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Allgäu

14.09.2015

Woran erkennt man Salafisten? Prozess wirft Fragen auf

Ein Salafist verteilt kostenlose Koran-Exemplare an Passanten. Die islamistische Szene in Deutschland wächst kontinuierlich.
Bild: Britta Pedersen/Archiv (dpa)

Der radikale Islam wurzelt seit Jahren im Allgäu. Nun wurde ein 22-Jähriger wegen eines Fotos mit einer Waffe verurteilt. Einblick in eine schwer zugängliche Szene.

Ein beige-gemusterter Pullover, das mittelbraune Haar kurz geschnitten, der Bart gestutzt. Der 22-Jährige auf der Anklagebank hat äußerlich wenig gemein mit seinen Freunden, den Islamisten. Sie tragen gerne Schwarz. Bis vor Kurzem soll der 22-jährige Türke zur Islamistenzelle Kempten und Oberallgäu gehört haben, nun hat ihn das Amtsgericht Kempten verurteilt. Er hatte ein Foto mit einer Waffe im Internet veröffentlicht. Das Urteil: drei Tage gemeinnützige Arbeit. Wegen eines Videos läuft ein Verfahren wegen Volksverhetzung. Ein Prozess, der vom schwierigen Umgang mit Islamisten, Aussteigern und von der Arbeit der Polizei erzählt und eine Frage aufwirft: Woran erkennt man Salafisten?

Salafist Erhan A. hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt

Es ist der 28. Juli 2014, ein Montag. Zu dieser Zeit treffen sich die Islamisten Kemptens oft im Hofgarten. Vor der Kulisse des historischen Barockgartens verleugnen sie die Demokratie, preisen das islamische Rechtssystem der Scharia. Gut 25 Islamisten gibt es im Bereich des Polizeipräsidiums, vor allem in Neu-Ulm und Ulm, Kempten und dem Oberallgäu. Der 22-Jährige gehört damals zu ihnen, ist befreundet mit dem bundesweit bekannten Salafisten Erhan A., der sich nach der Ausweisung in die Türkei vermutlich nach Syrien abgesetzt hat. Mitte August hatte sich Erhan A. per Chat bei unserer Zeitung gemeldet.

Die Gruppe, es geht um etwa ein Dutzend junger Männer, wird im Sommer 2014 beobachtet. Der Verfassungsschutz liest die Interneteinträge mit und gibt am 28. Juli 2014 einen Hinweis an die Polizei weiter: Der damals 21 Jahre alte Oberallgäuer hat ein Foto veröffentlicht, das ihn mit Waffe zeigt. Am 30. Juli beantragt die Polizei eine Durchsuchung für den Tag darauf. Die Waffe finden die Beamten bei ihm nicht, sie gehört einem Freund des damals 21-Jährigen. Er gilt ebenfalls als Salafist. „Er zeigte mir die Waffe, ich nahm sie und machte ein Foto. Dann habe ich sie weggelegt“, sagt der 22-Jährige, der beteuert: Mit der Terrororganisation Islamischer Staat oder Islamisten habe er nie etwas zu tun gehabt. „Er hatte sich eindeutig auf diese Seite geschlagen“, sagt der zuständige Polizist aus. Außerdem ist es nicht das erste Mal, dass der 22-Jährige auffällt: Wegen Körperverletzung ist er verurteilt worden und vorsätzlichen Besitzes und Führens einer Waffe (40 Tagessätze zu je 15 Euro).

Ist der 22-Jährige nun Ex-Salafist, Aussteiger, Noch-Sympathisant? Eindeutige Antworten sind schwer zu finden. Aber: Ähnlich wie Rechts- und Linksextreme haben Salafisten Erkennungszeichen, sagt Dr. Ali Hedayat (34) vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften. Etwa bei der Musik, in der Szene-Sprache „Nasheeds“ genannt, den religiös kommentierten Liedern. Sie sind oft mit Hip-Hop vermischt und ähneln der Wirkung der völkischer Liedern der rechten Szene. Schwarze Kleidung gilt als weiterer „Szene-Code“ der Salafisten, ebenso wie das mittlerweile verbotene Abzeichen mit dem weißen Mohammed-Siegel auf schwarzem Grund. Was hilft gegen Islamisten und ihre Propaganda? Nötig sei etwa ist die „Gegenansprache“, sagt Hedayat und meint: Menschverachtende, diskriminierende Haltung darf nicht unwidersprochen stehen bleiben – auch nicht im Netz.

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