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70 Jahre Kriegsende

24.04.2015

Adolf Hitler ist noch immer Ehrenbürger von Mindelheim

Adolf Hitler ist immer noch Ehrenbürger in Mindelheim. Dieses Bild zeigt ihn bei seinem Auftritt im Jahr 1932 in Kempten.
Bild: Ralf Lienert (Repro)

70 Jahre nach Kriegsende ist Adolf Hitler in Mindelheim immer noch Ehrenbürger. Nach 1945 ist offenbar vergessen worden, den Namen des „Führers“ aus den Dokumenten zu entfernen.

Auch 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges ist einer der Hauptverantwortlichen des millionenfachen Tötens offenbar nach wie vor Ehrenbürger der Stadt Mindelheim. Während die meisten Kommunen unmittelbar nach Ende der Nazi-Diktatur Adolf Hitler wieder von der Liste der Ehrenbürger gestrichen haben, gibt es für Mindelheim kein Dokument, das belegen würde, dass ein solcher Schritt erfolgt ist.

Hitler als Ehrenbürger - Mindelheim will aufklären

Über Jahre hinweg hatte Berndt Michael Linker zur Geschichte der Kreisstadt Mindelheim geforscht. Dabei hat er für sein Buch „Mindelheim im 20. Jahrhundert“ auch die Zeit des Nationalsozialismus ausgeleuchtet. Linker sagt, ihm sei in all den Jahren kein Dokument in die Hände gefallen, das belegen würde, dass die Stadt Hitler die Ehrenbürgerwürde wieder entzogen hätte. Ähnlich äußert sich Stadtarchivar Andreas Steigerwald. Weder gibt es einen Hinweis auf Aufhebung noch auf Löschung.

Bürgermeister Stephan Winter sagte, dass Hitler Ehrenbürger von Kommunen war, sei weit verbreitet gewesen. Die Städte hätten diese Ehre verleihen müssen. Während seiner Amtszeit seit 2002 sei das Thema nie aktuell gewesen. Er wolle alles tun, um das aufzuklären. Einzig lebender Ehrenbürger von Mindelheim ist eine Frau, Olli Hirle. Auch der verstorbene Erwin Holzbaur ist Ehrenbürger der Stadt.

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Schon am 25. März 1933, also nur wenige Wochen nach der Machtergreifung, wurde Hitler die Ehrenbürgerwürde von Mindelheim angedient. Der damalige Kreisleiter der NSDAP Mindelheim hatte den Antrag im Stadtrat gestellt, Hitler zum Ehrenbürger zu ernennen. Er begründete dies damit, „dass die weltgeschichtlichen Ereignisse, die sich in den letzten Wochen in Deutschland abgespielt hatten, Begründung genug seien und der überwiegende Teil der Bevölkerung dies wünsche“.

Mindelheimer Stadtrat stimmte 1933 für Ehrenbürgerschaft Hitlers

Der Stadrat ließ sich denn auch nicht lange bitten. In seltener Einmütigkeit wurde das Ehrenbürgerrecht am 25. März 1933 einstimmig beschlossen, wobei sich zu dieser Zeit die SPD-Räte bereits in Memmingen in Haft befanden und nicht mitstimmen konnten. 16 der 22 anwesenden Mitglieder stimmten für den Antrag. Dieselbe Ehre erfuhr Reichspräsident Paul von Hindenburg.

Beide Auszeichnungen wurden ausdrücklich ohne Aussprache verliehen. Eine solche Debatte hatte der damalige Bürgermeister untersagt. Damit hatte niemand ein Problem. In dem überfüllten Sitzungssaal waren über 50 Interessierte zusammengekommen – darunter viele in Uniform, das Gros in SA-Kleidung.

Hitler und Hindenburg bedankten sich schriftlich beim Stadtrat. Hitler schrieb unter dem Datum 20. August 1933: „Die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes von Mindelheim erfüllt mich mit aufrichtiger Freude. Ich nehme die Ehrenbürgerschaft an und bitte, dem Stadtrat meinen ergebensten Dank sowie meine aufrichtigsten Glückwünsche für das Blühen und Gedeihen von Mindelheim aussprechen zu dürfen. Mit deutschem Gruß! Adolf Hitler“.

Hindenburg hatte bereits am 6. April 1933 ein ähnliches Schreiben nach Mindelheim geschickt. Auch der Reichspräsident dankte für die Ehrung.

Straßen wurden nach Kriegsende umbenannt - Hitlers Ehrenbürgerschaft blieb

Die Stadt Mindelheim hat wie andere Kommunen auch Plätze und Straßen nach Größen der Nationalsozialisten benannt. All diese Namen wurden nach dem Krieg wieder getilgt. Schon kurz nach der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an Hitler wurde ein Teil der Bahnhofstraße (Nummern 50 bis 57) in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Aus der Friedrich-Ebert-Straße zu Ehren des kommissarischen bayerischen Ministerpräsidenten wurde die von-Epp-Straße. Ritter von Epp war General.

Im November 1933 erhielt „Reichsernährungsminister“ Darré das Ehrenbürgerrecht von Mindelheim. Er habe sich um die Errichtung der süddeutschen Bauernführerschule verdient gemacht. 1937 sollte auch Gauleiter Karl Wahl Ehrenbürger werden. Dieser lehnte aber ab.

Weitere Straßenumbenennungen zu Ehren von NS-Größen betrafen die Bahnhofstraße. Am 19. Mai 1937 wurde ein Teilstück nach dem Gauleiter umbenannt in „Karl-Wahl-Straße“. Am 4. Dezember 1942 wurde aus dem hinteren Teil der Kornstraße mit der Westernacher Straße in Hermann-Göring-Straße umbenannt. Aus dem Marktplatz wurde der Adolf-Hitler-Platz. Der bisher so genannte Platz an der Bahnhofstraße wurde zum Horst-Wessel-Platz.

All die Straßen und Plätze wurden dann am 10. Oktober des Jahres 1947 rückbenannt. Bei der Entnazifizierung war nur einer vergessen worden: der Ehrenbürger Adolf Hitler.

In Türkheim hingegen hatten die Verantwortlichen gehandelt. Im Archiv der Marktgemeinde findet sich eine Seite aus dem Türkheimer Anzeiger, dem damaligen amtlichen Mitteilungsblatt der Gemeinde. Es datiert vom 23. Juni 1945. Darin ist zu lesen, dass „hiermit“ Adolf Hitler und Julius Streicher, dem Herausgeber des Hetzblattes Stürmer, die Ehrenbürgerwürde entzogen wird.

Aus der „Adolf Hitler-Straße“ in Türkheim wurde wieder die Bahnhofstraße. Die „Julius Streicher-Straße“ erhielt die frühere Bezeichnung Schmiedstraße zurück.

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