2019 sollte das Mega-Projekt Stuttgart 21 einmal eröffnen. Dann 2025. Dann Ende 2026. Jetzt, nach einer weiteren Verschiebung, kursieren Zahlen wie 2031. Zwölf Jahre Verspätung, wenn es dabei bleibt — und niemand will darauf wetten, dass es dabei bleibt. Was die Bahn dazu sagt? Man äußere sich nicht zu Spekulationen. Das ist kein PR-Reflex. Das ist das Eingeständnis, dass der Konzern selbst nicht weiß, wann sein wichtigstes Infrastrukturprojekt fertig wird. Das wiederum sagt mehr über die Deutsche Bahn als jede Verspätungsstatistik.
Stuttgart 21 scheitert an Bahn-Management
Stuttgart 21 ist kein Stuttgarter Problem. Es ist das Bahn-Muster in Reinform. Der Konzern kündigt an, verzögert, erklärt, verschiebt – und beginnt von vorn. Die zuletzt für Ende 2026 geplante Teileröffnung wurde im November sang- und klanglos abgeblasen. Als Begründung: Probleme bei der Digitalisierung. Das klingt nach Technik. Es scheitert aber auf Management-Ebene. Jemand hat entschieden, den gesamten Stuttgarter Bahnknoten auf einen Schlag zu digitalisieren – ohne gesicherte Kenntnis, ob das in diesem Zeitrahmen möglich ist. Wer diese Entscheidung getroffen hat und wer dafür die Verantwortung trägt, bleibt offen. Bei der Bahn bleibt das meistens offen.
Das eigentliche Strukturproblem liegt tiefer: Der Konzern ist so gebaut, dass Verantwortung sich auflöst. Der Bund ist Eigentümer, das Land Projektpartner, die Stadt Mitfinanziererin. Als die Kosten explodierten – von ursprünglich 2,5 auf inzwischen rund 11,5 Milliarden Euro – zog das Land vor Gericht und erwirkte, dass es für weitere Kostensteigerungen nicht haftet. Alle sitzen im Boot, niemand rudert. Der Lenkungskreis tagt – und schweigt bis Ende Juni. Was bei Stuttgart 21 so deutlich wird, gilt für den Konzern insgesamt: Die Bahn soll gleichzeitig Staatskonzern und Marktakteur sein, Klimawende-Instrument und renditeorientiertes Unternehmen, Lückenbüßer für den Autoverkehr und effizient geführter Betrieb. Diese Widersprüche sind nicht neu. Gelöst hat sie niemand.
Bahn verschiebt weiterhin wichtige Projekte
Was bleibt, ist eine Lektion in institutionellem Misstrauen. Wer lange genug erlebt, dass Termine nicht eingehalten werden, hört irgendwann auf, ihnen zu glauben. Das betrifft nicht nur Stuttgart 21. Es betrifft jeden Tunnel, jede Brücke, jedes Gleis, das in den nächsten Jahren gebaut werden soll. Und solange die Bahn so gebaut ist wie jetzt, wird sie weiter das tun, was sie am besten kann: verschieben.
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