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Weißenhorn

14.02.2020

Wo die Fernwärme für Weißenhorner Betriebe und Bürger herkommt

Der angelieferte Abfall landet zunächst im großen Müllbunker des Weißenhorner Müllheizkraftwerks. Mitarbeiter sortieren diesen grob mit einem Müllgreifer und befördern ihn in die beiden Öfen.
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Der angelieferte Abfall landet zunächst im großen Müllbunker des Weißenhorner Müllheizkraftwerks. Mitarbeiter sortieren diesen grob mit einem Müllgreifer und befördern ihn in die beiden Öfen.
Bild: Alexander Kaya

Plus 360 Tonnen Abfall werden täglich im Müllkraftwerk verbrannt. Die Kapazitäten der Anlage würden ausreichen, um Haushalte außerhalb Weißenhorns zu beheizen.

Durch einen Glasboden fällt der Blick 25 Meter in die Tiefe. Im orangefarbenen Licht sind Müllberge zu sehen, ein entsprechender Geruch liegt in der Luft. Von einem Kran fährt ein Greifer nach unten und schnappt sich einen Teil des Abfalls. Hinter der Wand des Müllbunkers öffnet sich der Greifer wieder und lässt seinen Inhalt in den Ofen fallen. Im Müllheizkraftwerk in Weißenhorn wird das, was die Menschen entsorgen, nicht einfach verbrannt. Es wird verwertet.

310 bis 360 Tonnen Abfall pro Tag werden nach Angaben von Thomas Moritz, Werkleiter des Abfallwirtschaftsbetriebs des Landkreises Neu-Ulm, in der Anlage im Weißenhorner Gewerbegebiet verfeuert. Der Abfall kommt hauptsächlich aus den Landkreisen Neu-Ulm, Günzburg und Unterallgäu, ein Teil aber auch aus den Kreisen Ravensburg, Dillingen, Donau-Ries und der Stadt Kaufbeuren. Auch Gewerbeabfälle landen im Müllofen. Seit 29 Jahren ist das einst sehr umstrittene Müllkraftwerk in Betrieb. Neben Strom wird dort seit zweieinhalb Jahren auch die Wärme für viele Einrichtungen und Haushalte in Weißenhorn erzeugt.

In diesem Jahr wird die Fernwärme–Gesellschaft fünf Millionen Euro ausgeben, um das Netz in Weißenhorn weiter auszubauen. 18 Millionen Euro hat das Unternehmen, an dem jeweils zur Hälfte der Landkreis und die Stadt Weißenhorn beteiligt sind, seit seiner Gründung im Jahr 2016 investiert.
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Wo die Fernwärme herkommt: Einblick ins Weißenhorner Müllheizkraftwerk
Bild: Alexander Kaya

Aber wie funktioniert das mit der Fernwärme? Darüber haben sich jüngst Mitglieder des Gewerbeverbands Weißenhorn informiert. Neben Thomas Moritz lieferte Markus Hertel, Geschäftsführer der Fernwärme Weißenhorn GmbH, die Hintergründe und Erklärungen dazu. So wird im Müllofen Dampf erzeugt, der zum einen eine Turbine für die Stromerzeugung antreibt. Zum anderen strömt auch Dampf in einen Heizkondensator. In diesem Dampf-Wasser-Wärmetauscher wird Wasser erhitzt, das wiederum über das Leitungsnetz vom Kraftwerksgelände durchs Industriegebiet und in die Stadt fließt. 95 Grad heiß sei dieses Wasser im Winter, sagt Hertel, im Sommer 80 Grad.

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Wärmetauscher in den angeschlossenen Haushalten nehmen die Wärme ab und übertragen sie auf den hausinternen Kreislauf. So lassen sich die Räume beheizen. Bislang tun im Pumpenhaus neben dem Müllheizkraftwerk zwei Geräte ihren Dienst. Eine dritte Pumpe hätte noch Platz. „Dann hätten wir noch mehr Kapazität“, sagt Hertel. Heißt: Es könnten noch mehr Betriebe und Privathäuser mit Fernwärme versorgt werden. Ohnehin müssen sich Weißenhorner Bürger aus Sicht des Geschäftsführers keine Sorgen machen, dass die Leistung des Netzes zu gering ist.

Die Fernwärme Weißenhorn GmbH hat 18 Millionen Euro investiert

So hat der Wärmetauscher im Kraftwerk eine Leistung von 13,3 Megawatt. Zur Spitze im Januar 2019 seien fünf Megawatt abgerufen worden, sagt Hertel. Darüber hinaus gibt es bereits eine Vorbereitung für eine weitere Wärmeauskopplung. Für Weißenhorn ist Hertel zufolge jedenfalls genug Wärme da. „Wir könnten auch Teile von Senden versorgen“, berichtet er. So wäre etwa ein Anschluss von Witzighausen denkbar, was allerdings den Bau einer langen Rohrleitung erforderlich machen würde. Gleiches gilt für Illerberg. „Ich bekomme Anrufe aus dem ganzen Landkreis“, erzählt der Geschäftsführer. „Aber wir können nicht den ganzen Landkreis versorgen.“

In diesem Jahr wird die Fernwärme–Gesellschaft fünf Millionen Euro ausgeben, um das Netz in Weißenhorn weiter auszubauen (Mehr dazu: Netzausbau geht weiter: Fernwärme strömt in die Altstadt). 18 Millionen Euro hat das Unternehmen, an dem jeweils zur Hälfte der Landkreis und die Stadt Weißenhorn beteiligt sind, seit seiner Gründung im Jahr 2016 investiert.

Die Anlage im Eschach ist rund um die Uhr in Betrieb

Wesentlich mehr, nämlich 113 Millionen Euro, hatte einst der Bau des Müllkraftwerks gekostet. Die Anlage ist rund um die Uhr in Betrieb, an Computern und per Videoüberwachung sehen Mitarbeiter in der Schaltzentrale, ob alles reibungslos funktioniert. „90 Prozent des Jahres laufen beide Müllöfen“, sagt Werkleiter Thomas Moritz. Wenn sie mal stillstehen, zum Beispiel für die Revision, müssen die Fernwärme-Nutzer aber nicht frieren. Dann springt das Biomasse-Kraftwerk bei Peri ein, das ans Netz angeschlossen ist. Es bietet nicht nur eine Ausfallsicherheit, sondern unterstützt auch bei Spitzenlast.

Wenn die Pumpen bei Peri arbeiten, ist das auch in der kleinen Leitstelle im Pumpenhaus neben der Müllverbrennung zu sehen. Auf Mausklick lassen sich dort Daten für jedes Haus abrufen, das am Fernwärmenetz hängt. Möglich machen es Datenleitungen, die zusammen mit den Rohren verlegt werden. „Steuern können wir die Ventile in den Häusern von hier aus nicht“, sagt Hertel. „Aber wir bekommen Störmeldungen.“ Nach Bedarf macht sich ein Störungsdienst auf den Weg.

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