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Kommentar
25.06.2012

Ägypten wird islamischer

Winfried Züfle
Foto: Wagner

Nach der annullierten Parlamentswahl ist dies im Moment das Einzige, was in Ägypten vom Arabischen Frühling blieb: Ein Islamist ist der neue Präsident.

Seit den 1950er Jahren haben in Kairo ehemalige Offiziere regiert, die dem Islam keine Rolle in der Politik zugestanden. Doch in der ersten freien Präsidentenwahl hat die sunnitisch-konservative Muslimbruderschaft ihren Kandidaten durchgebracht. Ägypten wird islamischer. Naturgemäß fürchten sich nun die christliche Minderheit der Kopten und die liberalen Ägypter vor religiös motivierter Bevormundung und Unterdrückung.

Der neue Präsident Mursi tat zwar in seiner ersten Rede alles, um Befürchtungen zu zerstreuen. Seine Zusage, die Religionsfreiheit zu achten, soll die Nicht-Muslime beruhigen, die Zusage, bestehende Verträge nicht anzutasten, die USA und Israel. Aber es steht zu befürchten, dass auf lange Sicht radikale Kräfte Einfluss gewinnen und den gutmütigen Mursi instrumentalisieren. Nicht alle Ägypter sind daher unglücklich, wenn der Militärrat weiter als Korrektiv wirkt.

Die Islamisten wiederum müssen zur Kenntnis nehmen, dass sie bei der Präsidentenwahl nur eine äußerst knappe Mehrheit erhielten. Diese könnte eines Tages auch wieder verloren gehen. Die Muslimbrüder besitzen kein Abonnement, das freie Ägypten zu regieren.

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