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Gribl wählt seinen Abschied mit der Freiheit eines Quereinsteigers

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Kommentar Von Jürgen Marks
13.03.2019

Nach dem Nürnberger Ulrich Maly will auch der Augsburger OB bei der Wahl 2020 nicht mehr antreten. Die Entscheidung von Kurt Gribl hat eine besondere Note.

Innerhalb weniger Tage haben zwei renommierte bayerische Kommunalpolitiker ihren Abschied aus der Politik angekündigt. Nach dem Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) tritt auch der Augsburger OB Kurt Gribl (CSU) 2020 nicht mehr an.

Beide Entscheidungen fielen aus der Position eines unangefochtenen Stadtchefs mit besten Wiederwahlchancen. Doch während der 58-jährige Maly schon in seiner dritten Amtszeit regiert, führt der vier Jahre jüngere Gribl Schwabens Bezirkshauptstadt erst seit 2008.

Kurt Gribl zeigt Mut

Im Falle des Augsburgers ist daher der Zeitpunkt so überraschend wie nachvollziehbar. Denn Gribl entschied nicht aus der Perspektive eines Berufspolitikers, der nach höheren Ämtern strebt, für die er auch mehrfach gehandelt wurde. Er wählte den Zeitpunkt mit der persönlichen Freiheit und dem Mut eines Quereinsteigers, der sich in der Politik ein Namen gemacht und ein Netzwerk geknüpft hat.

In seinen zwei Amtszeiten hat Gribl in Augsburg Großprojekte wie die Uniklinik oder den Theaterumbau durchgefochten. Der gefühlte Aufschwung in der Stadt ist auch mit seinem Namen verbunden.

Doch der frühere Rechtsanwalt wird gespürt haben, dass die Aufgaben nun kleinteiliger werden, während sich das kraftzehrende Arbeitspensum eines Oberbürgermeisters mit Sieben-Tage-Woche und ständiger Verfügbarkeit nicht reduziert.

Am Mittwoch hatte Gribl um exakt 12.31 Uhr in den Räumen der CSU-Stadtratsfraktion im Rathaus den Satz gesagt: „Ich werde mich nicht mehr für das Amt des Oberbürgermeisters bewerben“, sagte Augsburgs Rathauschef Kurt Gribl. Mit diesem Schritt überraschte Gribl auch große Teile der eigenen Partei.

Es deutete zuletzt fast nichts darauf hin, dass Gribl einen Rückzug plant. Über seine persönliche Entscheidung, die er zum Jahreswechsel getroffen hatte, war bis zuletzt nur ein ganz enger Kreis informiert. Zwei Frauen spielten dabei eine Hauptrolle. Zum einen ist es Sigrid Gribl, die Frau des Rathauschefs. Zum anderen ist es Eva Weber, die Zweite Bürgermeisterin und jetzige Stellvertreterin von Gribl. (lesen Sie dazu auch: Frau des Oberbürgermeisters: So änderte sich Sigrid Gribls Leben )

Der 54-Jährige hatte Eva Weber im Dezember über die Pläne informiert, sich nicht mehr für eine weitere Kandidatur bereitzuhalten. Wie die 41-jährige Wirtschafts- und Finanzreferentin am Mittwoch sagte, hatte sie somit genügend Zeit, um sich mit dem Gedanken zu befassen, als mögliche OB-Kandidatin der Augsburger CSU anzutreten. „Ja, ich will“, berichtete sie über ihre Ambitionen. „Ich scheue mich nicht vor Verantwortung.“ Gribl hatte zuvor über die Gespräche mit seiner Ehefrau berichtet, ohne letztlich ins Detail zu gehen: „Natürlich rede ich jeden Tag mit meiner Frau. Und da war natürlich auch der künftige Lebensweg ein Thema.“

Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) tritt im März 2020 nicht mehr zur Wahl an. Warum? Das erklärte er auf einer Pressekonferenz.
Video: Ina Marks

Lesen Sie dazu auch:

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15.03.2019

Bin gespannt, wie lange die Hochgesänge auf Kurt Gribl noch gesungen und gejauchzet werden.
Aktuell ist er auf der Startseite der AZ-online mit 7 (in Worten "sieben") Bildchen präsent. Da würde so mancher regierender Populist neidisch werden. grins
Frau Weber schafft es heute nur auf ein Bild; ds wird sich ändern. Zumindest dann , wenn die Lokalredaktion in Abstimmung mit den Chefs sie für die einzig wahre OBin hält und dementsprechend hochjubelt. Wird Stand heute nicht allzu schwer fallen, bei dem, was der politische Wettbewerb anzubieten hat.

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14.03.2019

Vielleicht liegt es auch daran, dass er gemerkt hat, dass Augsburg endlich mal wieder einen guten Bürgermeister verdient hat, nachdem wir uns 10 Jahre mit ihm durch gequält haben?

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15.03.2019

Vielleicht liegt es auch daran, dass man als Bürgermeister nach 2 Amtsperioden Anspruch auf eine üppige Pension hat. Ich glaube sogar, sofort nach dem Ausscheiden und nicht mit 67 Jahren, so wie das dumme Wahlvolk!

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