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Unterallgäu

07.05.2015

51-Jähriger rammt fahrenden Zug mit seinem Auto

Ein 51-Jähriger Unterallgäuer hat die Mittelschwabenbahn gerammt und stand deshalb nun vor Gericht
Bild: Symbolbild: Bernhard Weizzenegger

Ein Unterallgäuer muss sich vor Gericht verantworten, weil er zu schnell unterwegs war und einen fahrenden Zug gerammt hat. Die Strafe trifft ihn hart.

Es war nicht das Urteil, das sich der Angeklagte und seine Verteidigerin gewünscht hatten: Der Unterallgäuer muss seinen Führerschein für sechs Monate abgeben. Vor allem wegen des Entzugs der Fahrerlaubnis hatte der Mann bereits Einspruch gegen den ursprünglich gegen ihn verhängten Strafbefehl eingelegt.

Doch von vorn: Der damals 51-jährige Unterallgäuer hat im Juli vergangenen Jahres einen Bahnunfall bei Breitenbrunn verursacht. Der Zug hatte den Übergang wohl schon fast mit der halben Länge passiert, als er vom Kleintransporter des Mannes seitlich erfasst wurde. Laut Anklage war der Mann mit rund 72 km/h deutlich schneller als die erlaubten zehn Kilometer in der Stunde unterwegs. Trotz Vollbremsung hatte er den Zusammenstoß nicht mehr verhindern können. Er hatte jedoch Glück im Unglück: Obwohl am Kleintransporter wirtschaftlicher Totalschaden entstand, blieb der Mann unverletzt. Die Regionalbahn hatte seinen Wagen nur gestreift – sie fuhr weiter.

Vor Gericht gab der selbstständige Handwerker die Vorwürfe sofort zu und sagte, dass er es sich nicht erklären könne, warum der Unfall passiert sei. Er kenne den Bahnübergang und weiß, dass dort das erlaubte Tempo in einem sogenannten „Geschwindigkeitstrichter“ immer mehr von erst 80 auf dann zehn Kilometer in der Stunde beschränkt wird. „Ich war vielleicht in Gedanken“, erklärte der Mann. „Er kann von Glück sagen, dass er noch am Leben ist“, kommentierte Richterin Barbara Roßdeutscher.

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Lokführerin hat Aufprall nicht bemerkt

Die Lokführerin des Zuges sagte vor Gericht aus, dass sie im Vorbeifahren etwas Weißes gesehen habe – weil sie aber vom Aufprall nichts bemerkt habe, sei sie weitergefahren. Vor dem Bahnübergang hatte sie vorschriftsmäßig zwei Mal ein Pfeifsignal gegeben. In Nassenbeuren habe man ihr dann mitgeteilt, dass ein Kleintransporter den Zug gestreift habe. Der Schaden an der Bahn ist laut den Ermittlungsakten jedoch vergleichsweise gering: Er liegt bei rund 5000 Euro.

Wie wichtig der Führerschein für ihn ist, machten der Angeklagte und seine Verteidigerin Birgit Schwarz gegen Ende der Verhandlung nochmals deutlich. Der Mann leite eine Firma mit drei Beschäftigten, die alle keinen Führerschein hätten, und legt Strecken von mehr als 80000 Kilometern im Jahr zurück. „Der Führerschein ist für ihn von existenzieller Bedeutung“, so seine Anwältin.

Die Staatsanwaltschaft beantragte dennoch, dass dem Mann der Führerschein ein Jahr lang entzogen wird, zudem eine Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 60 Euro. Verteidigerin Birgit Schwarz bat um „ein mildes Urteil“. „Vom Führerschein hängt seine Existenz und die seiner Mitarbeiter ab“, sagte sie.

Richterin Roßdeutscher brauchte nach dieser Verhandlung zehn Minuten Bedenkpause. Sie verurteilte den Mann letztlich zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen à 30 Euro sowie einem sechsmonatigen Führerscheinentzug. Er sei mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit gefahren, obwohl er die Stelle kenne. Sie habe wegen des Führerscheinentzugs lange überlegen müssen, aber die Argumente dagegen hätten nicht ausgereicht. „Mir fällt’s schwer, aber ich kann auch nicht Emotionen über juristische Erwägungen stellen“, sagte sie. Der Angeklagte gab seinen Führerschein sofort ab.

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