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Kommentar
29.08.2008

Der Dialog muss weitergehen

Ein Kommentar von Uwe Wilke

Das Lavieren des Pariser Außenministers Kouchner bezüglich möglicher Sanktionen der EU gegen Moskau spiegelt nur allzu trefflich die Zerrissenheit der 27-Staaten-Union wider. Denn nachdem Kouchner, derzeit Vorsitzender des EU-Ministerrats, das böse S-Wort ausgesprochen hatte, beeilte er sich sogleich mit der Erklärung, solche Maßnahmen würden zwar von einigen EU-Ländern in Betracht gezogen, Frankreich aber, bitte schön, gehöre nicht dazu.

Ganz anders als Paris verhalten sich Warschau und die baltischen Staaten. In Erinnerung an ihre leidvolle Vergangenheit lassen sie ihrem Zorn auf Russland freien Lauf. Sie dringen auf Strafmaßnahmen - ohne lange darüber nachzudenken, ob die den eigenen Interessen mittel- und langfristig nicht doch mehr schaden als denen der Führung in Moskau.

Berlin wiederum neigt wohl wie die anderen 14 Länder des "alten Europas" eher der französischen Haltung zu. Deutschland setzt trotz aller Enttäuschungen auf Verhandlungen, will den Gesprächsfaden nicht abreißen lassen. Und es tut gut daran.

Auf offener Bühne sind Warnungen an Russland, Verweise auf dessen ja noch wachsende Abhängigkeit von der internationalen Integration eher kontraproduktiv. Sie reizen die Doppelspitze im Kreml nur zu noch mehr, womöglich noch gefährlicherer Kraftmeierei. Sie lenken Putin & Co zudem davon ab, einen Blick auf ihre abstürzenden Wirtschaftsdaten zu werfen.

Die EU sollte sich davor hüten, in Brüssel die Backen allzu sehr aufzublasen. Zuallererst muss sie sich um Geschlossenheit, um eine gemeinsame Analyse und eine von allen getragene Strategie bemühen. Erst dann kann sie hoffen, im Kreml ernst genommen zu werden.

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