Alfred Jakob, Gruppenleiter in der Schreinerei (links) und Dietmar Kempf, Gesamtbetriebsleiter (Zweiter von links) zeigten zusammen mit zwei Mitarbeitern die Holzkisten, die hier sozusagen maßgefertigt werden.Foto: Ulla Gutmann
Die Unterallgäuer Werkstätten feierten ihren 40. Geburtstag in Mindelheim und zahlreiche Besucher nutzten das Angebot eines Tages der offenen Tür, um sich über deren Arbeit zu informieren und beim Mittagessen im Zelt, bei Kaffee und Kuchen, Cocktails oder Eis diesen Geburtstag zu genießen. Gleich am Eingang, der mit bunten Luftballons geschmückt war, begrüßten die Clowns Mimi und Moritz, bürgerlich Daniela und Thomas Moritz, die Besucher, sorgten für ein Lächeln und verschenkten blitzschnell zusammengebundene Luftballonfiguren zum Mitnehmen.
Die Clowns Mimi und Moritz, bürgerlich Daniela und Thomas Moritz, brachten die Besucher,zum Lächeln und verschenkten bunte Luftballonfiguren zum Mitnehmen. In der Mitte Geburtstagsgast Luise Jennike.Foto: Ulla Gutmann
Die Musikkapelle Eutenhausen-Mussenhausen, ein inklusives Vocalensemble sowie der Werkstätten-Chor, ein Herzensprojekt vieler Mitarbeitenden, sorgten für die musikalische Umrahmung. Und bei einer Werkstatt-Rallye konnten die verschiedenen Arbeitsgruppen erkundet werden – von Industriemontage, Landschaftsbau über Elektrotechnik bis zur Metallbearbeitung. An zehn Stationen gab es ebenso viele Stempel und zuletzt etwas zu gewinnen. Die Kinder hatten Spaß beim Kinderschminken, Armband- und Mützenbasteln sowie einem rasanten Bobbycar-Rennen – und das war längst noch nicht alles.
Die Unterallgäuer Werkstätten bieten behinderten Menschen Teilhabe am Berufsleben
Die Unterallgäuer Werkstätten GmbH ist ein Unternehmen der Lebenshilfe Memmingen/Unterallgäu, ein Zusammenschluss von Eltern, Sorgeberechtigten, Freunden und Förderern behinderter Menschen. Die Unterallgäuer Werkstätten bieten Menschen mit geistigen, körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen, die (noch) nicht auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt tätig sein können, einen Arbeitsplatz und die Möglichkeit zur Teilhabe am Berufsleben.
Nina Kotterer von der Lebenshilfe Memmingen/Unterallgäu und Heidi Milotta, die sonst in der Arbeitsvorbereitung der UAW arbeitet, am Start der Werkstatt-Rallye, bei der es auch etwas zu gewinnen gab.Foto: Ulla Gutmann
Heidi Milotta ist für die Arbeitsvorbereitung zuständig. Sie nimmt Kundenbestellungen an und erstellt Fertigungsaufträge, die für die Mitarbeitenden gut zu bewerkstelligen sind. In einem anderen Raum berichtete Birgit Ettmüller-Mayr von ihrer Arbeit als Bildungsbegleiterin: „Alle Menschen, die zu uns kommen und hier arbeiten möchten, kommen zuerst zu mir. Drei Monate lang gebe ich ihnen verschiedenartige Aufgaben, um zu sehen, was sie an Fertigkeiten mitbringen und inwieweit sie weiter gefördert werden können.“ Danach beginnt ein einjähriger Grundkurs und anschließend der einjährige Aufbaukurs. Hat das alles gut geklappt, arbeiten sie in festen Gruppen der UAW.
Die Aufgabenbereiche sind auf die Fähigkeiten der Mitarbeiter abgestimmt
Gesamtbetriebsleiter Dietmar Kempf stellte den Gruppenleiter der Schreinerei vor, Alfred Jakob. Dreizehn Mitarbeitende gibt es hier, zehn Männer und drei Frauen. „Körperlich dürfen sie nur wenig eingeschränkt sein, denn sie stehen viel, es ist laut, es staubt und es ist ganz schön anstrengend“, beschreibt Kempf die Arbeit. Aber es gebe Montagegruppen mit Aufgabenbereichen, die unterschiedlich belastend sind, abgestimmt auf die Mitarbeitenden. „Die Teammitglieder ergänzen sich“, so Kempf.
Bildungsbegleiterin Birgit Ettmüller-Mayer mit Claudia Fesenmeier, einer Mitarbeiterin der UAW, gut gelaunt bei der Geburtstagsfeier.Foto: Ulla Gutmann
„Wir arbeiten marktorientiert, produzieren, was sich gut verkaufen lässt, und das nach Arbeitssicherheitsstandard und zertifiziertem Ausbildungsstandard wie in der freien Wirtschaft sonst auch“, ergänzt er und man merkt, dass er stolz ist auf die Arbeit, die hier geleistet wird. Stolz ist auch Christoph Knoll auf seine Arbeit und das zu Recht. Er arbeitet schon viele Jahre an einem Elektromontageplatz und erzählt, wie sich seine Arbeit verändert hat: „Früher bekamen wir Arbeitspläne auf Papier. Wenn die plötzlich wieder geändert wurden, war das oft schwierig.“ Heute sitzt er an einem modernen, digitalen Arbeitsplatz, die Arbeitspläne mit allen Arbeitsschritten am Bildschirm, die er nach und nach abarbeitet. Er gibt zu, dass die Umstellung anfangs gewöhnungsbedürftig war, aber jetzt liebt er sichtlich, was er macht.
Die Mitarbeiter im Gartenbau fahren teils selbst zu den Kunden
Die gute Qualität der Arbeit – ein Grund, warum sich die Unterallgäuer Werkstätten als Partner der heimischen Wirtschaft etabliert haben, wie der Betriebsleiter ergänzt. Neben der Wäscherei und der Hauswirtschaft gibt es noch die Abteilung Garten- und Landschaftsbau. „Da sind wir ausgelastet mit Firmenaufträgen, private Anfragen können wir schon länger nicht mehr annehmen. Hier arbeiten körperlich fitte Mitarbeiter, einige haben auch einen Führerschein und fahren selbstständig mit den nötigen Gerätschaften zum Kunden. Oft sind es Menschen, die persönliche Freiräume schätzen“, berichtet Dietmar Kempf.
Christoph Knoll an seinem Arbeitsplatz in der Elektromontage-Abteilung. Heute ist hier alles digital und auf modernstem Arbeitsniveau. Er liebt seine Arbeit.Foto: Ulla Gutmann
Der größte Wunsch der meisten Mitarbeiter sei es, in Firmen draußen, im freien Arbeitsbereich tätig zu werden, betonte anfangs schon Birgit Ettmüller-Mayr. Intention der UAW sei es, jedem Mitarbeiter die individuell am besten passende Stelle zu ermöglichen.
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