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Kommentar

27.04.2015

Die Aufspaltung von Osram ist grausamer als jeder Tatort

Wie geht es weiter mit Osram in Augsburg? Die Aufspaltung ist wie ein mieser Krimi.
Bild: Armin Weigel (dpa)

Die Aufspaltung von Osram und die Auswirkungen auf die Mitarbeiter sind wie ein mieser Krimi. Augsburg hat die Nachteile der Globalisierung schon einmal erlebt - ein Kommentar.

Die Idee, sich für einen Augsburger Tatort-Krimi zu engagieren, ist hiermit zu den Akten gelegt. Kein Augsburger Politiker mag sich dafür begeistern. Greater-Augsburg-Leser reagierten teils positiv, teils skeptisch. Helmut Maschke aus Nordendorf sei das letzte Wort zugestanden: „Haben wir denn keine anderen Probleme?“

Doch. Haben wir. Denn die miesesten Krimis spielen in der Wirtschaft. Der Niedergang des Augsburger Osram-Werks, wo Energiesparlampen und andere Leuchtmittel hergestellt werden, ist seit Jahren vorgezeichnet. Jetzt macht die Münchner Zentrale ernst. Vorstandschef Olaf Berlien will die 1200 Augsburger Mitarbeiter wie die 380 Kollegen im Werk Schwabmünchen aus dem Konzern schmeißen. „Ausgliedern“ heißt das offiziell.

Mitarbeiter bei Osram bangen um ihre Stelle

Was das bedeutet? Wahrscheinlich wird die Leuchtmittel-Sparte an einen Investor verkauft. Der holländische Mitbewerber Philips hatte vor einigen Wochen ähnlich entschieden. Die Investoren haben vermutlich andere Interessen als die Sicherung von Augsburger Arbeitsplätzen. Osram hatte ohnehin schon angekündigt, 500 Männern und Frauen in Augsburg und Schwabmünchen zu kündigen. Auch für die anderen könnte das Licht bald ausgehen.

Ursache der Krise sind mal wieder die hässlichen Begriffe Strukturwandel und Globalisierung. Asiatische Unternehmen überschwemmen unsere Baumärkte mit billigen Lampen. Produkte aus dem Hochlohnland Deutschland unterliegen im Preiskampf. Ergo: Deutsche Werke schließen.

Besonders Augsburger Textilarbeiter erinnern sich angesichts der Osramkrise mit Grausen an die 1980er-Jahre. Damals starben die Textilfabriken in der Stadt. Labels wie „Made in China“ machten die einst 20000 Augsburger Textilarbeiter arbeitslos. Geblieben sind ein paar Schornsteine, Direktorenvillen und das Bayerische Textilmuseum.

Es entstehen aber auch neue Arbeitsplätze - zum Beispiel bei BMW

Auch in den vergangenen Jahren hat der Strukturwandel Augsburg immer wieder kalt erwischt. Der Druckmaschinenhersteller Manroland wurde vom Internet in die Insolvenz geschickt. Der Weltbild-Verlag scheiterte an seiner Unfähigkeit, sich auf die Digitalisierung des Versandhandels einzustellen. In beiden Unternehmen verloren mehr als 2000 Mitarbeiter ihre Jobs.

Auf der anderen Seite entstehen auch neue Arbeitsplätze. In der Logistik zum Beispiel. Auf dem Lechfeld betreiben Aldi, Lidl und Amazon Auslieferungslager. Dazu kommt demnächst BMW.

Doch zurück zu Osram. Mehrere Börsen-Analysten haben nach der Ankündigung der Abspaltung des Lampengeschäfts die Osram-Aktie zum Kauf empfohlen und Kursziele erhöht. Die Wirtschaft ist manchmal grausamer als jeder Tatort.

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