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Porträt

04.04.2019

Der Anfasser: Joe Biden und seine Neigung zu Nähe

Joe Biden, der ehemalige US-Vizepräsident, rechnet sich als Kandidat gegen Donald Trump Chancen aus.
Bild: Sven Hoppe, dpa

Joe Biden, einst Obamas Vizepräsident, rechnet sich als Kandidat gegen Donald Trump Chancen aus. Sein Nähebedürfnis, auch bei Frauen, könnte nun zum Problem werden.

Es ist gar nicht so leicht, einer Umarmung von Joe Biden zu entgehen. Auch der Autor dieser Zeilen hat diese Erfahrung schon gemacht, während seiner Jahre als USA-Korrespondent. Da stand man als Berichterstatter bei einer Wahlkampfveranstaltung des Teams „Obama/Biden“ nichts ahnend mit Block und Stift nah an der Bühne, von der aus sich Biden ins Volk warf – und flugs hatte dieser einen auch erwischt, mit einem seiner legendären „bear hugs“, wie es die Amerikaner nennen: einer wahrlich allumfassenden Umarmung.

Mehrere Frauen berichten, wie nahe ihnen Joe Biden kam

Diese Neigung zum Körperkontakt droht Biden nun gefährlich zu werden. Der Ex-Vizepräsident, obwohl bereits stolze 76 Jahre alt, läuft sich nämlich warm für eine Präsidentschaftskandidatur im Jahr 2020. Und in Umfragen liegt Biden gar nicht schlecht gegen Donald Trump, schon wegen seiner Hemdsärmeligkeit, die ihn auch in strukturschwachen Gebieten anders punkten lassen könnte als etwa Vor-Bewerberin Hillary Clinton. Wenn da nicht besagte Neigung zur Nähe wäre: Gleich mehrere Frauen sind gerade an die Öffentlichkeit gegangen, und berichten, wie nahe ihnen Biden über die Jahre gekommen sei. Eine schrieb, Biden habe ihre Schultern von hinten berührt und ihren Hinterkopf geküsst. Eine andere erinnerte sich, Biden habe seine Nase an ihrer gerieben. Wieder eine andere gab zu Protokoll, der mächtige Politiker habe sie während ihrer Zeit als Praktikantin im Weißen Haus einfach so ein „hübsches Mädchen“ genannt.

Umarmt gerne: Joe Biden (links) und der ukrainische Präsident Petro Poroschenko im Jahr 2015.
Bild: Andreas Gebert, dpa (Archiv)

Konkrete Belästigungsvorwürfe erhebt bislang zwar niemand, doch spielt dies noch eine Rolle in den Zeiten von „MeToo“? Biden jedenfalls gibt sich demonstrativ zerknirscht und will körperliche Nähe künftig nur noch sehr begrenzt gewähren. „Die Grenzen beim Schutz der Intimsphäre haben sich zurückverschoben“, erklärte er, „ich verstehe das.“ Er wolle künftig „viel mehr“ darauf achten, die Intimsphäre anderer Personen zu respektieren, kündigte Biden an. Seine Träume von einer Kandidatur gegen Trump hat er aber noch nicht begraben.

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Gelingt es Joe Biden, Trump-Wähler überzeugen?

Das macht insofern Sinn, als dieser es ja trotz wesentlich schwerwiegenderer Vorwürfe bis ins Weiße Haus geschafft hat. Zudem kann Biden noch von der Sehnsucht vieler US-Demokraten nach den Obama-Jahren zehren. Zwar stand er dem strahlenden jungen Hoffnungsträger gar nicht so furchtbar nahe, wie die beiden es in ihrer „bromance“ öffentlich zelebrierten. Aber verglichen mit der jetzigen Situation kommt vielen Demokraten diese vergangene Zeit natürlich märchenhaft vor.

Die aktuelle Nähe-Debatte übertönt aber nur zwei viel nahe liegendere Fragen. Kann Biden in seinem Alter überzeugend für einen Neuanfang von Amerikas Demokraten stehen? Und: Warum sollte er Trump-Wähler zurückgewinnen, die von Obama enttäuscht Trump wählten – wenn Biden doch eher wie ein (älterer) Aufguss jener Obama-Jahre wirkt?

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