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Serie

12.03.2020

„Der Laden ist eine Dorfzeitung“

Ladenbesitzerin Michaela Geiger (vorne rechts) und Verkäuferin Petra Graw bedienen die Kundinnen Erika Hartmann (vorn links) und Edeltraud Schaller im Dorfbäck in Schwifting.
Bild: Christian Mühlhause

Plus Beim Dorfbäck in Schwifting steht ein Wechsel an. Das kleine Geschäft in der Dorfstraße ist weit mehr als eine reine Einkaufsmöglichkeit. Eine Entscheidung der Gemeinde ärgert die Inhaberin Michaela Geiger

Für viele sind sie nicht nur eine Einkaufsmöglichkeit im Ort, sondern auch ein Treffpunkt. Die Dorfläden. Auch im Landkreis Landsberg gibt es einige davon. In einer kleinen Serie wollen wir die Läden, ihre Kunden und die Mitarbeiter vorstellen. Heute den Dorfladen in Schwifting.

Michaela Geiger betreibt seit mehr als zehn Jahren den Dorfbäck in Schwifting. Sie versorgt ihre Kunden aber nicht nur mit frischen Backwaren und anderen Produkten, sondern weiß dank der Gespräche auch gut darüber Bescheid, was es im Ort so Neues gibt. Ihre Kunden werden aber bald auf sie verzichten müssen.

Geiger – die den Laden seit 2014 alleine betreibt – hört aus gesundheitlichen Gründen auf und übergibt das Geschäft. Ab dem 1. Juli wird dann eine Penzingerin hinter dem Tresen stehen, die die drei Mitarbeiter übernimmt. „Es gab mehrere Interessenten. Letztlich war mir aber wichtig, dass es jemand aus der Nähe macht, auch weil der Laden nur rentabel ist, wenn die Inhaberin auch mitarbeitet“, sagt Geiger. Selbst aus dem Ostallgäu hatte sie eine Interessentin, die bereits mehrere Läden betreibt und den in Schwifting auch noch mit übernehmen wollte. Sie hatte das Geschäft auch der Gemeinde angeboten, die aber nicht als Betreiber einsteigen wollte, so die Inhaberin. Michaela Geiger ärgert nur, dass die Gemeinde kürzlich beschlossen hat, die Miete zu erhöhen. „Als Zeichen der Wertschätzung, dass es ein solches Angebot im Ort gibt, hätte auch darauf verzichtet werden können“, findet sie.

„Der Laden ist eine Dorfzeitung“

Edeltraud Schaller kommt drei- bis viermal die Woche in den Laden. „Es ist ein ideales Angebot für ältere Menschen. So etwas muss unbedingt unterstützt und erhalten werden.“ Ihr pflichtet Erika Hartmann bei. Auch sie ist dankbar, dass sie nur einen kurzen Einkaufsweg hat und es mit dem Laden weitergeht. Auf gerade mal 80 Quadratmetern finden Kunden sehr vieles, was man im Alltag braucht. Von Backwaren über Nudeln, Getränke und Zeitschriften, Drogerieprodukte bis hin zu Wust, Eiern und Butter, die in überschaubarer Stückzahl in einem Kühlschrank liegen. „Wir haben sehr wenig Lagerfläche und müssen bedarfsbezogen bestellen“, sagt die Inhaberin, deren Haupteinnahmequelle die Backwaren sind. Im hinteren Raum hat sie in Kühltruhen noch einige Produkte auf Vorrat.

Auch der bei Kunden beliebte Kaffee zum Mitnehmen gehört natürlich zum Angebot. Morgens halten viele Kunden deswegen kurz an. „Als die Soldaten vom Penzinger Fliegerhorst noch da waren, war noch mehr los“, erinnert sich Geiger. Deren Abzug habe sich beim Umsatz durchaus bemerkbar gemacht. Wer etwas Zeit hat, kann sich auch an den kleinen Tisch setzen, der in der Ecke, direkt am Schaufenster steht.

Der Laden ist aber mehr als eine Einkaufsmöglichkeit. Geiger selbst bezeichnet ihn als „Dorfzeitung“. Wenn die Kirchenglocken läuten, weil jemand gestorben ist, fragt sie beim Mesner nach, um wen es sich handelt. „Die Kunden tragen die Frage an mich heran. Das Persönliche gehört hier einfach dazu.“ 80 Prozent seien Stammkunden.

Und auch wenn es nur 80 Quadratmeter Ladenfläche sind, hat Michaela Geiger weitere Funktionen darin untergebracht. Das Geschäft ist zugleich auch ein Postservice, bei dem die Schwiftinger ihre Pakete abgeben und loswerden und Briefmarken kaufen können. Und neben der Eingangstür steht ein Regal, das Kundin Anja Malicke sehr gut gefällt, die seit drei Jahren in Schwifting lebt und mehrfach die Woche kommt: Dort können die Kunden alles Mögliche zum Tauschen hinterlassen oder mitnehmen. „Ich finde die Idee super und werfe häufig einen Blick in das Regal“, sagt Anja Malicke. Vor allem Bücher stehen darin.

Für Geiger wird der Alltag ab Juli entspannter. Der Dorfbäck hat nämlich sieben Tage die Woche auf und die Arbeit beginnt um 4.30 Uhr, wenn die halbfertig beziehungsweise roh angelieferten Backwaren vorbereitet werden. Bestellt ein Busfahrer eine größere Menge, stehen die Inhaberin oder ihre Mitarbeiterinnen auch schon mal um 4 Uhr im Laden. Der öffnet um 6 Uhr und schließt um 10.30 Uhr wieder. Das Hauptgeschäft ist gegen 8.30 Uhr vorbei. Montags und donnerstags ist auch nachmittags geöffnet.

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