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Obergünzburg

04.09.2019

10.000-Euro-Preis für die Südseesammlung

Den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis „Vermittlung im Museum“ der Sparkassenstiftung Bayern übergab (von rechts) Ingo Krüger, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung, gemeinsam mit der Leiterin der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern, Dr. Astrid Pellengahr, an die Leiterin der Südseesammlung Obergünzburg, Dr. Martina Kleinert. Für die Sparkasse Allgäu war Stefan Riedle dabei, links Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus.
Bild: Gerlinde Schubert

Das Geld erhielt die Südseesammlung für ein neues Konzept, Besuchern die Ausstellung näher zu bringen. Eine Idee wird Wirklichkeit.

In bester Gesellschaft befindet sich die Südseesammlung in Obergünzburg: Museen wie das Freilichtmuseum in Glentleiten oder auch das Stadtmuseum Abensberg haben den Förderpreis Vermittlung im Museum schon erhalten. Jetzt war die Südseesammlung an der Reihe. Gestern nahm die Museumsleiterin Dr. Martina Kleinert den mit 10.000 Euro dotierten Hauptpreis für 2017 in Empfang. Schon vor zwei Jahren hatte sie ihre Idee eingereicht, wie die Inhalte der Sammlung noch besser vermittelt werden können. Die Jury sprach ihr damals den Preis zu. Viel Arbeit hat sie seither in die Konkretisierung ihrer Idee gesteckt. Was sie in absehbarer Zeit den Museumsbesuchern an Neuerungen anbieten will, hat sie gestern Vertretern der Sparkassenstiftung, der Sparkasse, der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern und Bürgermeister Lars Leveringhaus vorgestellt.

Im Südsee-Museum ist ein Perspektivenwechsel der Besucher gewollt

Die Museumsleiterin will in ihrem Museum unter dem Titel „Sammlungsgeschichte(n) erleben“ mit Schülern und anderen Besuchern einen Perspektivenwechsel vornehmen: Das Museum erzählt bisher die Geschichte des Sammlers Kapitän Nauer. Was aber berichten die Vorbesitzer der ausgestellten Objekte? Durch den Perspektivenwechsel sollen sich die Museumsbesucher in die Rolle unterschiedlicher Akteure versetzen, die Deutung des Museums und die Motive des Sammlers hinterfragen. Wie wurde die deutsche Kolonialzeit von den Einheimischen erlebt und wie erinnert man sich dort an Kapitän Nauer, der die Exponate nach Obergünzburg brachte? Ziel ist weniger die Wissensaneignung als die Reflexion der eigenen Standpunkte.

Als grandiose Idee bezeichnete Bürgermeister Lars Leveringhaus diesen Vermittlungspreis und dankte der Sparkassenstiftung, aber auch der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, auch für die anhaltende Beratung. Die Südseesammlung sei „ein Stück unserer Identität“, und die Marktgemeinde sei stets bestrebt, das Museum immer weiter voranzubringen.

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Die Identifikation der Bürger mit dem Obergünzburger Projekt sei hoch

Die Leiterin der Landesstelle für nichtstaatliche Museen, Dr. Astrid Pellengahr, unterstrich die Bedeutung von Museen für die kulturelle Bildung und lobte das neue Obergünzburger Projekt, Besucher einmal in eine andere Rolle schlüpfen zu lassen. Für inhaltlich und technisch aufwendigere Vermittlungsangebote brauchten die Museen mit ihren begrenzten finanziellen und personellen Ressourcen starke Partner. Zusammen mit der Bayerischen Sparkassenstiftung gelinge es, Museen in den digitalen Raum hinein zu verlängern und noch attraktiver zu machen. Sie lobte, dass der Identifikationsgrad der Bürger mit dem Museum in Obergünzburg besonders hoch sei.

Als Marktbereichsleiter der Sparkasse Marktoberdorf freute sich Stefan Riedle, dass sich die Jury für die Südseesammlung entschieden habe. Einen Besuch dort verglich Dr. Ingo Krüger, Geschäftsführender Vorstand der Bayerischen Sparkassenstiftung, mit einer Reise in ein anderes Land: Man erweitere den Erfahrungshintergrund, lerne eine andere Kultur kennen, spiegele darin die eigene und lerne dabei. Die Art der Beschäftigung mit den ausgestellten Objekten, die das neue Vermittlungskonzept von Dr. Kleinert ermögliche, sei anders als andernorts. Sie lasse die Exponate über Menschen erzählen.

Tropenhelme, Bastrock und Seemannsmütze kann man in der Südsee-Sammlung anfassen

Wie das funktioniert, erklärte Martina Kleinert anhand einiger Beispiele. Bereits bestehende Medienstationen werden ergänzt. So können die Besucher anhand eines Zeitstrahls die Geschichte der Kolonialzeit und gleichzeitig etwas über die Biografien von Menschen – wie Kapitän Nauer, den Gouverneur Albert Hahl oder auch das Missionarspaar Diehl – erfahren, die vor über 100 Jahren in Deutsch-Neuguinea gelebt und gewirkt haben. Zum Anfassen liegen Tropenhelme, Bastrock und Seemannsmütze bereit – das erleichtert es, in eine andere Rolle zu schlüpfen. Briefe und Fotos – in Kopie – bekommen die Besucher zur Hand und bekommen so ein Gefühl für die Quellen an Informationen zur Sammlung.

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