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Die Bundeswehr in Afghanistan

29.05.2011

Kein Ende in Sicht

Thomas de Maizière setzt in seiner nüchternen Art nur fort, was sein Vorgänger bereits begonnen hat: die schrittweise Korrektur eines politischen Selbstbetruges.

Thomas de Maizière ist ein Freund der klaren Worte. Sterben und Töten, hat der Verteidigungsminister erst vor wenigen Tagen gesagt, gehörten zum Beruf des Soldaten dazu. Für die Angehörigen der beiden Männer, die am Wochenende bei einem Anschlag in der afghanischen Provinz Tachar ums Leben gekommen sind, mag das heute zynisch klingen und teilnahmslos – tatsächlich jedoch setzt de Maizière in seiner nüchternen Art nur fort, was sein Vorgänger bereits begonnen hat: die schrittweise Korrektur eines politischen Selbstbetruges.

Der Einsatz in Afghanistan, lange als quasi humanitäre Mission verklärt und verharmlost, ist ein Krieg, in dem auch deutsche Soldaten sterben und töten. Karl-Theodor zu Guttenberg hatte den Mut, dies als erstes Regierungsmitglied auch so deutlich zu sagen. Sein Nachfolger geht nun sogar noch einen Schritt weiter: Für ihn kämpft die Bundeswehr am Hindukusch nicht nur für die Sicherheit Deutschlands, de Maizière geht es auch um die internationale Reputation der Bundesrepublik, ihre strategischen Interessen und ihren künftigen Einfluss in der Welt. Nach dieser Logik der globalen Verantwortung allerdings ist die Bundeswehr keine Armee mehr, die lediglich ihr Land verteidigt, und sei es Tausende von Kilometern entfernt, sondern integraler Bestandteil deutscher Außenpolitik – ein fundamentaler Unterschied zur ursprünglichen Legitimation des umstrittenen Einsatzes.

Der Sudan, Jemen, Pakistan, Somalia: Länder, in denen die Bundeswehr noch gebraucht werden könnte, fallen dem Verteidigungsminister genug ein. Bisher allerdings ist sie in Afghanistan weitaus stärker gefordert, als es ihm lieb sein kann – und womöglich auch länger als bisher geplant. Der Anschlag vom Samstag hat auf schaurige Weise bestätigt, wie gefährlich die Lage selbst im vermeintlich friedlicheren Norden des Landes nach wie vor ist und wie hilflos die örtliche Polizei und die afghanische Armee den Taliban häufig gegenüberstehen. Wenn das Land nicht noch tiefer in Terror und Gewalt versinken soll, wird die Bundesregierung ihre Pläne für einen zügigen, schon im Winter beginnenden Rückzug der deutschen Soldaten deshalb noch einmal überdenken müssen.

Die Frage nach weiteren Auslandseinsätzen ist im Moment ohnehin nur akademischer Natur. Logistisch wie personell ist die Bundeswehr dazu bisher gar nicht in der Lage. Außerdem hätte jede Koalition nach den bitteren Erfahrungen in Afghanistan Mühe, für eine ähnliche Mission eine Mehrheit im Bundestag zu bekommen. De Maizière allerdings weiß auch, dass solche Anfragen von den Vereinten Nationen oder der Nato kommen werden – und dass es immer schwerer wird, sich so aus der Affäre zu ziehen wie zuletzt in Libyen.

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