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09.03.2007

Afghanistan ist gefährlich

Wie es manchmal so kommt. Heute entscheidet der Bundestag über den Einsatz deutscher Aufklärungs-Tornados in Afghanistan. Gestern wurde ein deutscher Helfer ebendort umgebracht. Nun ist diese politische Entscheidung vor dem aktuellen Hintergrund einer persönlichen Tragödie zu treffen. Das lässt wenig Raum für Beschönigungen.

Afghanistan ist gefährlich. Der Mord am Mitarbeiter der Welthungerhilfe war nur das Werk von Gangstern, heißt es. Nun, eine Gefahr Afghanistans ist eben, dass das Gangstertum wächst und dass die Grenzen zur Politik ohnehin unklar sind. Und es war nicht der erste Mord an helfenden Zivilisten.

Von den 3000 deutschen Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz sind, haben 18 ihr Leben gelassen, zehn bei Unfällen, acht bei Gewalttaten. Für einen Kriegseinsatz gilt diese Zahl als glimpflich. Kein Vergleich mit der Hölle Irak, wo wir zum Glück nicht sind. Trotzdem: Afghanistan, auch der Norden, wo wir sind, ist ein Ort, dessen Gefährlichkeit niemand politisch herunterreden sollte.

Da wir Deutschen uns aus guten Gründen spät und nur zögerlich in das internationale Kriegsgeschehen hineinbegeben haben, gibt es unter Politikern eine bedauerliche Neigung, die Gefahren dieser Einsätze nicht offen genug anzusprechen.

Das tut niemandem gut. Für die Soldaten, die inzwischen an vielen Stellen der Welt ihr Leben riskieren, sind Beschönigungen fast Beleidigungen: Fast so, als schätze man ihren Mut und ihre Einsatzbereitschaft gering.

Und den Leuten kann man auch nichts vormachen. Sie wissen, dass all diese Auslandsverwicklungen keine Spaziergänge sind. Viele sind deshalb dagegen, und das ist eine respektable, aus der deutschen Geschichte geborene Haltung. Und diejenigen, die diese neue deutsche Politik unterstützen, wissen ebenfalls, was an den Brennpunkten der Welt los ist. Sie sind dafür, nicht weil sie die Sache ungefährlich finden, sondern weil sie sie für notwendig halten, meist übrigens ebenfalls aus der deutschen Geschichte begründet. Man kann aus gleichen historischen Wurzeln zu gegensätzlichen Haltungen kommen.

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Ja, es stimmt, dass unsere deutschen Soldaten im weniger explosiven Norden Afghanistans tätig sind. Aber was ist, wenn der Norden, wofür es ja Anzeichen gibt, immer gefährlicher wird? Hauen wir dann ab? Und was ist mit den Tornados? Sind das nur Flugzeuge oder sitzen da Soldaten drin? Werden Aufklärer nicht angegriffen? Man sollte tun, was notwendig ist, ohne drumherum zu reden.

Gerne aber wüsste man, wie aussichtsreich der Einsatz in Afghanistan ist. Nach fünf Jahren sind die Taliban, die üblen Herren von einst, wieder so stark, dass man schon mit ihnen spricht. Der Staat ist erbärmlich schwach, die regionalen Kriegsherren sind mächtiger denn je. Der Drogenanbau wuchert. Osama bin Laden ist unauffindbar. Was hoffen wir zu erreichen? Auch so eine Frage, die man sich nicht stellt. Die wenig beglückende Antwort lautet: das Schlimmste verhindern. Die beste Antwort haben die Helfer vor Ort: Sie helfen, und dies unter Lebensgefahr, also heldenhaft.

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