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Kino
17.05.2017

"Jahrhundertfrauen" in der Film-Kritik: Die Welt der Gefühle

Dorothea (Annette Bening) kann ihren Sohn Jamie (Lucas Jade Zumann) nicht allein erziehen.
Foto: Splendig

Ein Junge nabelt sich von seiner Mutter ab und lernt die wilden 70er kennen. Das ist kurz erzählt der Plot des Films "Jahrhundertfrauen". Hier lesen Sie unsere Film-Kritik.

Einen guten, anständigen, modernen Mann möchte Dorothea (Annette Bening) aus ihrem Sohn machen. Aber zwischen ihr und dem Jungen liegen Welten. Die Mutter ist 1924 geboren, verbrachte Kindheit und Jugend in der Weltwirtschaftskrise und ist mittlerweile Mitte fünfzig. Jamie (Lucas Jade Zumann) ist in den wilden Siebzigern aufgewachsen und versucht sich gerade von der alleinerziehenden Mutter abzunabeln.

Dorothea erkennt, dass sie dem selbst gesteckten Erziehungsauftrag nicht gewachsen ist. Deshalb engagiert sie zwei jüngere Frauen, die sich jede auf ihre Weise um den Sohn kümmern sollen. Die Mitbewohnerin Abbie (Greta Gerwig) ist Mitte zwanzig, nimmt den Sohn mit zu Punk-Partys und gibt ihm feministische Standardwerke zur Lektüre. Die 17-jährige Nachbarin Julie (Elle Fanning) schleicht sich Nacht für Nacht in Jamies Zimmer und berichtet dem besten Freund von ihren sexuellen Abenteuern, während Jamie sich nach ihr verzehrt.

Kritik zu "Jahrhundertfrauen": Zeit voller Widersprüche

Die Welt der Gefühle ist komplex und voller Widersprüche, genauso wie die Zeit, in der die Figuren von Mike Mills „Jahrhundertfrauen“ leben. Er beschreibt 1979 als Zeitenwende, in der die Flower-Power-Ära zu Ende geht und in ein deutlich düstereres Lebensgefühl hineingleitet. In ihrer kontroversen Verbundenheit bilden die drei Frauen dennoch über alle Generationsunterschiede hinweg ein Kaleidoskop des bewegten 20. Jahrhunderts, dessen kulturellen Umbrüche von heute aus betrachtet schon fast rührend wirken.

Wunderbar harmonieren die drei facettenreichen Frauencharaktere miteinander. Annette Bening ist hinreißend als schroffe, liebende Übermutter, die bei aller Offenheit für ihre Mitmenschen diese nie zu nahe an sich heranlässt, und als Punk-Feminstin ist auch die fabelhafte Greta Gerwig („Frances Ha“) ideal besetzt.

Wertung: 4 / 5

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