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20.03.2019

Wie gefährlich ist Lasertag für Kinder?

Prozess Ein Ingolstädter will bereits Zehnjährige in seiner Arena spielen lassen. Doch das Jugendamt sieht Gefahren. Aber die Stadt hat auch Fehler gemacht

München/Ingolstadt Keine laute Musik, kein Wettkampf um den Sieg und kein martialisches Auftreten: So soll der Jugendschutz gewahrt werden, wenn sich Kinder unter 14 Jahren mit Laserstrahlen aus Plastikwaffen beschießen – beim sogenannten Lasertag-Spiel. Darin sind sich das Münchner Verwaltungsgericht, die Stadt Ingolstadt und der Betreiber einer Lasertag-Arena einig. Die Richter ließen bei der Verhandlung am Mittwoch trotzdem durchblicken, dass sie einen Bescheid des Jugendamts gegen den Lasertag-Anbieter ablehnen werden. Die Behörde hatte untersagt, dass Kinder unter 14 Jahren in seiner Arena Lasertag spielen dürfen – aus Jugendschutzgründen.

Das Gericht betonte zwar, dass die Behörden bei Lasertag auf den Schutz von Kindern und Jugendlichen achten müssen. „Es gibt hier sicherlich etwas zu regeln“, sagte die Vorsitzende Richterin. Das Jugendamt sei aber falsch vorgegangen. Die Verwaltung dürfe nur gegen konkrete Spiele vorgehen und nicht allgemein den Zugang für bestimmte Altersgruppen untersagen. Das Urteil soll am Donnerstag veröffentlicht werden.

Der Anwalt des Betreibers übergab dem Gericht ein mehrseitiges Dokument mit Beschreibungen der angebotenen Spiele. Innerhalb einer Woche werde er die Erklärungen zusammen mit Altersgrenzen für die jeweiligen Angebote an das Jugendamt schicken. Mit diesen konkreten Angaben soll die Behörde dann arbeiten, erklärte die Richterin. Die einzelnen Spiele dürften dann per Bescheid für gewisse Altersgruppen untersagt werden. Genau diese konkreten Angaben hätten bislang gefehlt. Der Bescheid gegen den Betreiber Herbert Schmid wird damit voraussichtlich aufgehoben. Ob sein Wunsch, dass auch Kinder unter 14 Jahren in seiner Arena spielen dürfen, in Erfüllung geht, hängt von der neuen Prüfung des Jugendamtes und einem neuen Bescheid ab.

Vor zwei Jahren hatte Herbert Schmid in Ingolstadt eine Lasertag-Arena eröffnet. Familien mit Kindern sind zu ihm gekommen, „die Mütter haben sich gefreut, die Väter haben sich gefreut, die Opas haben sich gefreut, die Kinder haben sich gefreut – nur das Jugendamt nicht“, sagt Schmid. Nach einem halben Jahr lag nämlich ein Bescheid von der Stadt Ingolstadt in seinem Briefkasten: Schmid darf in seiner Arena erst Kinder ab 14 Jahren spielen lassen. Zuvor galt bei Schmid eine Altersgrenze von zehn Jahren. Dem Betreiber brachen eigenen Aussagen zufolge die Kunden weg, deshalb ist er vor Gericht gezogen. „Das ist kein Ballerspiel“, betont der Ingolstädter. „Sondern Sport, Spiel, Spannung. Gerade bei Kindern ist das kein Kriegsspiel“. Beim Lasertag treten meist zwei Teams gegeneinander an. Ziel ist es, mit dem Laserstrahl Sensoren auf speziellen Westen zu treffen, die die Spieler tragen.

Schmid darf inzwischen zwar sogar spezielle Spiele für Kinder ab zwölf Jahren anbieten, dabei dürfen die Kinder aber nicht aufeinander schießen, sondern nur auf Sonderziele. „Das ist ja, als wenn man Kindern Wasserpistolen für eine Wasserschlacht in die Hand gibt und ihnen dann sagt, dass sie nur auf den Boden schießen dürfen. Das ist doch bescheuert“, sagt Schmid. Ihn stört vor allem, dass es keine einheitliche Regelung gebe. „Jeder Landkreis, jedes Jugendamt entscheidet da anders“, sagt er. Die Lockerung auf zwölf Jahre für bestimmte Varianten hatte er auch erst durchgesetzt, als er erfahren hat, dass für seine Konkurrenz vor der Stadtgrenze andere Altersgrenzen gelten.

Die Stadt Ingolstadt wollte sich am Mittwoch nicht äußern. Sie will erst das Urteil abwarten.

Stefan Dickhäuser ist Vorsitzender des Lasertagverbands Deutschland. Er sagt: „Bayern gilt als besonders streng“ und verweist auf ein Urteil des Verwaltungsgerichts Würzburg aus dem Jahr 2016. Darin hieß es, von dem fraglichen Spiel gehe „eine Gefährdung für das geistige und seelische Wohl von Kindern und Jugendlichen aus“. Diese Entscheidung habe viel Beachtung gefunden und so auch Einfluss auf die nun in Bayern geltende Regelung gehabt.

Nach Angaben des Landesjugendamtes gab es 2015 insgesamt 24 Lasertag-Anlagen in Bayern, aktuellere Zahlen gibt es nicht. Deutschlandweit sind es nach Angaben Stefan Dickhäusers, Vorsitzender des Lasertagverbands Deutschland, derzeit rund 240 Anlagen – und etwa 600 Teams und Spielgemeinschaften, die „regelmäßig Lasertag als Sport ausführen“. (mit dpa)

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