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ARD und ZDF verweigern sich nötigen Reformen

Kommentar Von Jürgen Marks
30.12.2018

2019 startet das Fingerhakeln um die Erhöhung der Rundfunkbeiträge. Die Sender fordern mehr Geld. Sinnvoll wären weniger Programme und mehr Qualität.

Es wäre falsch, das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem in Deutschland zu verteufeln. ARD und ZDF übernehmen eine wichtige Rolle in unserer Gesellschaft. Sie sind - wie die seriösen Zeitungen und Magazine - Gralshüter der hochwertigen Information und damit auch der Demokratie.

Fernsehen ohne ARD und ZDF würde in Deutschland zu einem Wettrennen der Seifenopern verkommen. Doch das heißt nicht, dass alles gut ist mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Im Gegenteil: Das beginnende Fingerhakeln um eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags ab 2021 zeigt wieder einmal: ARD und ZDF, stellen dreiste Forderungen und verweigern sich nötigen Reformen.

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Der Medienkoloss ARD und ZDF hat 20 TV-Programme und 27.000 feste Mitarbeiter.

Denn der Medienkoloss aus insgesamt 20 TV-Programmen, 69 Radiowellen und mehr als 100 Online-Angeboten ist in den Jahrzehnten immer fetter geworden. Deutschland leistet sich den teuersten öffentlichen Rundfunk der Welt. Mehr als acht Milliarden Euro haben die Sender mit ihren etwa 27000 festen Mitarbeitern zur Verfügung.

Der Auftrag, Information, Bildung und Unterhaltung zu gewährleisten, wäre selbstverständlich auch mit ein paar weniger Programmen zu gewährleisten. In Ländern wie Großbritannien oder Frankreich arbeitet der öffentliche Rundfunk deutlich schlanker. Und es ist bislang nicht überliefert, dass die Menschen dort informations- und bildungsferner leben müssen.

Entstanden ist das allumfassende deutsche System in einer Zeit als es kein Privatfernsehen- und Radio gab - und kein Internet. Auch die Zeitungen und Magazine hatten noch nicht die Qualität unserer Neuzeit. Würde man jetzt ein öffentlich-rechtliches Mediensystem erfinden, es schaute wohl grundlegend anders aus - mit schlankeren Strukturen, mehr Qualität und Effizienz.

Statt ARD und ZDF würde man heute nur einen nationalen Sender gründen.

Unter heutigen Gegebenheiten würde man wohl eher einen statt zwei nationale Sender mit hochwertiger internationaler und nationaler Politikberichterstattung gründen. Er hätte viel Kultur und Wissen im Angebot, was Online in übersichtlichen Mediatheken abrufbar wäre. Auch Unterhaltung würde geboten, doch Helene-Fischer-Shows und Sturm-der-Liebe-Gedöns würde man den Privaten überlassen. Zu diesem nationalen Sender könnte ein System regionaler Informations- und Kulturberichterstattung passen.

Und irgendwo zwischen so einem schlanken System der digitalen Medienzeit und dem bestehenden Koloss liegt der Reformbedarf von ARD und ZDF. Doch die vielen Senderchefs und ihre Stabsabteilungen wollen das nicht erkennen.

Denn statt eine Neuordnung und Verschlankung von sich aus anzustreben, verlangen sie ultimativ eine Erhöhung der Rundfunkbeiträge. ZDF-Chef Thomas Bellut argumentiert, ohne eine Erhöhung könnten die Sender ihr Niveau nicht halten. Der ARD-Vorsitzende Ulrich Wilhelm droht gleich mit dem Bundesverfassungsgericht, sollten die Länderparlamente einer Erhöhung nicht zustimmen.

Dabei missachten die Lobbyisten, dass sich in den Landtagen immer mehr Widerstand regt. Bislang forderte vor allem die CSU die Verschlankung von Sendeanstalten. Inzwischen kommt auch aus den Reihen von SPD, CDU und FDP Kritik an der Maßlosigkeit und der Reform-Unlust der Sender-Chefs.

Das mag damit zu tun haben, dass die rechtspopulistische AfD die Abschaffung des öffentlichen Systems zum Wahlkampfschlager für die nächsten Landtagswahlen macht. Angesichts von 42 Prozent der Deutschen, die nach einer Civey-Umfrage gar keinen Rundfunkbeitrag zahlen wollen, könnte das sogar funktionieren. Auch darauf wären mutige Reformschritte eine passende Antwort.

Vor einigen Monaten haben wir zum Thema Rundfunkgebühren ein Pro & Contra veröffentlicht:

Pro: Rundfunkgebühr? Eine Investition gegen Fake News.
Contra: Die beste Investition gegen Fake News ist ein Zeitungs-Abo.

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Die Diskussion ist geschlossen.

31.12.2018

Guter Kommentar - so wäre es vernünftig zu denken. Was braucht es einen z. B. einen Saarländischen Rundfunk oder das ZDF?
Leider haben die ÖR-Chargen durch diverse Gerichtsurteile und auch die Volksabstimmung in der Schweiz derzeit wieder zu viel Oberwasser und verfolgen - ungebremst von der Politik - konsequent ihre Eigeninteressen.

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31.12.2018

Wozu zersplittern wir Deutschland in 16 Bundesländer, mit eigenen Länderparlamenten, einem Wasserkopf an Verwaltungen, Polizeien und Ministerien?

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31.12.2018

Georg kr, Was sie schreiben stimmt doch nicht! Ich will nicht an einem Tag den selben Schauspieler in 3 verschiedenen Filmen sehen , die Ferres ,Furtwängler oder Neubauer schon garnicht. Es gibt genug guten Nachwuchs, diese haben nur nicht die Beziehungen zu den Sendern und Arbeit zu bekommen. Oder jetzt der abgehalfterte Gottschalk mit einer Literatursendung! Was soll der Schwachsinn. Er braucht Geld für einen Neubau seiner Villa in den USA!

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31.12.2018

Was glauben Sie, wie schnell diese Damen vom Bildschirm verschwunden wären, wenn sich Ihre Meinung (nebenbei - in dem Punkt auch meine) in den Einschaltquoten widerspiegeln würde? Dass sich die ÖR dem Druck der Einschaltquoten nicht völlig entziehen können, ist der allein auf den Massengeschmack ausgerichteten privaten Konkurrenz geschuldet. Leider . . .

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31.12.2018

Exzellenter Kommentar von Jürgen Marks. Im gegensatz zu einigen anderen Kommentatoren sehe ich beim ÖR überhaupt nicht mehr den "Gralshüter der hochwertigen Information". Der Begriff "betreutes Denken" von Leser Richard E. trifft es besser. Es war mir nach langen Auslandsaufenthalten immer ein Rätsel, warum sich die Deutschen die vermischung von Nachricht und Kommentar gefallen lassen. Und in Bezug auf Differenziertheit ist z.B. die Augsburger Allgemeine besser (und deshalb abonniert). Um nur einen Aspekt zu erwähnen, was geändert werden muss: Transparenz (z. B. der Kosten, der politischen Vernetzung, der Quellen usw.).

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31.12.2018

Als Staats-Einrichtungen können die doch machen was sie wollen, sie bekommen immer das was sie wollen. Man sollte an den Personalkosten sparen und die Mitarbeiter nicht wie Beamte versorgen. Das würde eniges an Kosten sparen. Wenn angeblich 2.9 Milliarden (!!!) in den Pensionskassen fehlen, kann man sich mehr als lebhaft vorstellen wie dort alimentiert wird.

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30.12.2018

Die öffentlich-rechtlichen Medien in Deutschland sind viel zu sehr mit der Politk verbandelt. 2009 wurde der damalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender duch Einspruch des damaligen Vorsitzenden des ZDF-Verwaltungsrates Roland Koch nicht weiter beschäftigt, weil er der Regierungspolitk zu unbequem wurde. Brender soll damals auch angeblich gefordert haben, dass die Politk ihre Beschwerden am ZDF schriftlich einreicht und nicht wie üblich mündlich. Jetzt heißt die Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates Malu Dreyer, ihres Zeichens Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz und gleich nach der Forderungs des ZDF-Intendanten Thomas Bellut stimmte sie einer GEZ-Erhöhung zu. Oftmals ist auch das richtige Parteibuch Voraussetzung für eine Karriere bei den ÖR. So ist der Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue SPD-Mitglied und die SPD hat sich stark für ihn eingesetzt. Bei den Rundfunkräten sind mindestens ein Drittel Politiker. Die ÖR erinnern an einen Staat im Staate. Vor kurzen wurde bekannt, dass zukünfig bis zu 2,9 Milliarden in den Pesionskassen für die Altersbezüge der Mitarbeiter fehlen, aufgrund der niedrigen Zinsen. Das dürfte der Grund für die Forderung nach Erhöhung des Beitrages sein. Kein Wunder, wenn Intendanten bis zu 400 000 € verdienen. Und für mich sind die Nachrichtensendungen oftmals eine Art "betreutes Denken". Die Anstalten vermitteln in ihren Nachrichten zu oft einen Spin, wollen konditionieren für politische Ansichten. Das ergaben zum Teil sogar wissenshaftliche Studien der Otto-Brenner-Stiftung. Ich lehne diesen Zwang zur Zahlung entschieden ab. Das ist vollkommen undemokratisch. Man kann es ganz einfach verschlüsseln. Dadurch, dass aber das Geld immer automatisch kommt, gibt es keinen Wettbewerb, wie in der freien Wirtschaft und sie können, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen, im Prinzip machen, was sie wollen.

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31.12.2018

Nur zur Ergänzung: BR-Intendant und ARD-Boss Ulrich Wilhelm ist bis heute CSU-Mitglied und war vor seiner Wahl Regierungssprecher von Angela Merkel.

"Und für mich sind die Nachrichtensendungen oftmals eine Art "betreutes Denken". Die Anstalten vermitteln in ihren Nachrichten zu oft einen Spin, wollen konditionieren für politische Ansichten."
Dieser Eindruck kann auch aufkommen bei einem Blick in den Blätterwald deutscher Tageszeitungen, der durch eine immer stärkere Konzentration unter dem Dach weniger großer Medienhäuser, Zusammenlegungen und Schließungen von Redaktionen geprägt ist. Freien Wettbewerb gibt es auf regionaler Ebene unter Tageszeiten so gut wie nicht mehr.

Öffentlich-rechtliches Fernsehen und Rundfunk bieten weitgehend ohne Werbemüll für 17.50 Euro monatlich eine ganze Menge auch an kritischen Informationen, investigativer Recherche und nicht nur schlechte Unterhaltung.

Helene-Fischer-Shows, Sturm-der-Liebe-Gedöns, der Dudelfunk privater Radiosender wären für mich genauso entbehrlich wie der komplette werbeverseuchte Verblödungs-Müll der privaten Fernsehsender, für den ich zwar nicht an die GEZ sondern eben an der Ladenkasse bezahle.

Auf Phoenix, 3Sat, Arte den BR und die ör. Radioprogramme möchte ich keinesfalls verzichten.





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31.12.2018

@RICHARD E.: der beste Kommentar, den ich in letzter Zeit zu diesem Thema gelesen habe!
Das muß man sich einmal reinziehen: die kassieren pro Jahr 8000 Millionen € und schreien, das reicht nicht...................

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30.12.2018

Es wird höchste Zeit, das dieser OR Maloch zurecht gestuzt wird. Das ist bisher doch der reinste Selbstbedienungsladen. Die Oberen kassieren Gehälter wie Industriemanager, allerdings ohne das Risiko zu tragen. Außerdem sind sie ein korrupter Haufen. Wenn man deren Filme ansieht, sind es immer die selben Schauspieler, obwohl es Tausende Arbeitslose Akteuere gibt, aber diese haben nicht die Beziehungen für ein mitwirken an einem Film oder Sendung.

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31.12.2018

"Das ist bisher doch der reinste Selbstbedienungsladen"
Darauf genau ist das Finanzierungsmodell der privaten Konkurrenz begründet.

"Die Oberen kassieren Gehälter wie Industriemanager, allerdings ohne das Risiko zu tragen."
Privat für ihre Entscheidungen haften auch Industriemanager eher selten und Bankmanager so gut wie nie.

"Wenn man deren Filme ansieht, sind es immer die selben Schauspieler, obwohl es Tausende Arbeitslose Akteuere gibt"
Tja, überlegen Sie mal, woran es denn liegen könnte, dass das Fernsehpublikum - auch das der privaten Sender - lieber die Damen Furtwängler bzw. Ferres in einer Hauptrolle sehen will, als das unbekannte, arbeitslose und mimisch nicht besonders begabte Lieschen Müller.

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