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Rain

12.12.2020

Ein Rainer und sein Lebenswerk für die Ärmsten der Armen

Plus Karl-Heinz Feichtinger aus Rain hat eine private Stiftung ins Leben gerufen, mit der er Projekte in Afrika unterstützt. 220.000 Euro sind bereits geflossen.

Wenn Karl-Heinz Feichtinger in diesen dezembergrauen Tagen an seinem Schreibtisch im heimischen Büro in Rain sitzt, ist er in Gedanken oft Tausende von Kilometern weit weg im Süden. Der 63-Jährige leidet unter Fernweh. Doch mit Urlaub unter Palmen und einem Drink an der Poolbar, um dem Winter zu entfliehen, hat dieses Gefühl so rein gar nichts zu tun. Afrika ist der Kontinent seiner Sehnsucht – die ärmsten Länder sind es, wohin er reisen möchte. Länder, in denen er mit seiner Stiftung viele Projekte unterstützt, um gegen bittere Not und Elend anzugehen.

Am liebsten würde er mit seiner Frau Manuela sofort ins Flugzeug steigen und dorthin fliegen, wäre da nicht die Corona-Pandemie, die die beiden an diesen Plänen hindert. Was ihnen bleibt, ist der Blick auf eine Vielzahl von Fotos und ins E-Mail-Postfach, wo regelmäßig Nachrichten aus Afrika eingehen und sie auf dem Laufenden halten.

„Hilfe zur Selbsthilfe“: Hühnermastprojekt der „Nardini Sisters“ im Zulu-Land.

An diesem Tag erreicht sie auf elektronischem Weg Post von Schwester Beate aus Namibia. Die Klosterfrau von den Tutzinger Schwestern, die dort wirken, berichtet vom aktuellen Stand der Arbeiten in Bethanie im Süden Namibias. Sie schildert, wie zwei Container in einen Kindergarten verwandelt werden. Sie beschreibt auch die Anstrengungen, Dattelpalmen und Weinstöcke zu pflanzen, wo doch aus drei Wasserlöchern die Pumpen gestohlen wurden. Und sie bringt Karl-Heinz und Manuela Feichtinger auf den neuesten Stand des Schul- und Hostelprojekts in Namuntuntu.

Errichtung eines Containerkindergartens durch die Tutzinger Schwestern in Namibia.

Dort wird in unwirtlicher Gegend gerade an einem Großvorhaben gearbeitet, das eines Tages 150 Kinder beherbergen soll. Sie sollen unterrichtet werden und dort auch wohnen. Mit viel Platz, Schulgebäude, Schlaf- und Waschräumen, Speisesaal, Studierzimmer, Nebenräumen, Regenwasserspeicher, Solarwasserheizung und vielem mehr wird es eine stattliche Anlage werden.

Transport von Baumaterial für Schule und Hostel in Namibia.

Logistische Herausforderungen

Ähnlich sieht es auch in der Ortschaft Otjinunga nahe der Wüste Namib aus, wo die geografische Lage alle Beteiligten vor große logistische Herausforderungen stellt. „Baumaterial dorthin zu bekommen, bedeutet eine abenteuerliche Reise über Stock und Stein“, schildert Karl-Heinz Feichtinger. Straßen gibt es nicht. Die Schotterwege sind wenig vertrauenserweckend.

Mit 50.000 Euro hat sich die Karl-Heinz Feichtinger Stiftung bisher am Schulprojekt in Otjinunga beteiligt. „Das Dorf ist weit abgelegen von jeglicher Zivilisation“, erzählt Feichtinger. „Für die Menschen dort wird die Schule etwas wirklich Wichtiges sein. Denn bisher schlafen die Kinder oft nur mit alten Fetzen zugedeckt auf dem blanken Erdboden unter Bäumen im Freien, weil sie die weiten Fußwege nach Hause nicht zurücklegen können.

Manuela Feichtinger bei einem behinderten Mädchen ohne Betreuung im Zulu Land.

Nachts wird es kalt und gefährlich

Nachts wird es dort sehr kalt, während der Regenzeit werden die Kinder nass und wegen der wilden Tiere ist es auch gefährlich. Wenn sie aber nicht dort im Freien schlafen, müssen sie einen Schulweg von drei bis vier Stunden zurücklegen und zum Teil auch schwimmend Flüsse durchqueren.“ Die Menschen in diesem Landstrich sind meist von Dürre betroffen. Ohnehin ist Namibia ein Land großer Gegensätze mit einer Kluft zwischen Arm und Reich.

Karl-Heinz Feichtinger beim Einkauf von Windeln und Milch für ein behindertes Kind mit dessen Geschwistern.

Viele Male sind die Feichtingers selbst nach Afrika geflogen, um sich vom Fortschritt ihrer Stiftungsarbeit zu überzeugen und um den Menschen dort nahe zu sein, auch um ihre Patenkinder zu sehen. Immer wieder treffen sie dabei auf Hunger. Immer wieder auf Menschen, die nichts haben, keinerlei Besitz, kein Dach über dem Kopf, keine Sicherheit – schon gar keine Perspektive. Ihnen zu helfen, das ist die Aufgabe der Karl-Heinz Feichtinger Stiftung, die es seit 2013 unter dem Dach der VR-Bürgerstiftung Donauwörth-Rain gibt. Das Kapital kommt zu 100 Prozent von Feichtinger selbst. Bisher hat er 220.000 Euro in soziale Projekte investiert.

Kindergarten in Mosambik mit Betreuung und Verpflegung.

Schule bedeutet Bildung und Zukunft

Ein Kerngedanke ist es, den Bildungsstandard zu erhöhen. „Wir sind fest davon überzeugt, dass die Menschen durch bessere Bildung eine Chance haben, ihr Leben selbstbestimmt zu verändern und bessere Zukunftsperspektiven zu entwickeln“, sagt Karl-Heinz Feichtinger. Aus dieser Überzeugung heraus widmet sich seine Stiftung auch einem Schulbau in Nigeria, im Dorf Isiugwu. „Pater Donatus Uzoagwa hat uns darauf aufmerksam gemacht, er war Kaplan in Schrobenhausen, dort haben wir ihn kennengelernt.“

Und dann gibt es da noch die zahlreichen Patenschaften und das Waisenhaus in Südafrika, um die sich die Feichtinger-Stiftung kümmert. Es gibt das Mädcheninternat in Mosambik, das die Schwestern von Maria Stern (Augsburg) bauen und wozu die Feichtinger-Stiftung Geld gibt. „Das ist wichtig“, so der Stiftungsgründer, „denn Mädchen haben oft keine Chance auf Bildung. Sie werden meist stark vernachlässigt, zur Arbeit auf den Feldern eingesetzt, vergewaltigt und missbraucht.“

Einweisung in den Gemüseanbau zur Verbesserung der Eigenversorgung.

Alle Vorhaben, an denen sich die Feichtinger-Stiftung beteiligt, laufen über kirchliche Einrichtungen, die ohnehin vor Ort sind. Beispielsweise auch über die Mallersdorfer Schwestern oder „Nardini Sisters“, wie sie in Südafrika heißen. Jeder Cent gelangt unmittelbar in die Projekte. Die Schwestern und Klosterbrüder geben das Geld direkt an die Menschen weiter, ob in Form von Schulen und Unterkünften, oder Kleidung, Nahrungsmitteln und einfach allem, was zum Leben nötig ist.“

Karl-Heinz Feichtingers soziale Aktivitäten reichen viel weiter zurück, als es die Stiftung gibt, mindestens in das Jahr 1990. Durch Kontakt zum damaligen Rainer Stadtpfarrer Johann Menzinger hat Feichtinger nicht nur den „Sozialfond Rain“ und weitere Projekte unterstützt, sondern eben auch erste Verbindungen nach Afrika geknüpft.

Karl-Heinz Feichtinger mit Nardini Sisters in Nkandla vor deren Konvent.

Feichtinger stammt selbst aus ärmlichen Verhältnissen

Feichtingers Wunsch, zu geben, hängt mit seiner eigenen Herkunft zusammen. „Ich stamme aus armen Verhältnissen aus einem Weiler im Passauer Hinterland“, schildert er. Aus eigener Kraft hat er sich nach dem Studium der Landwirtschaft zum erfolgreichen Unternehmer mit Wohlstand hochgearbeitet. Obwohl sich der Autofreund privat außergewöhnliche Fahrzeuge gönnt, ist er normal und bodenständig geblieben. „Weil es mir gut geht, möchte ich auch, dass andere etwas davon abbekommen“, so die Überzeugung des 63-Jährigen.

Ein Schwerpunkt der Stiftungsarbeit ist es auch, die Menschen in Afrika in ihrer Armut bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln zu unterstützen, weil sie großen Hunger leiden. Da kommen Feichtinger auch seine Kenntnisse aus der landwirtschaftlichen Branche zugute. Ein Hühnerprojekt in Südafrika etwa beschreibt der Rainer als sehr erfolgreich: „Eine Frau hat 100 Küken bekommen, unter Anleitung aufgezogen und dabei die Hühnerhaltung gelernt. Aus dem Verkaufserlös der Hühner hat sie die nächsten Küken gekauft und so weiter. Dann hat sie gelernt, selbst zu züchten, um die Küken nicht mehr kaufen zu müssen. Diese Frau hat sich über nicht allzu lange Zeit einen gewissen Lebensstandard erarbeitet.“

Manuela Feichtinger (Mitte) beschenkt Patenkind Slindile (rechts) mit Kleidung. Mit dabei eine Pflegekraft der Nardini Sisters.

Was Manuela und Karl-Heinz Feichtinger von den Menschen zurückbekommen, macht sie reich an schönen Erlebnissen und Glücksmomenten. „Wir bekommen für ganz wenig unglaublich viel Dankbarkeit“, erzählen sie. „Wir erleben auch, dass die Leute aus ihrer Lethargie gerissen werden, die Hilfe annehmen und daraus Selbstständigkeit entwickeln. Das Land ist ja da. Wasser muss man versuchen, herzubringen. Und dann gilt es, den Menschen Möglichkeiten an die Hand zu geben, sich im Kleinen selbst zu versorgen.“

Auch diesen Neubau eines Familienzentrums in Xai Xai in Mosambik unterstützt die Feichtinger-Stiftung.

Das Ehepaar Feichtinger hat selbst keine Kinder. Auch aus diesem Umstand ergibt sich eine Sinnhaftigkeit für dieses Lebenswerk, das ihre Stiftung für sie darstellt. Ihr Wunsch: „Wir wollen etwas Dauerhaftes, etwas Nachhaltiges schaffen. Damit etwas bleibt, wenn wir einmal nicht mehr sind...“

Wer spenden möchte, kann dies unter folgender Bankverbindung: „Karl-Heinz Feichtinger Stiftung“, VR Bank Neuburg-Rain, IBAN: DE93 7216 9756 0100 1848 37, BIC: GENODEF1ND2.

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Ein neues Schulprojekt in Burkina Faso

Hilfe für Menschen in Not

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