeitern lag laut einer Pressemitteilung der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern im Jahr 2024 bei 49 Prozent, wobei die USA als wichtiger Handelspartner gelten. Mit Spannung wurde daher eine Einigung im Zollstreit zwischen Brüssel und Washington erwartet. Diese sieht 15 Prozent Zoll auf den größten Teil aller Einfuhren aus der Europäischen Union (EU) vor, auf EU-Stahl und -Aluminium bleiben Zölle von 50 Prozent bestehen. Wie beim Landsberger Großküchenausrüster Rational und beim Windacher Klebstoff-Spezialisten Delo die Reaktionen auf den Deal ausfallen.
„Für die deutsche Industrie als Ganzes und besonders für die Autohersteller ist es ein schwer verdaulicher Brocken“, äußert sich ein Delo-Sprecher auf Nachfrage zum Zoll-Deal von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit US-Präsident Donald Trump. Wie stark ein Unternehmen betroffen sei, hänge stark von der Konkurrenzsituation ab: „Gibt es keine US-amerikanischen Wettbewerber, dürften Zölle oft auf die Preise umgelegt werden, weshalb letztendlich amerikanische Verbraucher die Zeche zahlen könnten.“ Der Delo-Sprecher verweist zudem darauf, dass asiatische Wettbewerber vergleichbare Zölle wie deutsche Firmen hinnehmen müssten und somit in keiner besseren Lage seien. „Was die Auswirkungen auf Delo angeht, können wir noch keine genauen Zahlen liefern, solange noch nicht alle Details feststehen.“
Windacher Klebstoffspezialist Delo ist „in einer vergleichsweise komfortablen Lage“
Die Firma Delo habe zuletzt 87 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erwirtschaftet. Der USA-Anteil am Gesamtumsatz betrug laut dem Unternehmenssprecher allerdings nur rund ein Sechstel. Hinzu komme, dass viele der Lieferungen an US-Kunden direkt an deren asiatische Fabriken gingen. „Sie werden also nie in die USA eingeführt, weshalb auch kein Zoll darauf erhoben wird.“ In anderen Fällen seien Produkte so unverzichtbar, dass die Zölle von den US-Kunden getragen würden. „Wir sind somit in einer vergleichsweise komfortablen Lage und gehen aktuell von moderaten Auswirkungen der Zölle auf unser Geschäft aus“, sagt der Delo-Sprecher.
Beim Landsberger Großküchenausrüster Rational ist man einerseits „froh, dass es endlich eine Entscheidung gibt“, so eine Sprecherin. „Andererseits sind wir vom Ergebnis der Einigung enttäuscht, da sich die Rahmenbedingungen für das USA-Geschäft mit den nun fällig werdenden Zöllen von 15 Prozent beziehungsweise 50 Prozent deutlich verschlechtern. Unsere Wettbewerber in den USA haben diese Zollnachteile nicht. Für uns ist es daher fraglich, in welchem Umfang wir die Belastung weitergeben können.“ Die USA ist nach Angaben der Sprecherin für Rational das Land mit dem weltweit größten Potenzial und somit ein wichtiger Handelspartner – heute und in der Zukunft. Grundsätzlich sei das Landsberger Unternehmen „stark international ausgerichtet“. Die Exportquote betrage mehr als 90 Prozent und der Nordamerika-Anteil rund 25 Prozent.
Laut Reinhard Häckl, Geschäftsführer des IHK-Regionalausschusses Landsberg, müsste nun abgewartet werden, „wie sich die Dinge einspielen“. Grundsätzlich sei der Zoll-Deal aber ein Dämpfer für die bayerische Wirtschaft, der einen möglichen Aufschwung wohl verzögern werde. „Im Moment muss man aber auch erst einmal froh sein, dass es jetzt eine Vereinbarung gibt“, so Häckl.
IHK fordert einen „echten EU-Binnenmarkt“
Bayernweit kamen die Industriebetriebe 2024 laut der Pressemitteilung der IHK für München und Oberbayern mit Auslandsumsätzen in Höhe von 274,4 Milliarden Euro auf eine Exportquote von 58 Prozent. Wichtigste Auslandsmärkte für Produkte „Made in Bavaria“ waren demnach die USA, China und Österreich sowie Italien und Frankreich. Die USA waren Abnehmer für rund 13 Prozent der Exporte. „Alte und bequem gewordene Gewissheiten sind für Europa passé. Umso mehr muss der EU-Binnenmarkt zu einem echten Binnenmarkt werden. Hier stecken die größten grenzüberschreitenden Wachstumsimpulse für unsere Wirtschaft“, wird Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, in der Pressemeldung zitiert. Diese wurde vor der Verkündung des Zoll-Deals zwischen der EU und den USA versandt.
Das beste Außenwirtschaftsprogramm ist in Gößls Augen die Herstellung „eines echten EU-Binnenmarkts“. Der IHK-Chef fordert daher, dass die bestehenden Hürden für Waren, Dienstleistungen, Kapital und Personen innerhalb des europäischen Binnenmarkts weggeräumt werden. „Bürokratie und nationale Sonderregeln bremsen den innereuropäischen Markt aus und schwächen somit auch das bayerische Exportgeschäft erheblich“, so Gößl.
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